
Wochenkommentar: Optimismus angesichts der Entspannung
Die Aktienmärkte setzten ihren positiven Trend im Laufe der Woche fort und profitierten dabei vom Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran. Die Erwartung weiterer Gespräche und möglicherweise auch einer Verbesserung der Lage zwischen Israel und dem Libanon hat den Optimismus an den Aktienmärkten beflügelt. Insgesamt bedeutete dies, dass die Marktkorrektur nach dem Nahostkonflikt fast vollständig rückgängig gemacht wurde. Da die Straße von Hormus jedoch vorerst geschlossen bleibt, sind noch nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, insbesondere im Energiesektor, wo die Ölpreise weiterhin auf hohem Niveau verharren.
Unterdessen hat die Berichtssaison für das erste Quartal begonnen. Wie immer waren die US-Banken die ersten, die ihre Ergebnisse veröffentlichten. Diese zeigten ein positives Bild: Unternehmen wie JPMorgan Chase und Bank of America übertrafen die Erwartungen der Analysten leicht und präsentierten ein solides Zahlengerüst. Zudem zeigten die ersten Ergebnisse von Halbleiterunternehmen wie ASML und TSMC eine anhaltend sehr starke zugrunde liegende Nachfrage nach Halbleitern, wobei beide Unternehmen die Analystenschätzungen deutlich übertrafen und günstige Ausblicke für den Rest des Jahres gaben. Offensichtlich unterstreichen diese Zahlen die anhaltend hohen Investitionen der großen Cloud-Dienstleister (Hyperscaler), um die hohe Nachfrage im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) zu bedienen.
Im Wesentlichen sind die Halbleiterunternehmen bislang vom Nahostkonflikt unberührt geblieben. Auf der anderen Seite gab es Unternehmen, die die Auswirkungen des Iran-Konflikts deutlich zu spüren bekamen. Dies zeigt sich insbesondere bei den Umsätzen von Luxusunternehmen wie LVMH und Hermès, die unter der geringeren Nachfrage litten, da sich der Tourismus und das Reiseaufkommen, insbesondere in der gesamten Golfregion, erheblich verlangsamten. Sollte sich der Trend zur Deeskalation weiter fortsetzen, dürften diese negativen Auswirkungen im Laufe des Jahres allmählich nachlassen.
Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung im Laufe der Woche war eine leichte Erholung von Software-Aktien wie Microsoft, die zuvor aufgrund von Befürchtungen hinsichtlich einer Disruption durch KI stark gelitten hatten. Während der aktuellen Berichtssaison werden Anleger die Ergebnisse und Kommentare der Softwareunternehmen hinsichtlich des zugrunde liegenden Wachstums und potenzieller Chancen sowie der Bedrohungen durch neue KI-Anwendungen, die auf den Markt kommen, genau unter die Lupe nehmen, um zu beurteilen, ob die Korrektur bei diesen Aktien gerechtfertigt war oder nicht.
Anleihen: In den Fängen des Iran-Konflikts
Die Kreditmärkte sehen die jüngsten Entwicklungen optimistisch. Die Kreditrisikoaufschläge (Spreads) haben sich in dieser Woche weiter verengt – ein Trend, der Anfang April einsetzte, nachdem Trump seine Fristen zurückgenommen hatte, den Iran „in Grund und Boden zu bombardieren“. Da sowohl die USA als auch der Iran nun offenbar nach einer Einigung suchen, scheint der Krieg die Eskalationsphase hinter sich gelassen zu haben. In diesem Sinne ist die Richtung des Kreditmarktes nachvollziehbar. Allerdings sind die Spreads für Investment-Grade- und High-Yield-Unternehmensanleihen nun wieder fast auf dem Niveau zu Beginn dieses Jahres, und die Spreads für Schwellenländeranleihen sind sogar noch etwas enger.
Wir halten dies für eine äußerst optimistische Einschätzung des aktuellen makroökonomischen Umfelds. Dies gilt insbesondere für europäische und Schwellenländer-Anleihen, wenn man die längerfristigen Herausforderungen berücksichtigt, denen diese Regionen im Energiebereich gegenüberstehen könnten, selbst wenn jetzt sofort vollständiger Frieden erreicht würde. Die wichtigste Konsequenz daraus ist, dass die Spreads im Falle von Enttäuschungen anfällig sein könnten.
Im Gegensatz zu den Kreditrisikoaufschlägen sind die Renditen von US-Staatsanleihen und Bundesanleihen nicht so stark gefallen. Insbesondere Bundesanleihen verharren auf einem hohen Niveau. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Divergenz zu den Kreditrisikoaufschlägen nachvollziehbar, da Renditen direkter von hoher Inflation beeinflusst werden; und solange keine gravierenden Zweitrundeneffekte auftreten, wirkt sich dies weniger auf die Spreads aus. Sollten die USA und der Iran den Konflikt beenden (und vor allem die Straße von Hormus wieder öffnen), könnte durchaus Spielraum für sinkende Renditen bestehen. Dies gilt insbesondere für kürzere Laufzeiten, da in diesem positiven Szenario die zwei oder mehr Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank, die der Markt derzeit noch einpreist, durchaus wieder ausgepreist werden könnten. Mal sehen, ob diese positivere Stimmung ein weiteres Wochenende überstehen kann.
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr