
Wochenkommentar: Zinspolitik und Unternehmenszahlen bestimmen das Marktgeschehen
Diese Woche wurden die Kapitalmärkte durch das Zusammenspiel von Geldpolitik, Unternehmensge winnen und starken Bewegungen an den Devisen- und Rohstoffmärkten geprägt.
All dies wurde durch geopolitische Spannungen noch verstärkt. Nach einem starken Jahresauftakt nahmen die Anleger zunächst eine zurückhaltende Haltung ein. Die Vorsicht war vor allem auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank sowie auf die Er wartungen im Vorfeld wichtiger Quartalsergebnisse großer Unternehmen zurückzuführen.
Wie allgemein erwartet, beließ die US-Notenbank ihren Leitzins unverändert. Nach drei Zinssenkungen in Folge war dieser Schritt weitgehend vorweg genommen, sodass die Reaktion an den Aktienmärkten moderat ausfiel. Die Terminmärkte rechnen nun frühestens im Sommer mit dem nächsten Zinsschritt nach unten.
Zunehmend rückte zudem die Frage der institutionellen Unabhängigkeit der US-Notenbank in den Fokus. Politischer Einfluss sowie die bevorstehende Neubesetzung der Führungsspitze werden von den Märkten als potenzielle Unsicherheitsfaktoren bewertet. An der Wall Street zeigten sich die wichtigsten Indizes nach der Zinsentscheidung kaum verändert, auch wenn der Index S&P 500 zwischenzeitlich ein neues Rekordniveau von über 7.000 Punkten erreichte.
Parallel dazu kam es zu deutlichen Verschiebungen an den Devisen- und Rohstoffmärkten. Der US-Dollar setzte seine Abwertung fort, der Euro notierte zeitweise über 1,20 US-Dollar. Die Dollarschwäche sowie geopolitische Risiken führten zu einer verstärkten Nachfrage nach sicheren Anlageformen, wodurch Gold und Silber neue Höchststände erreichten.
Auf Unternehmensebene fielen die jüngsten Ergebnisse großer Technologieunternehmen gemischt aus und verstärkten die selektive Nervosität der Anleger. Microsoft überzeugte operativ mit solidem Wachstum im Cloud-Geschäft und steigenden Gewinnen. Der deutliche Anstieg der Investitionen in Rechenzentren und Infrastruktur für künstliche Intelligenz belastete jedoch die Kursentwicklung.
Meta legte hingegen sehr starke Zahlen vor. Getragen von einem florierenden Werbegeschäft und hohen Gewinnmargen stieg der Umsatz deutlich. Trotz stark erhöhter Investitionen in künstliche Intelligenz stellte das Unternehmen weiteres Gewinnwachstum in Aussicht. In Europa sorgte ASML für positive Impulse im Technologiesektor. Starke Geschäftszahlen und ein optimistischer Ausblick unterstrichen die Rolle des Unternehmens als Profiteur des globalen Halbleiter- und Technologietrends. LVMH zeigte dagegen eine eher verhaltene Entwicklung, was den anhaltenden Druck auf Luxusaktien verdeutlicht und dazu beiträgt, dass europäische Aktienmärkte hinter den US-Technologiewerten zurückbleiben.
Mit Blick nach vorne bleibt entscheidend, ob die hohen Erwartungen an das durch künstliche Intelligenz getriebene Wachstum durch nachhaltige Gewinne gestützt werden können. Gleichzeitig beobachten die Anleger aufmerksam die Signale der Zentralbanken, die Entwicklung des US-Dollars und geopolitische Risiken. Kurzfristig dürfte das Marktumfeld selektiv bleiben: Technologie- und Rohstoffwerte profitieren weiterhin von strukturellen Trends und der Nachfrage nach Absicherung, während zinssensitive und konjunkturabhängige Branchen anfällig für Enttäuschungen bleiben.
Anleihen: US-Notenbank legt Zinspause ein
Die Finanzmärkte gingen gestützt durch das weitgehend erwartete Ergebnis der jüngsten Sitzung der US-Notenbank sowie durch eine vorübergehende Beruhigung der geopolitischen Lage gefestigt in die letzten Januartage.
Wie prognostiziert, beließ die US-Notenbank ihren Leitzins unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent und legte nach drei aufeinanderfolgenden Senkungen eine Pause ein. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig, da zwei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses für eine weitere Senkung um 0,25 Prozentpunkte stimmten. Dies verdeutlicht die anhaltenden Meinungsunterschiede innerhalb der Notenbank, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmenden politischen Drucks im Vorfeld der Ernennung des nächsten Vorsitzenden.
In ihrer Stellungnahme äußerte sich die Notenbank konstruktiver zur wirtschaftlichen Lage, die nun als solide beschrieben wird. Dies spiegelt das robuste Wachstum sowie Anzeichen einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt wider. Die Inflation wurde weiterhin als leicht erhöht bezeichnet. Notenbankpräsident Jerome Powell betonte erneut die Bedeutung der Unabhängigkeit der Zentralbank und machte deutlich, dass geldpolitische Entscheidungen weiterhin strikt von den eingehenden Wirtschaftsdaten abhängen. Da die Risiken für Inflation und Beschäftigung derzeit als ausgewogener eingeschätzt werden, erscheint eine Verlängerung der Zinspause wahrscheinlich. Zinssenkungen vor Juni gelten damit zunehmend als unwahrscheinlich, sofern sich die Konjunkturdaten nicht deutlich eintrüben.
Die Renditen von US-Staatsanleihen reagierten kaum auf die Sitzung. Zehnjährige Anleihen notierten bei rund 4,25 Prozent, zweijährige bei etwa 3,57 Prozent. Dies entspricht der Erwartung eines langsameren Lockerungszyklus. Wir gehen weiterhin davon aus, dass sich die Zinsstrukturkurve in den kommenden Monaten leicht versteilen dürfte, insbesondere aufgrund der höheren Empfindlichkeit langfristiger Laufzeiten gegenüber Wachstums- und Haushaltsentwicklungen.
Der zuletzt zu beobachtende inflationäre Trend bei Gold und Rohstoffen hat sich bislang nicht auf Staatsanleihen übertragen. Er stellt jedoch ein zusätzliches Risiko dar, vor allem bei einer weiteren Abschwächung des US-Dollars und einer möglichen Reaktion der Europäischen Zentralbank auf eine stärkere Aufwertung des Euro. In Europa verharrte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei 2,86 Prozent und spiegelte damit stabile Inflationserwartungen sowie eine geringe Schwankungsbreite wider.
Die Kreditmärkte zeigen sich in allen Regionen weiterhin sehr robust. Die Risikoaufschläge für US-Unternehmensanleihen guter Bonität liegen bei rund 72 Basispunkten, für europäische Vergleichsanleihen bei etwa 73 Basispunkten. Beide Werte bewegen sich nahe historischer Tiefstände. Auch im Markt für Anleihen mit höherem Ausfallrisiko bleibt die Lage stabil: Die Aufschläge liegen in den USA bei rund 258 Basispunkten und in Europa bei etwa 252 Basispunkten. Unterstützt wird das Umfeld durch solide Unternehmenskennzahlen und eine anhaltend hohe Nachfrage der Anleger.
In der kommenden Woche richtet sich der Fokus auf die Sitzung der Europäischen Zentralbank. Sowohl wir als auch der Markt erwarten dabei keine Änderung der Geldpolitik.
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr