Wochenkommentar: Schwellenmärkte im Coronavirus-Fieber

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Die US-Wirtschaft wuchs im vierten Quartal 2019 annualisiert um beachtliche 2,1 %. Die Einzelheiten waren jedoch weniger beeindruckend. Die Anlageinvestitionen gingen das dritte Quartal in Folge zurück, und der private Konsum verlangsamte sich auf 1,8 % (nach 3,1 % im dritten Quartal).

Die stärkste Triebfeder des BIP-Wachstums waren die Nettoexporte, die einen Wachstumsbeitrag von 1,8 Prozentpunkten leisteten. Ausschlaggebend war hier ein deutlicher Rückgang der Importe (8,7 % annualisiert), der auf die Zölle zurückgehen dürfte, die die USA auf Waren aus China verhängt haben. Ein Teil dieses Rückgangs wurde durch einen Abbau der Lagerbestände aufgefangen, die um 1,3 Prozentpunkte zurückgingen. Darüber hinaus unterstützten auch die Investitionen in Wohnimmobilien das Wachstum der US-Wirtschaft.

Für das Gesamtjahr 2020 rechnen wir in den USA weiterhin mit einer Verlangsamung des Wachstums auf 1,3 % (nach 2,3 % im Jahr 2019). Als Gründe für diese Abkühlung sehen wir die Schwäche im Fertigungssektor, die auch auf den Dienstleistungssektor übergreifen dürfte, was sich wiederum negativ auf das Beschäftigungswachstum und den Konsum auswirken dürfte.

Aktien: auch anständige Gewinne können die Investoren nicht begeistern

Die Berichtssaison ist angelaufen, und eine Reihe von wichtigen US-Unternehmen hat bereits ihre Geschäftszahlen und Vorgaben für die weitere Entwicklung veröffentlicht. Es ist zwar noch früh, aber bislang scheinen auch anständige Ergebnisse der Unternehmen bei den Investoren keine Begeisterung auszulösen. Dies liegt vor allem an der Befürchtung, dass die Erwartungshaltung für die kommenden Quartale zu hoch sein könnte.

Unter dem Strich sind Ausblick und Vorgaben der Unternehmen bislang moderat optimistisch. Zwei Leitwerte der Technologiebranche haben mit ihrem Umsatzwachstum die Erwartungen übertroffen und damit die starke Dynamik der amerikanischen Technologieaktien bestätigt. 

Unterdessen hat die wachsende Angst vor den Folgen des Coronavirus die Aktienmärkte weltweit belastet, nachdem die Kurse noch vor Kurzem vielerorts Allzeithochs erreicht hatten. Das Gesundheitsrisiko ist gestiegen, und auch die Reisebeschränkungen und anderen Maßnahmen der chinesischen Behörden konnten die Investoren nicht vollständig davon überzeugen, dass der Ausbruch des Virus bald eingedämmt werden kann. 

Immobilien und Versorger können der Angst vor dem Coronavirus bislang am besten trotzen. Beide Sektoren profitieren von fallenden Zinsen auf festverzinsliche Anlagen und einer nur moderaten Abhängigkeit von Schwellenländern. Die Hersteller von Luxusgütern und Autos hat es hingegen am stärksten getroffen, weil die chinesischen Verbraucher für ihr Geschäft besonders wichtig sind.

Anleihen: Coronavirus-Angst beherrscht die Märkte

Die Investoren machen sich seit zwei Wochen Sorgen wegen der Ausbreitung des Coronavirus und der potenziellen Folgen für die Weltwirtschaft. Deshalb stieg die implizierte Volatilität (die angibt, wie die Märkte die künftige Volatilität einschätzen) über die Marke von 18 Punkten. Das ist der höchste Stand seit Anfang Oktober 2019, als der amerikanisch-chinesische Handelskrieg und die Gefahr eines harten Brexits für Angst und Schrecken sorgten.

Anfang der vergangenen Woche lieferten enttäuschende Wirtschaftsdaten einen zusätzlichen Grund zur Sorge. Der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Januar auf 95,9. Damit lag er sowohl unter dem Analystenkonsens von 97,0 als auch unter dem Vormonatswert von 96,3. Unterdessen übernahmen zehnjährige Bundesanleihen ihre Rolle als sicherer Hafen. Die Rendite auf diese Titel erreichte bei -40 Basispunkten (Bp) den tiefsten Stand des Jahres und fiel in nur zwei Wochen um mehr als 24 Bp.

Auf der anderen Seite des Atlantiks war die Situation erwartungsgemäß ähnlich: Die Rendite auf zehnjährige Treasuries fiel auf 157 Bp (Anfang des Jahres hatte sie bei 188 Bp gelegen). Bei den Unternehmensanleihen favorisierten die Investoren logischerweise europäische und amerikanische Investmentgrade-Unternehmensanleihen und verkauften riskantere Anlagen. Dadurch sind die Risikoaufschläge bei Schwellenmarktschuldtiteln (+35 Bp), US-Hochzinsanleihen (+50 Bp) und europäischen Hochzinsanleihen (+30 Bp) allesamt gestiegen.

Innerhalb des Hochzinssegments entwickelten sich amerikanische Titel der CCC-Ratingstufe unterdurchschnittlich und verzeichneten den stärksten Anstieg der Risikoprämien, denn der erhebliche Rückgang der Ölpreise hat ölbezogene Upstream-Branchen getroffen, die im CCC-Segment stark vertreten sind. Der Rückgang der Ölpreise hat wiederum mit den restriktiven Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus und seine potenziellen negativen Folgen für den Welthandel zu tun.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) beschloss am vergangenen Mittwoch, die Zielspanne für die Federal Funds Rate (Leitzins) bei 1,5 % bis 1,75 % und damit auf dem Stand von Dezember zu belassen. Dies war von Analysten weithin erwartet worden und wirkte sich deshalb an den Märkten nur in begrenztem Maße aus. Fed-Chef Jerome Powell zeigte sich angesichts des Ausbruchs des Coronavirus besorgt: „Das ist ein ernstzunehmendes Problem. Es ist damit zu rechnen, dass es zu Störungen der wirtschaftlichen Aktivität in China und wahrscheinlich sogar weltweit kommt.“

Aufgrund von Schließungen und Quarantänen in chinesischen Fertigungszentren können wir nicht davon ausgehen, dass der Ausbruch des Coronavirus ohne gravierende Störungen der wirtschaftlichen Abläufe bleibt.

Trotzdem bleiben wir bei unserem Basisszenario einer moderaten Verbesserung. Wir glauben, die Eingriffe der Zentralbanken werden die Konjunktur stützen und den Aufschwung verlängern, indem sie die Zinsen niedrig halten und geldpolitische Unterstützung bieten. Wir haben europäische Unternehmensanleihen übergewichtet, weil diese Anlageklasse vom EUR 20 Mrd. schweren Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank profitiert. Bei Anleihen im höheren Risikosegment favorisieren wir weiterhin Schwellenmarktanleihen gegenüber Hochzinstiteln. Die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Schwellenländern, der expansive Grundton von Powells Rede und attraktivere Kurse sprechen allesamt für Schwellenmarktanleihen, die in den kommenden Monaten zusätzlich von einem schwächeren US-Dollar profitieren könnten. Das Hochzinssegment bleibt unserer Meinung nach sehr teuer und volatil und bietet in EUR- oder USD-abgesicherten Währungen mittelfristig nur begrenztes Wertsteigerungspotenzial. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: LaMiaFotografia / Shutterstock.com

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