Wochenkommentar: Aktien bewegen sich seitwärts

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Die Aktienmärkte profitieren von beispiellosen Maßnahmen von Regierungen und Zentralbanken und lassen keinen Zweifel daran, was sie aktuell davon halten: In den Augen der Investoren sind die Maßnahmen stark genug, um den extremen Schock durch Covid-19 abzufedern. Und gegebenenfalls sind weitere Unterstützungen zu erwarten.

Die Aktienmärkte der Industrieländer haben sich im Lauf der vergangenen Woche seitwärts entwickelt. Der jüngste Anstieg der Infektionszahlen in Teilen der USA signalisiert, dass sich das Virus dort weiter ausbreitet. Die Anleger sind sich dieses jüngsten Trends zwar bewusst, sie erweisen sich bislang aber als recht widerstandsfähig. Und während die Möglichkeit weiterer umfassender Lockdowns zwar besorgniserregend ist, wird ihr derzeit doch eine recht niedrige Wahrscheinlichkeit bescheinigt. 


Die Vertrauensbarometer sind insbesondere in der Eurozone besser ausgefallen als erwartet, was auf einen deutlichen Konjunkturschub hindeuten könnte. Sollte sich der als nachhaltig erweisen, könnten die stärker zyklischen Sektoren wieder eine Outperformance verzeichnen. Ob es dazu kommt, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen.

In letzter Zeit haben sich die europäischen und die amerikanischen Aktienmärkte relativ gleichlaufend entwickelt. Was die Sektoren betrifft, hinkte der Immobiliensektor eindeutig hinterher. IT verzeichnete hingegen eine Outperformance. Viele der Aktien sind relativ hoch bewertet. Doch die Marktstimmung ist im Hinblick auf diese Titel nach wie vor sehr positiv, was zum Teil an den hartnäckig niedrigen Zinsen und an den eigenen Wachstumsaussichten liegt.


Anleihen: Achterbahnfahrt mit stabilen Sicherheitsbügeln


Die Anleihemärkte sind hin- und hergerissen zwischen der Unsicherheit, die von der Pandemie und ihren wirtschaftlichen Folgen ausgeht, und dem nie gekannten Maß der fiskal- und geldpolitischen Unterstützung. Es ist wie eine richtig furchteinflößende Achterbahn, aber mit sehr stabilen Sicherheitsbügeln; deshalb fühlen sich manche Investoren ermuntert, einzusteigen und die wilde Fahrt zu genießen.


Der rasante Anstieg der Risikobereitschaft erreichte im Juni schon bald seinen Höhepunkt. Seitdem hat sich daran nicht viel geändert. Die Märkte für Staatsanleihen verzeichneten zwar keine großen Rückgänge der Risikoprämien mehr, die Kursgewinne aus der Erholung in den vorangegangenen zwei Monaten haben sie aber auch nicht aufgegeben. Ein vorübergehender Anstieg der Rendite auf US-Staatsanleihen kehrte sich schnell wieder um, und zehnjährige Treasuries rentierten bald wieder um die Marke von 0,7 %, wo sie über Monate gehandelt worden waren. Denjenigen, die es noch nicht so recht glauben wollten, sagte Fed-Chef Powell noch einmal unmissverständlich, dass es in den nächsten Jahren keine Zinserhöhungen geben werde. 


Jetzt versuchen die Märkte, den nächsten Schritt der Fed vorwegzunehmen, der vermutlich eine ähnliche Art der direkten Steuerung der Renditekurve sein wird, wie sie die Bank of Japan seit einigen Jahren praktiziert. Statt in einem bestimmten Umfang Anleihen zu kaufen und auf diese Weise die Renditen zu beeinflussen (quantitative Lockerung, QE), legt die Notenbank bei diesem Modell zuerst Renditeziele entlang der gesamten Laufzeitkurve fest und verspricht, so viele Anleihen zu kaufen (oder zu verkaufen!) wie nötig, um diese Ziele zu erreichen. Solange die Notenbank glaubwürdig bleibt, kann dieses Instrument sehr effektiv sein, ohne dass die Bank besonders viele Anleihen kaufen muss. Die Renditekurve wird zu einem geldpolitischen Instrument, und die Gesetzmäßigkeiten von Angebot, Nachfrage und der Stimmung der Investoren werden praktisch ausgesetzt. Dann werden sich Investoren, die in risikolose Staatsanleihen investieren, nur noch auf die Zentralbank konzentrieren – ähnlich wie es an den Geldmärkten der Fall ist. Auf dem aktuellen Renditeniveau sind diese Märkte für die Investoren weder bei der Wertentwicklung noch in puncto Sicherheit sonderlich attraktiv, deshalb raten wir dazu, diese Anleihen zu meiden.


Die Fed hat noch keine direkte Steuerung der Renditekurve angekündigt, könnte dies aber in den kommenden Monaten nachholen. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird diesen Schritt aufgrund des institutionellen Umfelds nicht mitgehen können. Sie muss mit 19 Staatsanleihekurven arbeiten, und das Bundesverfassungsgericht wartet immer noch auf eine Antwort, nachdem es Beschlüsse der EZB zum Staatsanleihekaufprogramm als kompetenzwidrig eingestuft hatte. Dennoch bietet das Pandemie-Notfallkaufprogramm (PEPP) der EZB ausreichend Flexibilität, ähnliche Ergebnisse zu erzielen, ohne das Vorgehen formal als „Steuerung der Renditekurve“ zu bezeichnen. Dies wird die Renditen auf deutsche Staatsanleihen stabil auf dem aktuellen Niveau halten. Die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen der europäischen Peripherieländer stabil zu halten oder idealerweise sogar zu senken, dürfte schon schwieriger werden. 


Hier werden die Regierungschefs der europäischen Länder eine entscheidende Rolle spielen. Merkel hat für Deutschland bereits eine Umkehr eingeleitet, indem sie gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Macron den europäischen Wiederaufbaufonds vorantreibt und in diesem Zusammenhang in hohem Umfang Finanzhilfen und Kredite befürwortet, die vor allem südeuropäischen Ländern zugutekommen. Eine Reihe von nordeuropäischen Ländern müssen diesem Beispiel erst noch folgen, und die Regierungen der südeuropäischen Länder werden bei der Verwendung der dringend notwendigen Ressourcen Vorsicht und Verantwortungsbewusstsein unter Beweis stellen müssen. Staatsanleihen von Peripherieländern dürften eine schwierige Phase vor sich haben. Noch steuern diese Papiere aber nicht auf eine Katastrophe zu, deshalb raten wir dazu, an entsprechenden Positionen festzuhalten.


Die Zentralbanken können zwar die Anleihemärkte unterstützen, Zahlungsausfälle können sie aber nicht verhindern. Der Lockdown hat viele Unternehmen geschwächt, und die wirtschaftliche Aktivität nimmt jetzt zwar wieder zu, erholt sich aber noch nicht vollständig. Unter diesen Umständen favorisieren wir Investments in Unternehmen mit höherer Bonität, deren Anleihen direkt von den Käufen der Zentralbank profitieren (Investment-Grade-Unternehmensanleihen) gegenüber Investments in riskanteren Hochzinsanleihen. Viele Schwellenländer kämpfen mit dem Coronavirus, doch auch die dortigen Zentralbanken unterstützen ihre Volkswirtschaften nach Kräften, und in vielen Fällen stehen Hilfen des Internationalen Währungsfonds zur Verfügung. Wir gehen davon aus, dass die aktuellen Risikoaufschläge die negativen Folgen in einzelnen Ländern mehr als ausgleichen, deshalb unterstützen wir weiterhin eine gut diversifizierte Position in diesen Märkten. …


Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Botond Horvath / Shutterstock.com

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