Auf der Suche nach Wertsteigerung im Niedrigzinsumfeld

Thomas Domeratzki

Senior Strategist

Chris Verzijl

Quant Strategist

Die ungewöhnliche Situation, dass sehr niedrige Zinsen lange anhalten, ist ein Anreiz, bei der Asset-Allokation neue Wege zu gehen. Faktorinvestitionen konzentrieren sich auf Prämien durch Value, Growth und Momentum, die auch in einem Umfeld mit niedrigen Renditen eine Outperformance ermöglichen.

Wir veröffentlichen für jedes unserer sechs Risikoprofile die erwartete jährliche Rendite und beantworten damit die Frage: „Welche jährliche Wertentwicklung kann ich in den nächsten zehn Jahren durchschnittlich erwarten?“ Im Allgemeinen schwanken diese Zahlen kaum von Jahr zu Jahr, aber dieses Jahr sind die Auswirkungen der konstant sinkenden Verzinsung von Liquidität und Rententiteln erheblich. In Profil 4 (das die meisten unserer Kunden haben) ist die erwartete jährliche Rendite jetzt um 0,6 Prozent gesunken. In den konservativeren Risikoprofilen, die oft von Anleihen und Liquidität dominiert werden, ist der Rückgang sogar noch stärker. Und selbst im Aktienbereich haben die niedrigen Zinsen den Markt teurer gemacht, was eine geringere weitere Entwicklung erwarten lässt.

Von Anlageklassen zu Faktor-Investing

Können wir auf der Suche nach mehr Performance einen anderen Ansatz bei der Allokation realisieren? Der klassische Allokationsansatz basiert auf Anlageklassen: zum Beispiel eine Verlagerung von Anleihen und Liquidität auf Aktien und alternative Investments. In einem Umfeld mit dauerhaft niedrigen Zinsen dürften aber alle so handeln, weil es „alternativlos“ ist. Wir wissen, dass dies das Portfolio anfälliger macht.

Aber es gibt nicht nur eine Art der Asset-Allokation. Sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen können wir uns auf die maßgeblichen Faktoren der Wertentwicklung konzentrieren. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine Allokation auf Basis dieser Faktoren selbst in einem Umfeld mit geringen Wertentwicklungen eine Mehrrendite gegenüber dem Markt bieten kann. Die typischen Faktoren sind Value, Growth, Quality, Momentum und Minimum Volatility.

Der Einsatz von Faktoren im Anlageportfolio

Diese Faktoren folgen einer wirtschaftlichen Logik: Entweder nutzen Sie die irrationalen Verhaltensweisen der anderen aus oder Sie kassieren für ein erhöhtes Risiko (z. B. bei Nebenwerten). Dies bedeutet, dass sich Faktoren über Anlageklassen hinweg in Portfolios integrieren lassen. Die am weitesten verbreiteten Faktorstrategien beziehen sich aber auf Aktien. In unserem Mandatsportfolio „Classic“ tun wir dies bereits implizit. Außerdem gibt es immer mehr Fondslösungen für einzelne Anlageklassen, etwa Staatsanleihen und Unternehmensanleihen.

Die beste Möglichkeit, diese Prämien zu nutzen, ist in unseren Augen eine Faktorstrategie-Allokation bei Aktien. Diese zielt darauf ab, auf lange Sicht systematisch eine höhere Rendite als der breite Markt zu erzielen. In einer Welt niedriger Zinsen zählt jeder Vorsprung, den man sich verschaffen kann.

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Kapitalmarktausblick 2020 - Wolkenlücken am Horizont
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