
Wochenkommentar: Neues Allzeithoch im amerikanischen Aktienmarkt
Die Renditen der wichtigsten Indizes für die Aktienmärkte zeigen in dieser Woche ein eher gemischtes Bild. In den USA verzeichneten die Aktienmärkte moderate Gewinne, während der MSCI Europe Index zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts um etwa 1 % gefallen war.
Der eher auf Wachstum und Technologie ausgerichtete NASDAQ-Index übertraf den S&P500 Index in dieser Woche. Am Mittwoch schloss der Index auf einem neues Allzeithoch. Die Wertentwicklung am Aktienmärkt wird durch die zunehmende Überzeugung gestützt, dass die US-Notenbank (Fed) im September die Zinsen senken könnte.
Letzte Woche signalisierte Fed-Chef Jerome Powell auf der Jackson-Hole-Konferenz Offenheit für mögliche Zinssenkungen. Powell betonte, dass die Entscheidung über eine Zinssenkung davon abhänge, wie sich die Inflation und die Arbeitslosigkeit entwickeln. Insbesondere wachstumsorientierte Aktien profitieren in der Regel von niedrigeren Zinsen, was teilweise die Outperformance des NASDAQ in dieser Woche erklärt.
Ein Großteil der aktuellen Marktkommentierungen im Anleihemarkt konzentriert sich auf das kurze Ende der Zinsstrukturkurve, das sich auf Anleihen mit kürzeren Laufzeiten bezieht. Dieser Teil der Kurve profitiert am meisten, wenn die Federal Reserve (Fed) eine Reihe von Zinssenkungen vornimmt. Die zunehmenden Bedenken im Markt hinsichtlich der Unabhängigkeit der Fed von politischer Einflussnahme vergrößert die Renditedifferenz zwischen kurzen und langen Laufzeiten. Derzeit führt diese Dynamik zu niedrigeren Renditen am kurzen Ende der Kurve, während die langfristigen Renditen relativ stabil bleiben.
In Europa gibt es zunehmend Spekulationen darüber, ob Großbritannien oder Frankreich Hilfe vom Internationalen Währungsfonds (IWF) benötigen könnte. Die Rendite 10-jähriger französischer Staatsanleihen (OAT) liegt bei 3,48 % und damit 78 Basispunkte über dem Niveau deutscher Staatsanleihen. Wir gehen davon aus, dass dieses Niveau bis zum Jahresende bestehen bleiben wird. Für den 8. September ist eine Misstrauensabstimmung im französischen Parlament angesetzt, was die Frage aufwirft, ob dies Neuwahlen auslösen könnte. Derzeit nehmen die Finanzmärkte eine abwartende Haltung ein.
Die finanzpolitischen Aussichten Frankreichs geben weiterhin Anlass zur Sorge. Die Staatsverschuldung liegt derzeit bei etwa 114 % des BIP und wird laut Europäischer Kommission bis Ende 2026 voraussichtlich auf 118 % steigen. Die EU hat Frankreich mehrere Herausforderungen aufgezeigt: verlangsamtes Wachstum, steigende Defizite und Schuldenstände, höhere Steuern und politische Blockaden bei den vorgeschlagenen Haushaltskürzungen. Die französische Regierung muss einen Weg finden, bis 2026 Ausgabenkürzungen in Höhe von 44 Milliarden Euro umzusetzen, um die Forderungen der EU nach einem ausgeglichenen Haushalt zu erfüllen.
Insgesamt erhöhen Regierungen weltweit ihre Ausgaben, was zu einer höheren Emission von Schuldtiteln und höheren Schuldenquoten führt. Wenn es den Regierungen jedoch gelingt, die Anleger davon zu überzeugen, dass Wirtschaftswachstum in Sicht ist, und die Zentralbanken an ihren Inflationszielen festhalten und ihre Unabhängigkeit bewahren, könnten diese Risiken nur vorübergehend sein. In einer solchen Situation ist es unerlässlich, dass die Politik ihre Unterstützung für die Regierung und die Zentralbanken bei der Erfüllung ihrer Aufgaben deutlich zum Ausdruck bringt.
In diesem unsicheren Umfeld bevorzugen wir weiterhin Anleihen mit höherer Qualität und meiden Anleihen mit langer Laufzeit.
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr
Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.