
Wochenkommentar: Nvidia bestätigt KI-Dynamik
Die Aktienmärkte durchlebten eine volatile Woche, in der geopolitische Risiken, Anleiherenditen und KI-Gewinne eine wichtige Rolle spielten. Zu Beginn der Woche geriet die Stimmung aufgrund erneuter Sorgen um den Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie um die Straße von Hormus unter Druck. Höhere Ölpreise schürten Inflationsängste und trieben die Renditen der Anleihen in die Höhe. Dies belastete insbesondere Wachstumsaktien, da höhere langfristige Zinsen die Anleger erneut daran erinnerten, dass hoch bewertete Marktsegmente empfindlich auf Veränderungen der Zinsaussichten reagieren.
Zur Wochenmitte verbesserte sich die Stimmung deutlich, da die Hoffnung wuchs, dass sich die USA und der Iran einer möglichen Einigung näherten. Dies trug zur Erholung der Aktien bei und drückte die Ölpreise nach unten, wodurch sich ein Teil der früheren Wertentwicklung von Energieaktien wieder umkehrte. Für Anleger unterstrich dies, wie schnell sich die Stimmung verändern kann, wenn sich die Schlagzeilen im geopolitischen Bereich von Eskalationsrisiken hin zu einer möglichen Deeskalation verlagern.
Das wichtigste unternehmensspezifische Ereignis der Woche waren die Geschäftszahlen von Nvidia. Die Ergebnisse waren stark. Nvidia lieferte ein Quartal ab, das die Erwartungen deutlich übertraf und die Prognosen nach oben korrigierte, wobei Umsatz, Gewinn und Ausblick über den Erwartungen lagen. Die Kommentare des Unternehmens stärkten auch das Vertrauen in seine Produkt-Roadmap. Wichtig ist, dass Vera, die neue CPU von Nvidia, und Rubin, die GPU-Architektur der nächsten Generation, als eigenständige, doch sich ergänzende Teile der zukünftigen KI-Plattform des Unternehmens betrachtet werden können. Dies verbessert den Ausblick, wonach sich die Marktchancen für Nvidia über reine GPUs hinaus erweitern.
Die verhaltene Reaktion des Aktienkurses trotz starker Ergebnisse spiegelte eher hohe Erwartungen als schwache Fundamentaldaten wider. Die allgemeine Botschaft der Ergebnisse war positiv: Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur geht nicht zurück und kommt weiterhin Rechenzentren, Netzwerken, CPUs, Speicher und strombezogener Infrastruktur zugute.
Anleihen: Der Marktdruck nimmt zu
Die Anleihemärkte stehen weiterhin unter Druck, was zum Teil auf die Spannungen rund um die Straße von Hormus zurückzuführen ist. Die Renditen verzeichnen einen Anstieg über die gesamte Kurve hinweg, wobei die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen kurzzeitig 4,66 % bis 4,68 % erreichten, während die Renditen 30-jähriger Anleihen auf ein seit fast 20 Jahren nicht mehr gesehenes Niveau kletterten.
Gleichzeitig hat die Volatilität bei festverzinslichen Wertpapieren zugenommen, was auf eine wachsende Nervosität unter den Anlegern hindeutet. Die Markterwartungen haben sich in den letzten Wochen deutlich verschoben. Anleger sehen nun eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 %, dass die US-Notenbank bis zum Jahresende eine Zinserhöhung vornimmt, was dazu führt, dass die Erwartungen auf Zinssenkungen deutlich zurückgehen. Der Fokus liegt nun auf der ersten Sitzung der Federal Reserve unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh Mitte Juni. Seine zentrale Herausforderung wird darin bestehen, die Geldpolitik zu steuern, ohne den ohnehin schon sensiblen Markt für Anleihen weiter zu belasten. Seine geldpolitischen Präferenzen – eine Verringerung der Bilanzsumme, niedrigere Zinsen und eine reduzierte Forward Guidance, verbunden mit der Ansicht, dass KI disinflationär wirken könnte – dürfte sich angesichts der nach wie vor hohen Inflation als schwer umzusetzen erweisen.
Die Inflation geht nicht zurück. Sie kann nicht mehr allein durch den Energiesektor erklärt werden, da grundlegende Komponenten wie Dienstleistungen und Mieten weiterhin anhaltenden Druck zeigen. Im Euroraum stieg die Inflation wieder auf rund 3 % an, was bestätigt, dass sich die höheren Preise als hartnäckiger erweisen als erwartet. Gleichzeitig unterstreicht der jüngste Rückgang der Kerninflation – also der Inflation ohne volatile Posten wie Energie und Lebensmittel – die höhere Sensibilität Europas gegenüber Energiepreisen. Europa ist viel stärker von importiertem Öl abhängig als die USA.
Am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve preisen die Märkte bereits eine beträchtliche Anzahl von Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank ein – möglicherweise mehr, als die EZB letztendlich vornehmen wird. Die Lage im Iran muss sich stabilisieren, um Zweitrundeneffekte der Inflationsentwicklung zu vermeiden. Zweitrundeneffekte treten als Reaktion auf einen anfänglichen Preisanstieg auf – beispielsweise durch höhere Lohnforderungen und möglicherweise eine Lohn-Preis-Spirale.
Wir bleiben vorsichtig und konzentrieren uns weiterhin auf den mittleren Bereich der Zinskurve, wo die Anleihebewertungen ausgewogener erscheinen. Die höhere Volatilität der Zinsen macht deutlich, dass ein disziplinierter und selektiver Ansatz weiterhin entscheidend ist. Die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus bleiben von entscheidender Bedeutung, da sie die Richtung der Märkte beeinflussen werden.
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr