
Wochenkommentar: Aktienmärkte in geopolitischer Achterbahn
Die koordinierten Angriffe der USA und Israels auf den Iran am vergangenen Wochenende haben die Aktien- und Rohstoffmärkte auf eine volatile Fahrt geschickt. Die Öl- und Gaspreise stiegen sprunghaft an, da der Nahe Osten nicht in seiner Bedeutung als wichtiger Lieferant verloren hat. Der Ölpreis wurde auch durch die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Transportmöglichkeiten durch die wichtige Straße von Hormus beeinflusst.
Infolge des höheren Ölpreises hat der Energiesektor in dieser Woche bislang eine überdurchschnittliche Wertentwicklung verzeichnet. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels verzeichneten die europäischen und japanischen Aktienmärkte, sowie Aktien in Schwellenländern Abgabedruck. Die US-Aktienmärkte, die teilweise durch die Energieunabhängigkeit des Landes wieder ansteigen, dienten den Anlegern als sicherer Hafen. Der US-Dollar legte gegenüber dem Euro leicht zu, während der Goldpreis etwas nachgab. Trotz vorübergehender Erholungsphasen an den Aktienmärkten dürfte die Länge des Konflikts für den Fortgang der Börsenentwicklung entscheidend sein.
Im Rahmen unserer Anlagepolitik behalten wir eine moderate Übergewichtung in Aktien bei. Auf regionaler Ebene haben wir kürzlich die Aktienallokation in Schwellenländern von neutral auf übergewichtet erhöht. Für Europa behalten wir eine Untergewichtung bei, während die USA weiterhin neutral gewichtet sind. Auf Sektorebene bevorzugen wir den Industriesektor. Der Sektor des nicht-zyklischen Konsums ist hingegen weniger vielversprechend.
Anleihemarkt reagiert verhalten auf den Iran-Krieg
Marktteilnehmer beobachteten in dieser Woche insbesondere die Entwicklung der Ölpreise, da Energiepreise der wichtigste Kanal sind, über den sich der Krieg im Iran auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte auswirken kann. Schließlich führen höhere Energiepreise zu einer höheren Inflation, was wiederum höhere Anleiherenditen zur Folge haben kann. Daher sind Ölförderanlagen, Infrastruktur und Transportwege besonders wichtig, insbesondere die Möglichkeit des Transports durch die Straße von Hormus, über die rund ein Viertel des gesamten weltweiten Seetransports von Öl und rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels abgewickelt wird.
Trotz der raschen Eskalation des Krieges mit dem Iran in dieser Woche sind die Auswirkungen auf die Anleihemärkte begrenzt. Die Brent-Ölpreise stiegen zwar erheblich, doch dürften sie bei rund 80 US-Dollar pro Barrel der Weltwirtschaft nicht schaden. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen und Bundesanleihen stiegen ebenfalls, doch nach einem Rückgang der Renditen in der Vorwoche – aufgrund von Zuflüssen in die sicheren Anleihemärkte – bleiben die Renditen innerhalb der in den letzten Monaten beobachteten Handelsspannen. Die Kreditrisikoaufschläge sind bislang stabil und haben sich nicht stark ausgeweitet. Wenn der Konflikt in den nächsten Wochen so gelöst oder eingedämmt werden kann, dass die Energielieferungen weitergehen, dürften die Märkte unserer Meinung nach schnell darüber hinwegsehen. Sie würden sich dann wieder auf das starke makroökonomische Umfeld, die potenziellen Auswirkungen der Disruption durch KI und die Herausforderungen für die privaten Kreditmärkte konzentrieren.
Dennoch könnte dieser Krieg die Märkte stärker belasten, wenn die Energiepreise weiter steigen und sich die Lage innerhalb weniger Wochen nicht verbessert. In Szenarien, in denen die Energiepreise erheblich steigen und je nach den Schäden an Produktionsanlagen und den Störungen in der Straße von Hormus möglicherweise 100 bis 130 USD/Barrel erreichen, könnten die Anleiherenditen in Erwartung einer höheren Inflation weiter steigen, während sich die Kreditrisikoaufschläge wahrscheinlich erheblich ausweiten würden. Für die Kreditmärkte bietet die Invasion der Ukraine durch Russland im Jahr 2022 einen nützlichen Vergleich. Dieses Ereignis trieb den Brent-Preis auf über 120 USD/Barrel, und Europa sah sich hinsichtlich seines Energiebedarfs mit einer schwierigen Situation konfrontiert. Damals stiegen die europäischen Kreditrisikoaufschläge auf über 220 Basispunkte für Investment Grade (IG) und über 660 Basispunkte für Hochzinsanleihen, verglichen mit derzeit etwa 80 bzw. 290 Basispunkten.
Wir verzeichnen bei IG-Unternehmensanleihen eine Übergewichtung, was durch eine Untergewichtung in Hochzinsanleihen ausgeglichen wird, wo wir die teuren Niveaus als besonders problematisch ansehen. Sollte sich der Krieg verschärfen und hinziehen, erwarten wir eine Ausweitung der Risikoaufschläge, was zu einem Einstiegspunkt für Hochzinsanleihen führen könnte.
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr