Javascript is required Marktkommentar: Gold bleibt auf Kurs – trotz kurzfristiger Schwäche

Marktkommentar: Gold bleibt auf Kurs – trotz kurzfristiger Schwäche

Gold gilt unter Investoren in unsicheren Zeiten oft als sicherer Hafen. Wenn die Finanzmärkte volatil sind oder geopolitische Spannungen zunehmen, greifen sie normalerweise auf das Edelmetall zurück, um sich abzusichern. Dieses Mal ist dieses Muster jedoch ausgeblieben. Nach einer starken Rallye zu Jahresbeginn ist der Goldpreis gesunken und bewegt sich seitwärts, statt seinen Aufwärtstrend fortzusetzen.

Inflation, Zinsen und der stärkere Dollar

Die Spannungen im Nahen Osten haben die Energiepreise in die Höhe getrieben. Diese haben wiederum die Inflationserwartungen verstärkt, da sich die Energiekosten auf Transport-, Produktions- und Haushaltsausgaben auswirken. In der Folge sind die Märkte vorsichtiger geworden und haben ihre Erwartungen an die Zinsentwicklung neu bewertet.

Steigende Inflationserwartungen führen häufig zu der Annahme, dass die Zinsen weiter steigen. Höhere Zinsen stärken in der Regel den US-Dollar. Ein stärkerer Dollar sowie höhere Zinsen machen Gold kurzfristig weniger attraktiv. Im Gegensatz zu verzinslichen Anlagen wie Anleihen oder Sparprodukten wirft Gold keine Erträge ab. Steigen die Renditen dieser Anlagen, wird Gold weniger attraktiv.

Volatilität und Anlegerverhalten

Neben Inflation und starkem US-Dollar war vor allem das Verhalten der Anleger entscheidend für die jüngste Preiskorrektur. Nach dem starken Preisanstieg Anfang 2026 nahmen viele Anleger Gewinne mit, erhöhten ihre Liquidität und reduzierten Risiken. Dieser Verkaufsdruck führte – selbst in der aktuellen Phase geopolitischer Spannungen – zu deutlichen Preisschwankungen.

Auch langfristig orientierte institutionelle Anleger und Zentralbanken, die bei fallenden Preisen normalerweise zukaufen, zögerten angesichts der erhöhten Volatilität, einzusteigen. Dadurch fehlte die sonst übliche stabilisierende Nachfrage bei Preisrückgängen.

Das Anlegerverhalten unterscheidet sich zudem regional. In den westlichen Märkten ziehen Anleger weiterhin Geld aus Gold-ETFs ab. In China hingegen verzeichnen Gold-ETFs Nettozuflüsse, und die Nachfrage nach physischem Gold ist stark, insbesondere nach Goldbarren. Diese Nachfrage scheint weniger von kurzfristigen Gewinnchancen als von langfristigem Vermögensaufbau geprägt zu sein.

Geopolitik und Ölpreise

Die Spannungen im Nahen Osten bleiben der wichtigste Risikofaktor für den Goldpreis und wirken sich vor allem über die Ölpreise aus. Entspannt sich der Konflikt, könnten die Ölpreise fallen und der Inflationsdruck nachlassen. Sollte sich der Konflikt jedoch hinziehen, könnten die Ölpreise hoch bleiben. Das würde die Inflationssorgen verstärken und könnte langfristig auch das Wirtschaftswachstum bremsen. Kurzfristig dürften die Goldpreise daher am stärksten auf Inflations- und Zinserwartungen reagieren. Langfristig könnte sich der Fokus auf das Risiko einer Stagflation verlagern, also einer Phase mit geringem Wachstum und hoher Inflation. In einem solchen Umfeld kann Gold als Inflationsschutz dienen.

Angebot und langfristige Stützung

Auf der Angebotsseite bleiben die Rahmenbedingungen für Gold günstig. Die Fördermenge aus Minen wächst nur langsam und reagiert nicht so schnell auf höhere Preise. Auch das Angebot an recyceltem Gold ist nach dem Preisanstieg im Januar nur leicht gestiegen. Zwar hat sich der globale Goldhandel geografisch stärker verteilt, insbesondere durch die wachsende Bedeutung der asiatischen Märkte, dies betrifft jedoch vor allem die Logistik und weniger das Angebot. Kurzfristige Störungen sind möglich, verändern aber das Gesamtangebot an Gold kaum.

Darüber hinaus bleibt die langfristige Nachfrage unterstützend. Anhaltende geopolitische Risiken, die Gefahr wirtschaftlicher Schocks und die steigende Nachfrage nach Diversifizierung veranlassen Anleger dazu, einen hohen Anteil an Gold in ihren Portfolios zu halten. Eine breite Anlegerbasis könnte den aktuellen Aufwärtszyklus stützen und dazu beitragen, dass sich der Goldpreis auch in einem Umfeld hoher Zinsen langfristig auf einem höheren Niveau einpendelt.

Ausblick

Wir gehen davon aus, dass sich Gold in der späteren Phase eines Aufwärtszyklus befindet. Bis Jahresende erwarten wir ein höheres Niveau als heute. Ein starker Preisrückgang erscheint unwahrscheinlich, während die Chancen für weitere Anstiege überwiegen – insbesondere, wenn die geopolitischen Spannungen anhalten. Für Anleger bleibt Gold weiterhin als wichtiger Baustein zur Diversifikation des Portfolios und weniger ein Instrument für kurzfristige Renditen. Die langfristigen Aussichten für Gold bleiben günstig, weshalb wir kürzlich unsere Allokation in Gold erhöht haben.

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Stand: März 2026