
Grauzonen bei ESG-Investitionen
Bei ESG-Investments gibt nicht nur richtig oder falsch. In dieser Rubrik betrachten wir in jeder Ausgabe des Magazins ein Investitionsdilemma aus der ESG-Perspektive. Dieses Mal geht es um Offshore-Windparks.
Windenergie gilt für viele als eine saubere Form der Stromerzeugung. Gleichzeitig wächst der Widerstand gegen Windparks. Die Menschen lehnen sie ab, weil die Turbinen das Landschaftsbild beeinträchtigen und Lärmbelästigung verursachen. Außerdem können Vögel und Fledermäuse mit den Rotorblättern kollidieren. Deshalb werden immer mehr Windparks auf dem Meer gebaut. Die Frage ist nun, welche Auswirkungen diese Offshore-Windenergie auf die Biodiversität hat.
Offshore-Windparks haben positive wie negative Effekte auf Tiere, die im oder am Meer leben. Während der Bauphase kann der Lärm, der beim Einrammen der Pfähle in den Meeresboden entstehen, Meeressäugern sowie Fischen und Wirbellosen schaden. Dieser Lärm kann Gehörschäden, Stress und Störungen der Wanderungsmuster verursachen. Während des Betriebs sind die Geräuschpegel von Windparks viel geringer. Dennoch können kontinuierliche Vibrationen der Turbinen zu Störungen und eingeschränkter Kommunikation führen – insbesondere bei Meeresbewohnern, die sich durch Echoortung orientieren.
Die Installation von Turbinen und Kabeln verändert auch die Struktur des Meeresbodens. Dadurch können wichtige Lebensräume, zum Beispiel Sandbänke, verloren gehen. Und wie bei Windkraftanlagen an Land können Vögel und Fledermäuse mit den Rotorblättern kollidieren.
Offshore-Windparks haben aber auch positive ökologische Effekte. Rund um die Turbinenfundamente bilden sich künstliche Riffe, von denen Muscheln, Seesterne, Krabben und Fische profitieren können. Diese künstlichen Riffe bieten zudem Ruhezonen und „Kinderstuben” für Fische, was die lokale Artenvielfalt erhöhen kann.
In der Umgebung von Windparks sind Fischerei und Schifffahrt häufig verboten. Das reduziert Störungen und Überfischung, sodass sich die Fischbestände erholen können. Weniger Schiffsverkehr bedeutet auch weniger lokale Verschmutzung und weniger Lärm. Das kommt wiederum den Meeressäugern zugute. Darüber hinaus bleibt die Reduktion der CO₂-Emissionen – und damit des Klimawandels – ein zentraler Vorteil der Windenergie.
Unserer Ansicht nach überwiegen die Vorteile der Offshore-Windenergie die negativen Auswirkungen. Bei der Entscheidung, ob wir für unsere ESG- und Impact-Mandate in Hersteller von Offshore-Windkraftanlagen, Lieferanten von Kabeln und Betreiber von Offshore-Windparks investieren, analysieren wir nicht nur ESG- oder Impact-Aspekte, sondern auch ihre finanzielle und operative Performance.