Javascript is required Wer das Meer schützt, schützt die Welt

Wer das Meer schützt, schützt die Welt

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Der Ozean bedeckt 70 Prozent unseres Planeten, doch seine Zerstörung bleibt größtenteils unsichtbar. Eine neue Dokumentation zeigt, warum seine Rettung die dringendste und zugleich hoffnungsvollste Mission unserer Zeit ist.

Nach Jahrzehnten, in denen er die Geschichte unseres Planeten erzählt hat, präsentiert David Attenborough in seiner neuesten Dokumentation „Ocean with David Attenborough“ das Werk, das er selbst als sein bisher wichtigstes hält. Der Film zeigt, welch entscheidende Rolle die Ozeane für das Leben auf der Erde spielen, und legt zugleich das Ausmaß der Zerstörung offen, die Praktiken wie die industrielle Grundschleppnetzfischerei anrichten. Er macht aber auch deutlich, wie schnell sich marine Ökosysteme erholen können, wenn sie geschützt werden – und schenkt der Klimadebatte damit eine seltene Portion Optimismus.

Hinter der Kamera steht der preisgekrönte Filmemacher und Biologe Toby Nowlan, der seine Karriere den außergewöhnlichsten Geschichten der Natur gewidmet hat – häufig gemeinsam mit David Attenborough. Für Nowlan ist dieses Projekt jedoch anders als alles, was er bisher gemacht hat. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum der Schutz der Ozeane so dringend ist und warum trotz aller Schäden die Hoffnung die treibende Kraft hinter dieser Geschichte bleibt.

Sie haben mit David Attenborough an vielen Naturfilm-Produktionen gearbeitet. Dennoch nennen Sie „Ocean“ sein persönlichstes und leidenschaftlichstes Werk bisher. Was macht den Film so besonders?

Nowlan: Ich arbeite seit etwa 17 Jahren mit David Attenborough an Filmen, doch keiner hat mich emotional so bewegt wie dieser. Er ist seit fast einem Jahrhundert der bedeutendste Erzähler der Naturgeschichte. Und nach all diesen Geschichten ist er zu der Erkenntnis gekommen, dass es keinen wichtigeren Ort gibt als den Ozean.

Einer der beeindruckendsten Momente war für mich ein Drehtag an einem kalten Märzmorgen am Strand in Südengland. Er sprach dort den letzten Satz des Films ein: „Wenn wir das Meer retten, retten wir unsere Welt.“ Das sind die stärksten Worte, die ich je von diesem großartigen Mann gehört habe. Jedes Mal, wenn ich sie höre, bekomme ich Gänsehaut.

Im Film sieht man Aufnahmen von Grundschleppnetzen, die den Meeresboden zerstören. Sie beschreiben die Folgen dieser Art Fischerei als „nuklearen Winter“ – nur unter Wasser, wo die meisten Menschen ihn nie zu sehen bekommen. Ist das größte Hindernis für den Schutz des Ozeans, dass dessen Zerstörung für uns unsichtbar ist?

Nowlan: Genau. Wir sind visuelle Wesen. Wir müssen Dinge sehen, um sie zu glauben. Grundschleppnetzfischerei begann bereits vor 700 Jahren vor der Südküste Großbritanniens mit kleinen Segelbooten, die kleine, rechenartige Schleppnetze hinter sich herzogen. Schon damals schickten Menschen Beschwerdebriefe an den König, weil sie sahen, wie der Beifang an Deck gezogen wurde, und erkannten, wie verheerend dies für den Meeresboden war.

700 Jahre später geschieht es immer noch, aber jetzt in industriellem Maßstab, in allen Ozeanen, tausendfach an jedem einzelnen Tag. Und der Grund? Es ist unsichtbar. Es geschieht unter der Wasseroberfläche, außerhalb unseres Blickfelds und damit unseres Bewusstseins. Es ist, als würde man uralte Wälder unter Wasser planieren. Wenn das jemand in der Nähe von Bristol täte, gäbe es einen Aufschrei. Doch unter Wasser sehen wir es nicht.

Wann wurde Ihnen klar, dass das nicht nur ein weiterer Naturfilm ist, sondern etwas viel Wirkungsvolleres?

Nowlan: Es gab viele Momente, in denen wir dieses Gefühl hatten, doch einer sticht besonders hervor. Wir drehten im Papahānaumokuākea Marine National Monument, der größten Albatros-Kolonie der Welt. Nachdem dieser Ort unter Schutz gestellt wurde, ist zu neuem Leben erwacht. Er ist das beste Beispiel dafür, was geschieht, wenn man große Meeresgebiete schützt.

Bei jedem Sonnenaufgang und Sonnenuntergang standen wir inmitten von Millionen von Albatrossen und beobachteten dieses gewaltige Schauspiel des Lebens: eine Kakophonie von Geräuschen, als diese Vögel nach Wochen und tausenden Kilometern auf offener See zurückkehrten, um ihren Küken Fisch zu bringen. Ich erinnere mich, wie ich dachte: So fühlt sich Erholung an. Das ist Hoffnung.

Die hoffnungsvolle Botschaft dieses Films scheint so wichtig zu sein – gerade in einer Zeit, in der sich viele Menschen von der Klimakrise überfordert fühlen. Was würden Sie denen sagen, die glauben, dass das Problem zu groß ist, um es zu lösen?

Nowlan: Wie Sie sagen, wurde in den vergangenen Jahren so viel Untergangsstimmung verbreitet. Kann man es da jemandem verdenken, wenn er sagt: Warum noch versuchen, wenn es keine Hoffnung mehr gibt? Doch bei dem Ozean ist diese Hoffnung realistisch.

„Jeden Sonnenaufgang und Sonnenuntergang dieses riesige Schauspiel des Lebens zu beobachten, eine Kakophonie von Geräuschen.“ – Fotograf: Connor McDonnell

Ich war überrascht, wie schnell sich der Ozean erholen kann. Der Schutz von Meeren funktioniert ganz anders von Landflächen. An Land schützt man in erster Linie das, was innerhalb der Staatsgrenze liegt. Im Ozean jedoch füllt sich ein geschütztes Gebiet mit Leben – viel schneller als an Land – und dieses Leben breitet sich dann in die umliegenden Gewässer aus und besiedelt riesige Regionen wieder neu. Tang und Seegras binden zusammen mehr Kohlenstoff als die Regenwälder, und in den oberen Metern des Meeresbodens steckt mehr Kohlenstoff als in allen Böden an Land. Wir haben also eine echte Chance.

Die Lösung ist einfach: die schädlichen Formen der Fischerei beenden und ein Drittel des Ozeans unter Schutz stellen. Dann können wir in einer Welt leben, die gedeiht, mit einem Ozean, der voller mit Leben ist, als wir es uns vorstellen können.

Seit der Premiere wird dem Film zugeschrieben, die Debatte über die Meerespolitik maßgeblich beeinflusst und unsere Ambitionen für den Meeresschutz erhöht zu haben. Haben Sie mit Ocean das erreicht, was Sie sich erhofft hatten, oder streben Sie noch mehr an?

Nowlan: Wir hatten gehofft, dass wir einen spürbaren Unterschied machen würden. Tatsächlich war mir das so wichtig, dass ich die Mission als gescheitert betrachtet hätte, wenn der Film nicht zu einer echten Veränderungen geführt hätte, etwa zur Ausweisung eines neuen Meeresschutzgebiets. Für mich fühlt sich Ocean wie das erste Kapitel an. Und jetzt bereite ich mich auf das zweite Kapitel vor.

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