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Drohnenaufnahme eines fahrendes Containershiffs auf dem Meer

Hauptartikel: Globalisierung unter Druck

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Die Blockade der Straße von Hormus verdeutlicht, wie verwundbar unsere stark vernetzte Weltwirtschaft geworden ist. Die Unterbrechung einer der weltweit wichtigsten Transportrouten, über die rund 20 Prozent der globalen Öl- und Gasexporte fließen, hat unter anderem zu einem starken Anstieg der weltweiten Kraftstoffpreise geführt. Die Situation im Iran zeigt, dass Engpässe wie die Straße von Hormus als Druckmittel eingesetzt werden können. Folglich sind Unternehmen und Regierungen gezwungen, internationale Handelsrouten erneut zu überprüfen.

Vor diesem Hintergrund dürfte sich der Trend zur Deglobalisierung, der während der Coronapandemie begonnen hat, nochmals beschleunigen. Diesmal wird er durch die geopolitischen Spannungen voraussichtlich noch verstärkt.

Weitere kritische Engpässe im globalen Handel

Neben der Straße von Hormus gibt es weitere Orte, an denen wichtige Güter durch eine relativ enge geografische Passage transportiert werden. Dazu gehören

  • die Straße von Malakka zwischen Indonesien und Malaysia, die an ihrer engsten Stelle nur 2,8 Kilometer breit ist und über die rund 80 Prozent des nach China importierten Öls transportiert werden,
  • der Panamakanal, der an seiner engsten Stelle nur 91 Meter breit ist, sowie
  • die Straße von Bab el Mandeb zwischen Jemen und Eritrea, durch die etwa 40 Prozent des Handels zwischen Asien und Europa fließen.1
Tabelle über die Engpässe im globalen Handel. Genannt werden die Straße von Hormus, die Straße von Malakka, Suez und Bab el-Mandeb sowie der Panamakanal. Quelle: Bloomberg

Die aktuelle Situation zeigt, dass Blockaden an diesen Nadelöhren weitreichende wirtschaftliche Folgen haben können. In den Jahren 2023 und 2024 störten die Angriffe der Houthis in der Region Bab el Mandeb den Schiffsverkehr und somit die globalen Lieferketten. Das Risiko bleibt bestehen, da der Iran die Gruppe Berichten zufolge dazu ermutigt, wieder gegen den Schiffsverkehr vorzugehen.

Wann immer Reedereien gezwungen sind, von ihren üblichen Routen abzuweichen, verlängert sich der Transportweg um mehrere tausend Kilometer und um mehrere Wochen.2  Solche Umleitungen erhöhen die Transportkosten erheblich und tragen zu höheren Preisen und steigendem Inflationsdruck bei.

 

Neubewertung des internationalen Handels

Der Iran-Krieg verdeutlicht einmal mehr, wie anfällig globale Lieferketten geworden sind. Daher wird eine Beschleunigung der Deglobalisierung und Verringerung der wirtschaftlichen Verflechtung zwischen Ländern erwartet, gekennzeichnet durch rückläufigen grenzüberschreitenden Handel, Investitionen und Kapitalströme.

Eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) deutet allerdings darauf hin, dass die Deglobalisierung negative Auswirkungen auf das globale Wachstum haben könnte. Im schlimmsten Fall könnte das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) langfristig um bis zu 7 Prozent zurückgehen, wobei einkommensschwache Länder überproportional betroffen wären.3

In der Praxis bedeutet Deglobalisierung jedoch nicht zwangsläufig eine vollständige Umkehr der Globalisierung. Anstatt einfach die gesamte Produktion ins eigene Land zurückzuholen (Reshoring), verfolgen viele Länder und Unternehmen eher das „Friendshoring“. Dabei werden Produktion und Importe in Ländern konzentriert, die als geopolitische Verbündete gelten. Diese Verschiebung ist seit der Ausweitung des Zollregimes durch die USA im Jahr 2025 deutlich stärker geworden, was andere Regionen dazu veranlasste, ihre Abhängigkeit von den USA als Handelspartner zu verringern.

Die wachsende Bedeutung regionaler Handels-beziehungen spiegelt sich im starken Anstieg regionaler Handelsabkommen wider, deren Zahl zwischen 2015 und 2025 um rund 40 Prozent zunahm.4  Beispiele dafür sind das Mercosur-Abkommen5  oder die Vereinbarungen Europas mit Australien.

Laut der Europäischen Kommission sollen diese Abkommen Handelspartnerschaften diversifizieren und die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten stärken.

Liniendiagramm der europäischen Gaspreise (EUR/MWH) von Januar 2015 bis April 2026, mit einem starken Anstieg auf fast 240 EUR im Jahr 2022, gefolgt von einem Rückgang und anschließend einem Anstieg auf etwa 50 EUR im April 2026. Quelle: Bloomberg.

Chancen durch die Deglobalisierung

Die Neugestaltung des globalen Handels schafft auch Investitionsmöglichkeiten. Für Europa scheinen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konflikts überschaubarer zu sein als der Energiepreisschock 2022 nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine (Abbildung 2). Seitdem hat Europa seine Energieversorgung erheblich diversifiziert und die Investitionen in erneuerbare Energiequellen erhöht.

Dennoch bestehen strukturelle Schwachstellen, da rund 57 Prozent des europäischen Energiebedarfs nach wie vor durch Importe gedeckt werden. Der aktuelle Konflikt unterstreicht die strategische Bedeutung einer größeren Energieunabhängigkeit. Unternehmen wie Schneider Electric, Siemens Energy und Legard sind gut positioniert, um von diesem Trend zu profitieren. Sie sind auf langfristige Themen wie Energiesicherheit, Elektrifizierung und den Übergang zu einem widerstandsfähigeren Energiesystem ausgerichtet.

Fazit

Die vergangenen Jahre haben nicht nur die Vorteile, sondern auch die Schwachstellen der Globalisierung deutlich gemacht. Der Iran-Konflikt zeigt einmal mehr, wie abhängig die Weltwirtschaft nach wie vor von internationalen Öl- und Gasströmen sowie von kritischen Handelsrouten ist. Dies hat den Fokus erneut auf regionale Produktion, Diversifizierung in der Lieferkette sowie auf die Notwendigkeit von Widerstandsfähigkeit zur Anpassung an geopolitische Veränderungen gerichtet. Europa hat bereits einige Schritte unternommen, indem es seine Energieversorgung diversifiziert und massiv in erneuerbare Energien investiert hat. Dennoch ist dieser Wandel noch lange nicht abgeschlossen. Für Anleger bieten diese strukturellen Verschiebungen Chancen, ihre Portfolios auf eine Zukunft auszurichten, in der wirtschaftliche Effizienz zunehmend gegen Sicherheit und Widerstandsfähigkeit abgewogen wird.

Tabelle über Analagelösungen zum Thema des Fokus-Artikels – Wie lässt sich Wasserknappheit beseitigen? Diese beinhaltet zehn Aktien. Quellen: Morningstar Research.

Marlies Drooger Expertin für Aktienresearch und -beratung

 

1 The Guardian: Die Globalisierung ist durch den Krieg im Iran bedroht

2 Energy Information Administration: Angriffe im Roten Meer verlängern Transportzeiten und erhöhen Frachtraten

3 IWF: Der Preis der Fragmentierung: Warum die Weltwirtschaft nicht auf die bevorstehenden Schocks vorbereitet ist

4 Morgan Stanley: Die Entamerikanisierung der Globalisierung

5 Der Mercosur ist ein Handelsblock mehrerer südamerikanischer Länder, darunter Brasilien und Argentinien.

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Wichtige Hinweise der Bethmann Bank 

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Bei der Darstellung der Wertentwicklung von Finanzinstrumenten und Finanzindizes handelt es sich um Bruttowerte. Die dargestellte Bruttowertentwicklung berücksichtigt keine individuellen Gebühren wie insbesondere Transaktionskosten, Verwahr- und Depotgebühren sowie sonstige Kosten, die sich bei einer Investition in diese Finanzanlagen mindernd auf die Kursentwicklung auswirken. Marktüblich liegen diese bei durchschnittlich ca. 1,6 % p. a..

Die folgende Musterrechnung veranschaulicht beispielhaft die Auswirkungen anfallender Transaktionskosten bei unterschiedlichen Szenarien/Kursverläufen nach einem Anlagejahr:

Die prozentuale Entwicklung des Basiswertes von + 20% kann nach Provisionen, Gebühren und weiteren Entgelten ein Ergebnis von +14,8% betragen.

Die prozentuale Entwicklung des Basiswertes von 0% kann nach Provisionen, Gebühren und weiteren Entgelten ein Ergebnis von -4,3% betragen.

Die prozentuale Entwicklung des Basiswertes von -23,5% kann nach Provisionen, Gebühren und weiteren Entgelten ein Ergebnis von 23,5% betragen.

Bitte beachten Sie, dass diese Kosten in den Abbildungen nicht berücksichtigt sind.

Die Beurteilung eines Unternehmens über den sogenannten Nachhaltigkeitsindikator erfolgt in den fünf Ausprägungen Ausgezeichnet, Gut, Durchschnittlich, Schwach und Sehr schwach. Sie erfolgt anhand der Einstufung von Umweltorientierung (Environment), Sozialverhalten (Social) und verantwortungsvoller Unternehmensführung (Government) eines Unternehmens unter Berücksichtigung negativer Vorfälle (Controversies). Zur Analyse werden Daten des Analyseunternehmens Sustainalytics einbezogen. Die Nachhaltigkeitsstufe berücksichtigt die Einstufung des Unternehmens in Abhängigkeit von der Industriegruppe, der Größe und dem Standort des Unternehmens. Unternehmen der obersten 25 % im Ranking der Vergleichsgruppe erreichen die Beurteilungsstufe Ausgezeichnet. Unternehmen der niedrigsten 10 % im Ranking der Vergleichsgruppe werden mit der Nachhaltigkeitsstufe Sehr schwach beurteilt.

Anleger sollten sich vor dem Erwerb eines in dieser Ausarbeitung genannten Finanzinstruments eine Beratung zur Kapitalanlage sowie zu ihrer steuerlichen und rechtlichen Situation einholen, um die individuelle Eignung des zu erwerbenden Finanzinstruments (insbesondere in Bezug auf die Risikohaltigkeit) zu prüfen. Diese Ausarbeitung darf weder fotokopiert noch in anderer Art und Weise ohne die vorherige Zustimmung der Bethmann Bank vervielfältigt werden. Die Informationen in dieser Ausarbeitung richten sich ausschließlich an Anleger in Deutschland, die nicht US-Personen sind bzw. keinen Wohnsitz in den USA haben.

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Die Bethmann Bank und/oder mit ihr verbundene Unternehmen erwarten in den nächsten drei Monaten von dem Emittenten, der selbst oder dessen Finanzinstrumente Gegenstand der Finanzanalyse sind, Vergütungen für Dienstleistungen im Zusammenhang mit Investmentbanking-Geschäften oder streben solche an.

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Interne organisatorische und regulative Vorkehrungen zur Prävention oder Behandlung von Interessenkonflikten

Mitarbeiter/-innen der Bethmann Bank, die mit der Darbietung von dieser Ausarbeitung befasst sind, unterliegen den konzern- bzw. hausinternen Compliance-Regelungen, die sie als Mitarbeiter/-innen eines Vertraulichkeitsbereiches einstufen. Die Compliance-Regelungen der Bethmann Bank entsprechen den regulatorischen Anforderungen.

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Stand: Mai 2026