Wochenkommentar: Die Bullen sind in Quarantäne

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Angesichts des drohenden wirtschaftlichen Einbruchs haben Regierungen und Zentralbanken zahlreiche Stützungsmaßnahmen angekündigt. Diese konnten die Finanzmärkte nur kurzfristig stabilisieren. Erste Wirtschaftsdaten lassen bereits die Tiefe des Schocks erkennen, der sich nun in die Weltwirtschaft frisst.

Chinas Einzelhandelszahlen zeigten - mit einem Rückgang von mehr als 20 Prozent im vergangenen Monat - die gravierenden Folgen der Coronakrise an. In den westlichen Industrieländern spiegeln Frühindikatoren (z.B. der Ifo-Index) den Pessimismus im Unternehmenssektor wider. Andererseits meldeten Chinas Behörden am vergangenen Donnerstag zum ersten Mal seit Ausbruch des Coronavirus keine Neuinfektionen in der Region Hubei. Unterdessen haben alle großen Zentralbanken mit Unterstützungsprogrammen einen Gang hochgeschaltet. Die US-Notenbank Fed (Federal Reserve) hat zum zweiten Mal mit einer Zinssenkung eingegriffen und den Leitzins auf 0,25% gesenkt. Darüber hinaus kündigte die Fed an, Anleihen im Wert von USD 700 Mrd. zu kaufen (US-Staatsanleihen und MBS). Selbst das Auszahlen von sogenanntem Helikoptergeld steht in den USA im Raum – d.h. Finanzspritzen für jeden US-amerikanischen Haushalt. Die Europäische Zentralbank (EZB) will weitere Liquidität bereitstellen, indem sie 2020 zusätzliche Anleihen im Wert von EUR 750 Mrd. kauft. Auf Unternehmensseite hat eine Reihe von großen Unternehmen angekündigt Aktienrückkäufe auszusetzen, Dividenden zu senken und Kreditlinien in Anspruch zu nehmen, um die Bilanzen zu stärken. Aus Sektorsicht konnten Gesundheit, Kommunikationsdienstleistungen und der nicht-zyklische Konsum eine leicht bessere Wertentwicklung verzeichnen, während Energie-, Industrie-, Grundstoffe- und Finanzwerte die höchsten Verluste hinnehmen mussten. In den USA sind IT-Aktien weniger stark gefallen als der Gesamtmarkt. In Europa hat der massive Einbruch von Immobilienaktien in den vergangenen Tagen für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Investoren sind aus Immobilienaktien geflüchtet, da mit fallenden Erträgen und Mieteinnahmen aufgrund von Ausgangsbeschränkungen und Ladenschließungen im Einzelhandel zu rechnen ist. Aufgrund der hohen Volatilität und der massiven Verkaufswellen ist der Bullenmarkt in Rekordlänge, der 2009 nach der großen Rezession begonnen hatte, eindeutig vorüber. Mit dem Ausbruch des Coronavirus sind Aktien in einen „Bärenmarkt“ eingetreten. Der Bullenmarkt dauerte elf Jahre. Dass er so lange anhielt, liegt vor allem an der lockeren Geldpolitik der Notenbanken, Trumps Steuervorteilen, Aktienrückkäufen und einer Beschleunigung des technologischen Fortschritts. Mit Ausbruch des Coronavirus sind die Bullen nun vorübergehend in Quarantäne verbannt. Ausmaß und Länge in der Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Bürgern wird maßgeblich darüber bestimmen, wann der Aktienmarkt die Coronakrise hinter sich lassen kann.

Vor dem Hintergrund des Coronavirus-Schocks haben wir unsere volkswirtschaftlichen Prognosen gesenkt und rechnen auf kurze Sicht mit einer tiefergehenden konjunkturellen Kontraktion und einer längeren Verzögerung, bis sich wieder eine starke und anhaltende Erholung ausbildet. Für die Volkswirtschaften in den USA und in der Eurozone haben wir aufgrund von Ausgangsbeschränkungen sowie Schul- und Ladenschließungen weitreichendere und gravierendere Unterbrechungen der wirtschaftlichen Aktivität einkalkuliert. Diese Maßnahmen werden unserer Einschätzung nach in den nächsten zwei Quartalen zu einer heftigen Kontraktion der konjunkturellen Aktivität führen.

Anleihen: Unterstützung von den Zentralbanken

 

Die Coronavirus-Pandemie löst in immer mehr Ländern und Regionen Ausgangsbeschränkungen aus. Diese radikalen Maßnahmen bringen die wirtschaftliche Aktivität zum Stillstand. An den Finanzmärkten erleben wir jetzt Risikoscheu und erhöhte Volatilität, was zu einer Verschlechterung der Liquidität geführt hat. 2008 war es ein Schock bei festverzinslichen Schuldtiteln, der zu einem konjunkturellen Schock geführt hat. Jetzt stehen wir am Beginn eines konjunkturellen Schocks, der zu einem Schock an den globalen Rentenmärkten führen könnte. Deshalb haben die Notenbanken Stützungsprogramme aus 2008 wieder aufgelegt. Damit zeigen sie, dass sie entschlossen sind, das Finanzsystem mit geldpolitischen Mitteln zu unterstützen. Die Zentralbanken müssen handeln, um die Finanzmärkte am Laufen zu halten. Die Summe der Unterstützungsmechanismen dürften ein Sicherheitsnetz für die kommenden Monate aufspannen. Die Europäische Zentralbank (EZB) bestätigte nach ihrer jüngsten Notfallsitzung das Versprechen, „was auch immer notwendig“ ist zu unternehmen. Damit sind alle Weichen für eine fortlaufende Unterstützung der Finanzmärkte gestellt. Nun kommt es auf eine wirkungsvolle Eindämmung des Coronavirus an. Das würde den Regierungen erlauben, einige der Ausgangssperren zurückzuschrauben, so dass ein Teil der wirtschaftlichen Aktivitäten wieder anlaufen könnten. Doch bevor es soweit ist, werden wir vermutlich weitere Ratingherabstufungen von Unternehmen und Zahlungsausfälle erleben, die in den letzten Jahren so niedrig waren wie nie zuvor. Der Umfang der Gegenmaßnahmen von Regierungen und Zentralbanken sollte diese Entwicklung jedoch abfedern. Aufgrund mangelnder Liquidität wird die Handelbarkeit von Anleihen an den Finanzmärkten allmählich zum Problem. Daher kann es schwierig sein, Anleihepapiere zu verkaufen. Wir raten davor ab, in einem Markt mit begrenzter Liquidität zu handeln. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Jorg Hackemann / Shutterstock.com

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