
Wochenkommentar: Eine zweite Amtszeit für Trump
Es ist keine Überraschung, dass die wichtigste Triebkraft der globalen Aktienmärkte in dieser Woche das mit Spannung erwartete Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen war.
Der mögliche Ausgang war höchst ungewiss. Doch anders als im Jahr 2020 stand der Sieger am Mittwoch recht schnell fest, und die republikanische Welle ist ziemlich eindeutig. Donald Trump ist für eine zweite Amtszeit gewählt worden.
In einigen Handelssitzungen vor der Wahl hatten die potenziellen Nutznießer eines Sieges der demokratischen Kandidatin Kamala Harris wieder an Schwung gewonnen. Dieser Trend kehrte sich jedoch schlagartig um, sobald die Wahrscheinlichkeit eines Sieges von Donald Trump zunahm. Die Aussicht auf einen eindeutigen Wahlausgang trug dazu bei, die Stimmung der Anleger anzuheizen, insbesondere angesichts der wirtschaftsfreundlichen Ausrichtung von Trumps Kampagne.
Seit Ende letzter Woche sind die Diskrepanzen in der Marktentwicklung besonders groß. Aktien, die mit republikanischen Themen in Verbindung gebracht werden, legten um fast 10 % zu, während Aktien, die mit den Demokraten in Verbindung gebracht werden, weitgehend stagnierten. In den USA beispielsweise legten am Tag der Bekanntgabe des Wahlergebnisses Finanzwerte (insbesondere Banken), Grundstoffe, Baustoffe, Industriewerte, Krankenversicherer sowie amerikanische Small- und Midcaps deutlich zu. Defensivere Werte wie Biopharmazeutika und Basiskonsumgüter waren dagegen schwächer. Erwähnenswert ist auch, dass Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien erheblich unter Druck gerieten.
Was die einzelnen Regionen betrifft, so lagen vor allem China und Europa am Tag der Ergebnisse im negativen Bereich. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie Trumps Politik umgesetzt werden wird. Dies gilt insbesondere für Trumps Pläne, die Handelszölle zu erhöhen. Unsere früheren Analysen haben darauf hingewiesen, dass neue US-Zölle das globale Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen könnten.
Anleihen: Das Warten hat ein Ende
Die kurzfristige Unsicherheit im Zusammenhang mit den US-Wahlen und die trüben längerfristigen Aussichten für die Staatsausgaben ließen die Zinsvolatilität auf ein Allzeithoch steigen. Dementsprechend stiegen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen innerhalb kurzer Zeit um rund 80 Basispunkte (Bp) auf ein Niveau, das zuletzt im zweiten Quartal 2024 erreicht wurde.
Der Anstieg der Anleiherenditen ist natürlich nicht nur auf den Anstieg der Inflationserwartungen zurückzuführen. Er spiegelt auch den geringeren Spielraum der US-Notenbank für Zinssenkungen und die wahrscheinliche Emission von noch mehr Staatsanleihen wider, da die Haushaltsdefizite noch weiter steigen. China kann und sollte vielleicht der fiskalischen Expansion folgen, die in den USA im Gange ist. Europa möchte vielleicht irgendwann ebenfalls so vorgehen, muss aber auch die EU-Haushaltsregeln einhalten. Dies hat bereits zu einer politischen Krise in Deutschland geführt, wo nun Anfang nächsten Jahres Neuwahlen anstehen. Unterdessen wird die politische Stagnation in Frankreich die Renditenaufschläge dort auf einem höheren Niveau halten. Da europäische Unternehmensanleihen nicht so extrem teuer sind wie fast alle anderen Anleihesegmente, stellen sie für europäische Anleger immer noch eine attraktive Alternative zu Staatsanleihen dar.
Ein leichter Anstieg der Zahlungsausfälle kann nicht ausgeschlossen werden, obwohl die Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum immer noch solide aussehen. Die Nachfrage nach hochverzinslichen Unternehmensanleihen war hoch. Die sanfte Landung der US-Wirtschaft dürfte mit einer sehr allmählichen Verlangsamung der US-Arbeitsmarktdaten im nächsten Jahr wieder sichtbar werden, wenn die jüngsten Verzerrungen durch zwei Wirbelstürme und den Boeing-Streik aus den Zahlen herausgerechnet sind. Daher können die Kreditrisikoprämien eng bleiben, bis die längerfristigen Folgen der nach den US-Wahlen erwarteten politischen Veränderungen deutlicher werden. Für die Renditen von US-Anleihen und die meisten Risikoprämien scheinen die längerfristigen Risiken zugenommen zu haben.
Die US-Notenbank hat sich in letzter Zeit zugunsten einer lockereren Geldpolitik positioniert, da der US-Arbeitsmarkt zu schwächeln schien. Auch die Anleihemärkte hatten bis Ende 2025 eine umfangreiche Lockerung (mehr als 200 Basispunkte) eingepreist, die nun aber auf 100 Basispunkte zurückgenommen wurde. Es wird erwartet, dass die Inflationszahlen der nächsten Woche den Weg einer sanften Landung unterstützen werden, aber die Anleger werden sich mehr auf die Hinweise von Donald Trump konzentrieren, wie und wann er seine politische Agenda im Jahr 2025 umsetzen will. Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell wird sein Bestes tun, um politischen Einfluss zu vermeiden, und der Fokus der Anleger wird sich auf die Fed-Sitzung im Dezember verlagern, bei der die jüngsten starken makroökonomischen Daten in die Entscheidungsfindung einfließen werden.
Redaktionsschluss: donnerstags 15h