
Wochenkommentar: Geopolitik und Unternehmensgewinne treiben die Märkte nach oben
Die Aktienmärkte zeigten sich diese Woche erfreulich positiv. Einige große Indizes konnten neue Allzeithochs erreichen, während andere kurz davorstehen. Der Anstieg wurde hauptsächlich durch die Hoffnung auf ein mögliches Abkommen zwischen den USA und dem Iran sowie durch solide Unternehmensgewinne getrieben.
Die USA und der Iran loten aktuell ein mögliches Abkommen zur Beendigung des seit März anhaltenden Konflikts aus. Präsident Trump sucht nach einem Ausweg aus dem Krieg, der die Energiepreise in die Höhe getrieben und seinem innenpolitischen Ansehen stark geschadet hat. Die USA haben dem Iran einen Vorschlag unterbreitet, der eine schrittweise Wiederöffnung der Straße von Hormus und die Aufhebung der US-Blockade gegen iranische Häfen vorsieht. Detailliertere Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sollen später folgen, bislang wurde jedoch noch keine Einigung erzielt.
Die Gespräche finden nach wochenlangen eskalierenden Spannungen statt, darunter US-amerikanische und israelische Angriffe auf den Iran, die die globalen Ölmärkte erschütterten und die Benzinpreise in den USA stark steigen ließen. Es wird erwartet, dass der Iran über den Vermittler Pakistan in die Gespräche zurückkehren wird, obwohl iranische Regierungsvertreter bereits Bedenken hinsichtlich einzelner Bestandteile des amerikanischen Vorschlags geäußert haben. Die Märkte reagierten verhalten positiv. Israel bleibt skeptisch und erklärte, es werde den Druck auf den Iran aufrechterhalten, bis dessen Nuklear- und Raketenkapazitäten vollständig abgebaut sind. Die Lage bleibt daher weiterhin unbeständig und kann sich jederzeit ändern.
In dieser Woche legten eine Reihe von Unternehmen ihre Geschäftszahlen vor, die in mehreren Sektoren eine solide Entwicklung zeigten, auch wenn die Reaktionen der Investoren unterschiedlich ausfielen. Das Halbleiterunternehmen AMD legte starke Ergebnisse vor, die von der boomenden Nachfrage nach künstlicher Intelligenz (KI) und Rechenzentren getragen wurden. Der Umsatz stieg um 38 Prozent, und die Gewinne übertrafen die Erwartungen. Das Management gab zudem eine optimistische Prognose für das zweite Quartal ab. Das Vertrauen der Anleger trieb den Aktienkurs deutlich nach oben.
Auch der Netzwerktechnikhersteller Arista Networks verzeichnete ein starkes Wachstum und übertraf die Prognosen, unterstützt durch die steigende Nachfrage nach KI-bezogenen Netzwerklösungen. Dennoch ging der Aktienkurs deutlich zurück, da die Anleger angesichts der hohen Erwartungen besorgt reagierten und Bedenken hinsichtlich möglicher zukünftiger Lieferengpässe äußerten.
Uber Technologies meldete höhere Gewinne, ein starkes Wachstum sowie einen über den Erwartungen liegenden Ausblick, was auf eine anhaltend positive Geschäftsdynamik hindeutet. Der Aktienkurs reagierte entsprechend positiv. Auch Walt Disney überraschte mit solidem Umsatzwachstum und einer deutlichen Verbesserung der Rentabilität im Streaming-Geschäft. Das Management erwartet für 2026 ein zweistelliges Gewinnwachstum, was zu einer starken Kursrallye der Aktie führte. Andere Unternehmen wie Rheinmetall und Shell verzeichneten zwar solide Gewinne, mussten jedoch Kursverluste hinnehmen, da der Umsatz hinter den Erwartungen zurückblieb beziehungsweise Bedenken hinsichtlich der Kapitalallokation aufkamen.
Anleihen: Fed-Chef bereitet sich auf Amtsübergabe vor
Wie allgemein erwartet, ließen die Entscheidungsträger der US-Notenbank den Leitzins bei ihrer Sitzung im April unverändert. Die Entscheidung selbst war keine Überraschung. Bemerkenswerter war vielmehr die interne Spaltung, die sie offenbarte. Vier Entscheidungsträger stimmten dagegen – so viele wie seit 1992 nicht mehr –, wobei drei von ihnen Einwände gegen die in der Erklärung zum Ausdruck gebrachte Tendenz zur Lockerung hatten und einer eine sofortige Zinssenkung bevorzugte. Insbesondere die restriktiven Gegenstimmen unterstreichen, wie schwierig es für die Fed sein wird, in den kommenden Monaten eine glaubwürdige zukünftige Zinspolitik zu kommunizieren.
Die Renditen von US-Staatsanleihen reagierten entsprechend, wobei die Märkte die Aussicht auf kurzfristige Zinssenkungen auspreisten. Angesichts von Ölpreisen um die 100 US-Dollar pro Barrel und einer Inflationsrate der persönlichen Konsumausgaben von weiterhin rund 3,5 Prozent jährlich ist die Zurückhaltung der Fed, weitere Lockerungsmaßnahmen zu signalisieren, völlig verständlich, auch wenn dies politisch unbequem sein könnte.
Eine weitere Unsicherheitsquelle ist der bevorstehende Führungswechsel bei der US-Notenbank. Die Amtszeit von Jerome Powell als Vorsitzender endet am 15. Mai. Die Aussicht, dass Trumps Kandidat Kevin Warsh das Ruder übernimmt, hat Spekulationen über einen stärker marktorientierten Ansatz in der Geldpolitik angeheizt. In der Regel führen Führungswechsel bei der Fed zu einer erhöhten Volatilität von Zinsen und Spreads, da die Märkte beginnen, die künftige Geldpolitik neu zu bewerten, noch bevor der neue Vorsitzende die Gelegenheit hatte, Glaubwürdigkeit aufzubauen.
Die Rendite 30‑jähriger US‑Staatsanleihen erreichte im Laufe der Woche kurzzeitig 5,03 Prozent – ein Niveau, das eher eine strukturelle Neubewertung des langfristigen fiskalischen Risikos widerspiegelt als nur kurzfristige Zinserwartungen. Ein erhöhtes Angebot, ein politisches Umfeld, das die Haushaltskonsolidierung erschwert, sowie eine anhaltend über dem Ziel liegende Inflation sind allesamt Faktoren, die dazu beitragen. In Europa bewegen sich die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen bei etwa 3,0 bis 3,10 Prozent, während britische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit auf über 5,0 Prozent gestiegen sind. Dieser breit angelegte Anstieg der Renditen von Staatsanleihen in den wichtigsten Märkten signalisiert, dass sich die Laufzeitprämien nach Jahren der Unterdrückung wieder
aufbauen.
Unsere Positionierung spiegelt dieses Umfeld wider. Wir bevorzugen weiterhin den mittleren Bereich der Zinskurve, wo der Carry attraktiv bleibt und das Durationsrisiko besser beherrschbar ist. Im Anleihensegment bevorzugen wir weiterhin hochwertige Investment-Grade-Anleihen und verfolgen einen vorsichtigen Ansatz bei Hochzinsanleihen.
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr