Wochenkommentar: Beschränkungen werden gelockert

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Wann und wie schnell die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beschränkungen gelockert werden, ist an den Aktienmärkten weiterhin das bestimmende Thema. Neuerliche Infektionen in China und Südkorea belasten die asiatischen Aktienmärkte ebenso wie das gestiegene Risiko, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China wieder aufflammt.

Die Wiedereröffnung des Disney-Themenparks in Schanghai hat die Hoffnung genährt, dass bald auch andere Parks wieder aufmachen.

Unterdessen haben aber Vertreter der US-Notenbank Fed gewarnt, eine Lockerung des Lockdowns werde die Wirtschaft unter Umständen nicht ganz so schnell wiederbeleben wie erwartet. Fed-Chef Jay Powell betonte, es seien weitere fiskalische Konjunkturmaßnahmen erforderlich, um länger anhaltende Schäden zu verhindern. Seine Worte verstärkten das zunehmende Gefühl, die jüngste Aktienmarkterholung spiegle die auf kurze Sicht bevorstehenden Risiken nicht angemessen wider.

In Europa reagierten Bank- und Versicherungsaktien negativ auf die jüngsten Quartalszahlen und begründeten ihre Zweifel mit wachsenden Bedenken in Bezug auf die Bonität von Kreditnehmern. Die volle wirtschaftliche Tragweite der Coronakrise könnte erst im nächsten Quartal zutage treten.

Finanzielle Schwierigkeiten bei etlichen Fluggesellschaften belasteten die Entwicklung von Aktien aus dem Reise- und Freizeitsektor. 


Anleihen: Lockerung der Beschränkungen stützt die Erholung


Regierungen haben neue Maßnahmen zur Lockerung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beschränkungen angekündigt. Die Märkte werteten dies als positive Nachricht und schalteten auf Risikobereitschaft um. Wie üblich sind die Renditen auf amerikanische und deutsche Staatsanleihen gestiegen, und die Titel der europäischen Peripherieländer konnten einen Teil ihrer vorherigen Verluste wiedergutmachen, was zu einer positiven Wertentwicklung in unserer taktischen Allokation geführt hat.


Je nachdem, wie der Konflikt zwischen der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem Bundesverfassungsgericht ausgeht, könnte sich die Lage aber grundlegend ändern. Das Bundesverfassungsgericht ist dagegen, die EZB in ihrem Bestreben, die Wirtschaft zu unterstützen, alles tun zu lassen, was notwendig ist. Setzt sich das Gericht durch, könnte dies zu einer Verkaufswelle bei Peripherieländeranleihen und zu einer Zunahme der Spannungen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten führen. Trotzdem gehen wir davon aus, dass sich das Mandat der EZB in diesem speziellen Fall durchsetzen und dass die EZB als unabhängige Institution weiterhin europäische Staats- und Unternehmensanleihen kaufen wird.


Dass Regierungen weltweit ihre Bürger wieder an die Arbeitsstätten geschickt haben, ist vor allem risikobehafteten Anleihesegmenten zugutegekommen. Globale Hochzinsanleihen sind binnen einer Woche gestiegen, und Schwellenmarktanleihen haben das Vertrauen der Investoren zurückgewonnen. Der höchste Verlust seit Jahresbeginn betrug während der Pandemie -15 % für Staatsanleihen von Schwellenländern, etwas mehr bei Hochzinsanleihen und deutlich weniger, nämlich maximal -10 %, bei Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Die aktuelle Rally hat das Minus seit Jahresbeginn bei Schwellenmarktunternehmensanleihen auf -8 %, bei Staatsanleihen aus Schwellenländern und bei Hochzinsanleihen auf -11 % schrumpfen lassen. Da wir Schwellenmarktanleihen übergewichtet hatten und die höchsten Verluste bei Hochzinsanleihen zu verzeichnen waren, wirkte sich dies positiv auf unsere aktive Allokation aus.


Die Corona-Lage ist per Definition unsicher. Wird ein Impfstoff gefunden, könnte es eine starke Erholung geben, kommt es hingegen zu einer schwereren Rezession als bislang angenommen, könnte der Fall tief sein. Wir bleiben bei unserer Übergewichtung von renditestarken Anleihen wie Schwellenmarktanleihen, behalten die konjunkturelle Entwicklung aber genau im Auge.…


Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: aboikis / Shutterstock.com

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