Wochenkommentar: Märkte trotzen der Virusangst

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Wer momentan Zeitung liest, kann es eigentlich kaum glauben, dass die Aktienmärkte, vor allem die amerikanischen, gerade wieder neue Allzeithochs erreicht haben. Gleichzeitig sind die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle auf 40.000 und die Zahl der bestätigten Todesfälle auf über 900 gestiegen. Die Märkte sind aber zuversichtlich, dass wirksame Medikamente gegen das Virus entwickelt werden.

Darüber hinaus verläuft die Berichtssaison für das vierte Quartal in den USA bislang im Großen und Ganzen gut. Nahezu 50 % der S&P-500-Unternehmen haben bereits Geschäftszahlen gemeldet, und die Gewinne liegen über den Erwartungen.

Der Ausgang der US-Vorwahl der Demokraten in Iowa, dem ersten US-Bundesstaat, der einen Demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl auswählt, hat Kaufinteresse für amerikanische Healthcare-Unternehmen geweckt.

Insgesamt wirken die Aktienmärkte gesund und robust, was unsere neutrale Haltung in Verbindung mit einer klaren zyklischen Ausrichtung bestätigt.


Anleihen: Bonitätsrisiken sind gefragt 


Zwei Risikoarten bestimmen die Wertentwicklung an den Rentenmärkten: Zinsrisiko und Bonitätsrisiko. Wir vermuten, das Bonitätsrisiko wird künftig unsere wichtigste Quelle für Wertsteigerungen an den Rentenmärkten sein.

In der Eurozone gehen Zinsänderungen oft mit Preisänderungen bei deutschen Staatsanleihen (und damit dem sogenannten risikolosen Zins) einher. Die Zinsen der meisten deutschen Staatsanleihen sind negativ. Stattdessen können Investoren auch in US-Staatsanleihen investieren, deren Verzinsung deutlich höher ist. Diese Papiere lauten allerdings auf US-Dollar. Und die nach der Absicherung des Wechselkursrisikos verbleibende Rendite ist mit der von deutschen Staatsanleihen vergleichbar. Wer also kein nicht abgesichertes Währungsrisiko eingehen will, muss trotzdem wieder eine negative Rendite hinnehmen.

Alle anderen Anleihekursbewegungen haben mit Veränderungen der Bonitätsrisiken zu tun. In die Gruppe der Bonitätsrisiken fallen eine Reihe von unterschiedlichen Risiken. Eines davon ist die Gefahr, dass ein Unternehmen bankrottgeht (ein Risiko, das 2008 in großem Umfang eingetreten ist). Daneben gibt es aber auch das Risiko, dass ein Land seine Schulden nicht mehr bezahlen kann, so wie es bei Griechenland während der Euro-Krise der Fall war. Ein weiteres wichtiges Risiko ist das sogenannte Liquiditätsrisiko, d. h. die Gefahr, dass sich Käufer und Verkäufer nicht sofort auf einen Preis einigen können. Die Anleihemärkte sind in den vergangenen zehn Jahren weniger liquide geworden. Dieses Risiko wird oft übersehen.

Für die Anleger lautet die Preisfrage: Welches dieser Risiken sollte die treibende Kraft hinter einem Rentenportfolio sein? Sinkende Zinsen sprechen seit Jahrzehnten für Zinsrisiken. Aber Anleihen, die kein oder nur ein geringes Bonitätsrisiko haben, rentieren inzwischen negativ. Das bedeutet, die Zinsen müssen sogar noch tiefer fallen, damit diese Anleihen eine Wertsteigerung abwerfen. Dazu käme es nur bei einer gesamtwirtschaftlichen Verschlechterung. Deshalb sind Anleihen sehr unattraktiv, sie würden Anlegern aber trotzdem dabei helfen, einen (unerwarteten) Sturm zu überstehen. Unser gesamtwirtschaftlicher Ausblick ist verhalten positiv. Das heißt, wir rechnen mit einem langsamen, aber besser werdenden Wachstum im Lauf des Jahres, und dann wäre es unwahrscheinlich, dass die Zinsen noch sehr viel weiter fallen.

Wir könnten auch einen Teil unserer Rentenpositionen in Liquidität umschichten und auf diese Weise das Zinsänderungsrisiko herausnehmen. Aber auch Liquidität wird momentan negativ verzinst. Das ist also auch keine attraktive Option. Die relativ günstigen Bedingungen für das Eingehen von Bonitätsrisiken bedeuten, dass der mit Abstand größte Teil des Anleiheportfolios darauf ausgerichtet sein sollte. Unternehmensanleihen, italienische Staatsanleihen und auch Schwellenmarktanleihen sind deshalb vorzuziehen. Sie sollten helfen, auch in diesem Jahr eine positive Wertentwicklung zu erzielen. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: LaMiaFotografia / Shutterstock.com

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