
Marktkommentar: Risikoabbau in unsicheren Zeiten
Die unsichere geopolitische Lage ist für Anleger weiterhin ein wichtiges Thema. Zwar gibt es berechtigte Hoffnung für eine Deeskalation im Iran-Konflikt, dennoch halten die Energieengpässe an. In unserem Basisszenario gehen wir weiterhin davon aus, dass die Energieengpässe bis Ende Juni beseitigt sein werden. Doch je länger der Konflikt dauert, desto wahrscheinlicher werden negative Szenarien. Dieses Risiko scheint an den Aktienmärkten noch nicht vollständig eingepreist zu sein. Wir reduzieren daher unsere Aktienposition auf neutral. Unsere Positionen in Anleihen und Gold bleiben unverändert, d. h. neutral bei Anleihen und positiv bei Gold.
Aktien: Ein vorsichtigerer Kurs
Seit Beginn des Iran-Kriegs gab es immer wieder Anzeichen für eine Entspannung. Doch die Straße von Hormus ist nach wie vor gesperrt, und die Friedensgespräche kommen nur langsam voran. Der Konflikt hat sich von einem militärischen zu einem Wirtschaftskrieg entwickelt. Die Aktienmärkte haben sich erstaunlich robust gezeigt und die anfänglichen Verluste größtenteils wieder aufgeholt, in einigen Fällen sogar neue Allzeithochs erreicht. Die Angst am Markt hat nachgelassen, obwohl die Störungen an den Energiemärkten größer sind denn je. Diese Entwicklung lässt sich durch starke Unternehmensgewinne erklären, und auch die Erwartungen an das Gewinnwachstum liegen auf einem hohen Niveau. Insbesondere IT- und Halbleitersektoren treiben das Wachstum an. Entsprechend haben wir unsere Gewichtung im IT-Sektor erhöht.
Nach der jüngsten Erholung gehen wir jedoch davon aus, dass die anhaltende Unsicherheit nicht eingepreist ist. Die Märkte scheinen eine schnelle Lösung vorweg zu nehmen, obwohl die Unsicherheit hoch ist. Die starke Rallye hat zudem den Spielraum für weitere Kursgewinne reduziert und das Risiko eines Abschwungs erhöht, sollte sich ein negatives Szenario materialisieren. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist gestiegen und würde zu einem schwächeren Wirtschaftswachstum und einer höheren Inflation führen, als derzeit erwartet wird. Wir wollen im aktuellen Umfeld vorsichtig sein, da Rückschläge die Märkte erneut verunsichern könnten.
Wir haben daher unsere Aktienpositionierung wieder auf neutral reduziert, um in Zeiten anhaltender Unsicherheit Risiken abzubauen. Unsere regionale Positionierung bleibt unverändert: in Europa vorsichtig, in den USA neutral und in den Schwellenländern übergewichtet. Letztere dürften von einem im Vergleich zu anderen Regionen relativ hohen Wirtschafts- und Gewinnwachstum profitieren.Fazit
Die anhaltende Unsicherheit wegen des Iran-Konflikts und die Energieengpässe stellen ein wachsendes Risiko für die Aktienmärkte dar. Die Wahrscheinlichkeit eines ungünstigen Szenarios hat zugenommen, was die Abwärtsrisiken für die Aktienmärkte erhöht. Nach einer starken Rallye bei Aktien sehen wir daher einen guten Zeitpunkt, das Risiko im Portfolio zu reduzieren, indem wir unsere Aktienallokation von einer leichten Übergewichtung auf neutral senken. Unsere Einschätzung zu Anleihen und Gold bleibt hingegen unverändert. Bei Anleihen bevorzugen wir hochwertige Anleihen gegenüber hochverzinslichen Anleihen, da die Kreditrisikoaufschläge, die eine Vergütung für das zusätzliche Risiko darstellen, unserer Meinung nach zu niedrig sind. Schließlich sorgt Gold für Diversifizierung im Portfolio und profitiert von langfristigen strukturellen Trends.