Eine Bank ist immer mehr als nur ein Gebäude

Prof. Dr. Martin Faust über die DNA einer Bank, die Herausforderungen eines Umzugs und warum es vorteilhaft sein kann, wenn Private und Corporate Banking unter einem Dach arbeiten.

Wichtig ist, die DNA zu der neuen Adresse mitzunehmen

Vom historischen Bethmannhof in moderne Räume im Marienforum: Welche Herausforderungen bringt ein solcher Umzug für ein traditionsreiches Bankhaus wie die Bethmann Bank mit sich?
Eine Bank ist immer mehr als nur ein Gebäude. Prägend sind vielmehr die Unternehmenskultur und die Beziehungen zu den Kunden. Beides wächst über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte und macht am Ende die DNA einer Bank aus. Die Herausforderung besteht darin, diese Werte zu erhalten und bei einem Umzug zu der neuen Adresse mitzunehmen. 
 
Der neue Standort bietet moderne Raumkonzepte und ermöglicht teamorientierte und kommunikative Formen der Zusammenarbeit. Warum ist das wichtig, um im Private Banking auch künftig erfolgreich zu sein?
Die Bedürfnisse der Kunden haben sich verändert. Viele wünschen sich von der Bank nicht mehr nur die Verwaltung ihres Vermögens, sondern eine ganzheitliche Betreuung. Dieser Trend macht auch eine andere Form der Zusammenarbeit unter den Mitarbeitern notwendig. Kundenberater müssen sich nicht mehr nur mit Anlagestrategen austauschen, um gute Lösungen für Geldanlagen der Kunden zu entwickeln. Stattdessen sind sie häufig gefordert, weitere Spezialisten hinzuzuziehen, etwa aus den Disziplinen Finanzierung, Vorsorge und Versicherungen sowie Nachfolgeberatung und Finanzplanung. Denn nur so können sie ihre immer anspruchsvollere Klientel bestmöglich betreuen. Der intensive Austausch mit Kollegen lässt sich in modernen Räumen mit variablen Bürokonzepten und hochwertiger technischer Ausstattung in der Regel besser darstellen als in historischen Gebäuden.
 
Im Marienforum arbeiten künftig Private und Corporate Banking der ABN AMRO in Deutschland unter einem Dach. Welche Synergien lassen sich aus dieser räumlichen Nähe schöpfen?
In einem sich weiter verschärfenden Wettbewerb ist eine enge Zusammenarbeit von Private und Corporate Banking sehr sinnvoll. Denn vermögende Privatkunden sind häufig unternehmerisch tätig und benötigen auf diesem Feld Beratung, beispielsweise im Kreditgeschäft. Umgekehrt suchen Unternehmerkunden oft auch Lösungen für ihre private Vermögensanlage. Banken, die beide Disziplinen abdecken, können ihre angestammten Kunden umfassender beraten und haben zudem Vorteile bei der Akquisition neuer Kunden. Ein zusätzliches Plus der Bethmann Bank ist, dass sie mit ABN AMRO über eine starke Mutter verfügt und somit zusätzliche Lösungen bieten kann, auch über die Landesgrenzen hinweg. 
 
Eine gemeinsame Adresse kann eine gute Zusammenarbeit erleichtern, reicht aber sicher nicht aus.
Nein, ein effektives Miteinander muss täglich gelebt werden. Das ist die Herausforderung. Oft haben Private und Corporate Banking Sorge, dass die Beziehung zu ihren Kunden leiden könnte, wenn diese einmal mit dem jeweils anderen Bereich unzufrieden sein sollten. Solche Bedenken lassen sich ausräumen, indem sich die Mitarbeiter beider Bereiche regelmäßig austauschen. Dafür ist es hilfreich, unter einem Dach zu arbeiten. Bei der Bethmann Bank kommt hinzu: Auch als größte echte Privatbank in Deutschland ist sie eine überschaubare Einheit, in der sich schnell kommunizieren lässt. 

Prof. Dr. Martin Faust ist Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen im Private Banking und Wealth Management, der Finanz- und Nachfolgeplanung sowie auf dem Gebiet der nachhaltigen Geldanlagen.

Interview: Stefan Weber  |  Foto: Alex Habermehl

Inhalt

Impressionen aus dem Marienforum