Javascript is required Marktkommentar: Sorge vor KI – Softwareaktien unter Druck

Marktkommentar: Sorge vor KI – Softwareaktien unter Druck

Kundenpublikation

In den vergangenen Wochen haben Softwareaktien einen der stärksten Ausverkäufe seit Jahrzehnten erlebt. Der Sektor ist seit seinem Höchststand um rund ein Drittel gefallen – der größte Rückgang in einer Nicht-Rezessionsphase seit mehr als 30 Jahren. 

Angst vor KI

Dieser Rückgang ist größtenteils auf die Angst vor künstlicher Intelligenz (KI) zurückzuführen. Anleger befürchten, dass neue KI-Tools Teile des „traditionellen” Softwaregeschäfts ersetzen werden – insbesondere diejenigen, die von Menschen genutzt werden. Berichte über KI-Agenten,[1] die die Aufgaben traditioneller Softwareplattformen übernehmen, haben zu einem Vertrauensverlust der Investoren in Softwareunternehmen geführt. Allerdings bleiben die Umsatz- und Gewinnerwartungen der Softwareunternehmen für 2026 stabil. Daher erachten wir den Vertrauensverlust eher als stimmungsgetrieben; er spiegelt nur die Unsicherheit der Anleger darüber wider, wer den Wert der KI für sich abschöpfen wird, nicht tatsächliche Umsatzeinbußen.

 

Informationsdienstleister unter Druck

Einen besonders starken Einbruch verzeichnete das Informationsdienstleistungsgeschäft, darunter Unternehmen wie RELX, Wolters Kluwer, S&P Global, Moody's und Thomson Reuters. Die Aktien dieser Unternehmen fielen innerhalb eines Monats um 15 bis 35 Prozent, weil Anleger befürchteten, dass KI ihre Daten- und Analyseplattformen umgehen könnte. Diese Unternehmen sind in hochsensiblen Bereichen tätig – Regulierung, Compliance, Wirtschaftsprüfung und Finanzanalyse –, in denen verlässlich und geprüfte Daten unerlässlich sind. Zudem verfügen sie über eine sehr loyale Kundschaft, häufig mit einer Kundenbindungsrate von über 90 Prozent. Das spricht dafür, dass ihre Geschäftsmodelle stabiler sind, als der Markt derzeit annimmt. Dennoch befürchten Anleger, dass ein Teil des Geschäfts durch neue KI-Tools ersetzt werden kann.

Eine wachsende Kluft

KI spaltet die Softwarewelt in zwei Lager: Softwaretools, deren Umsatz von der Anzahl der Nutzer abhängt – wie CRM-Dashboards oder Helpdesk-Software – stehen unter Druck, da KI-Agenten einen Teil dieser Arbeit automatisieren können. Viele SaaS-Unternehmen (Software-as-a-Service) berechnen pro Lizenz, bei der jeder Mitarbeiter, der das Tool nutzt, eine Lizenz benötigt. Wenn KI-Agenten beginnen, Aufgaben von Menschen zu übernehmen, sinkt die Zahl der Mitarbeiter, die diese Software nutzen. Folglich werden weniger Lizenzen benötigt, was für den Softwareanbieter weniger Umsatz bedeutet.

Für Unternehmen, die die für IT-Systeme notwendige Infrastruktur bereitstellen, sieht die Lage anders aus: Datenbanken, Authentifizierungsdienste, Protokollierung und Cybersicherheit werden sogar wichtiger, da KI-Agenten im Hintergrund mehr Vorgänge erzeugen als Menschen. Diese arbeiten in einem natürlichen menschlichen Tempo – ein paar Klick, Tastatureingaben oder Aktualisierungen pro Minute. Jede Aktion löst nur wenige technische Prozesse im Hintergrund aus. KI-Agenten arbeiten hingegen mit Maschinengeschwindigkeit, sie können in derselben Zeit Hunderte oder sogar Tausende Aktionen ausführen. Jede einzelne muss weiterhin überprüft, protokolliert und überwacht werden – was deutlich höhere Anforderungen an die IT-Infrastruktur stellt. Unternehmen, die diese Infrastruktur bereitstellen, könnten daher von der hohen Arbeitsgeschwindigkeit der KI-Agenten profitieren.

 

Fazit

Der jüngste Ausverkauf am Markt scheint dramatischer zu sein, als es die erwartete Gewinn- und Umsatzentwicklung der Softwareunternehmen rechtfertigt. KI wird den Software-Sektor nicht zerstören, sondern ihn neu gestalten. Die Nachfrage könnte insbesondere in diesen Bereichen steigen:

  • Unternehmensplattformen, also Plattformen, die alle Geschäftsanwendungen in einem System integrieren,
  • vertikale Softwarelösungen, also Software, die auf die Anforderungen einer bestimmten Branche zugeschnitten ist, und
  • datenreiche Informationsanbietern und Unternehmen, die die Infrastruktur für den Einsatz von KI in größerem Maßstab bereitstellen.

Zugleich wird der Druck auf lizenzbasierte SaaS-Modelle und arbeitsintensive IT-Dienstleistungen anhalten. Die Volatilität, die durch die wachsende Skepsis der Anleger gegenüber Softwareunternehmen ausgelöst wird, birgt echte Risiken. Doch sie eröffnet auch Chancen für Anleger, die sich auf die Bereiche konzentrieren können, in denen tatsächlich Wert geschaffen wird.



[1] KI-Agenten sind Softwarekomponenten, die in der Lage sind, Aufgaben bei begrenzter menschlicher Aufsicht selbstständig zu planen, auszuführen und zu verbessern.

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Stand: Februar 2026