Javascript is required Monatsupdate: Inflationsrisiken kehren zurück – Geopolitik im Fokus

Monatsupdate: Inflationsrisiken kehren zurück – Geopolitik im Fokus

Finanzmarkt

Der März hat Anlegern erneut gezeigt, wie schnell die Inflation zurückkommen kann. Die US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran Ende Februar ließen die Ölpreise stark ansteigen, was Inflationssorgen wieder aufleben ließ, die die Märkte größtenteils bereits als überwunden angesehen hatten, und die Anleger dazu zwang, die Aussichten für die Geldpolitik der Zentralbanken neu zu bewerten. Während der Konflikt für Volatilität in allen Anlageklassen sorgte, zeigten sich die Finanzmärkte insgesamt recht widerstandsfähig. Unterdessen hat der jüngste Rückgang der Goldpreise einen attraktiven Einstiegspunkt geschaffen, was uns dazu veranlasst hat, unsere Allokation zu erhöhen, da wir davon ausgehen, dass die langfristigen Treiber für Gold weiterhin bestehen.

Makroökonomie: Energieschock trifft Europa stärker als die USA

 

Der wichtigste wirtschaftliche Effekt der Eskalation im Nahen Osten ist der deutliche Anstieg der Energiepreise. Allerdings wirkt er unterschiedlich auf den beiden Seiten des Atlantiks.

Die US-Wirtschaft ist durch ihre Rolle als Nettoenergieexporteur besser geschützt. Höhere Ölpreise belasten zwar die Verbraucher, stärken aber zugleich die heimische Energiebranche. Die Auswirkungen auf das Wachstum sind daher begrenzt, die Sorgen betreffen eher die Inflation als die Konjunktur.

Als Nettoenergieimporteur ist die Eurozone den höheren Öl- und Gaspreisen stärker ausgesetzt, da sie nicht von einem Ausgleich durch die Energieproduktion profitiert. Nach der Krise von 2022/23 bleiben die Haushalte vorsichtig, was sich in hohen Sparquoten widerspiegelt. Ein erneuter Anstieg der Energiepreise könnte die gerade erst wieder anziehende Konsumlaune dämpfen. Dennoch sind die Auswirkungen kleiner als 2022, da Europa seine Energiequellen seitdem diversifiziert hat. Selbst in einem ungünstigen Szenario würden die Energiepreise unterhalb der damaligen Höchststände bleiben.

Der Ausblick hängt maßgeblich von der Dauer des Konflikts ab. Derzeit gehen wir davon aus, dass er innerhalb der kommenden zwei Monate endet. Danach könnte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus schrittweise wieder anlaufen und die Risiken für die globale Energieversorgung sinken. In diesem Fall würden die Energiepreise kurzfristig hoch bleiben und im weiteren Jahresverlauf nachgeben.

Die Auswirkungen auf die Inflation wären in Europa am deutlichsten zu spüren, wo die Inflation 2026 höher und das Wachstum etwas geringer ausfallen würde. In diesem Umfeld erwarten wir, dass die Europäische Zentralbank (EZB) vorsichtig reagieren wird, wobei im zweiten Quartal wahrscheinlich zwei Zinserhöhungen erfolgen werden, bevor eine Pause eingelegt wird.

In den USA wäre der Inflationsdruck geringer und die Auswirkungen auf das Wachstum gering bis nicht vorhanden. Der Inflationsdruck dürfte zudem weniger anhaltend sein, was der Federal Reserve (Fed) Spielraum für spätere Zinssenkungen gibt. Wir rechnen zwar nicht mit Zinserhöhungen, doch dürfte sich der Beginn der Lockerung nun verzögern, wobei wir die erste Zinssenkung für das vierte Quartal erwarten und sich die Zinssenkungen in einem langsamen Tempo bis ins Jahr 2027 erstrecken dürften.

Aktien: Robust trotz geopolitischer Spannungen

 

Seit dem Angriff der US-amerikanischen und israelischen Streitkräfte auf den Iran sind die Aktienmärkte schwankungsanfällig. Der US-Aktienmarkt hat sich besser entwickelt als andere Regionen, da das Land von seiner relativen Energieunabhängigkeit profitiert.

Energieaktien haben sich dank steigender Ölpreise gut entwickelt. Zyklische Sektoren wie Rohstoffe, Industrie, zyklische Konsumgüter und Finanzwerte liegen unter dem Durchschnitt. Defensive Sektoren wie Basiskonsumgüter und Gesundheitswesen blieben ebenfalls zurück. Dies deutet darauf hin, dass sich Anleger auf ein risikoreiches Szenario einstellen. IT und Kommunikationsdienstleistungen haben sich hingegen gut entwickelt, da der KI-Investitionszyklus anhält.

Trotz hoher geopolitischer Unsicherheit zeigten sich die Aktienmärkte widerstandsfähig. Die Volatilität hat zugenommen, doch es gibt keine Anzeichen von Panik. Unsere Asset-Allokation bleibt daher vorerst unverändert. Wir halten an einer moderaten Übergewichtung in Aktien fest, bevorzugen Industriewerte und sind vorsichtig bei Basiskonsumgütern.

Anleihen: Zentralbanken rücken Inflation wieder in den Mittelpunkt

 

Der Konflikt hat die Inflationssorgen verstärkt und die Renditen von Staatsanleihen nach oben getrieben und so deren Preise belastet. Dennoch blieben die Renditen innerhalb der seit einiger Zeit zu beobachtenden Spanne, da Umschichtungen in sichere Anlagen in den Tagen vor dem Konflikt etwas gegengesteuert haben.

Die aktuellen Marktbewegungen deuten darauf hin, dass sich die Renditen nun auf einem Niveau einpendeln, das der Erwartung entspricht, dass der Konflikt letztlich beigelegt wird. Eine erneute Eskalation, insbesondere weitere Störungen der Energieinfrastruktur, bleibt jedoch ein wesentliches Risiko, das die Renditen aus ihren aktuellen Handelsspannen nach oben treiben könnte.

Sowohl die US-Notenbank (Fed) als auch die Europäische Zentralbank (EZB) haben die Zinsen im März unverändert gelassen. Beide Institutionen schlugen aber einen vorsichtigeren Ton an als Anfang des Jahres und nannten die Inflationsaussichten als Hauptgrund.

Inflationsgebundene Anleihen könnten als Inflationsabsicherung attraktiv erscheinen. Wir sind zwar besorgt über die Inflation in Europa, aber nicht mehr, als es die Märkte bereits einpreisen. Zudem hat die EZB signalisiert, dass sie handeln wird, falls sich die höhere Inflation nachhaltig auf Preise und Löhne auswirkt. Inflationsgebundene Anleihen dürften daher schlechter abschneiden, wenn die Inflation nicht deutlich stärker steigt als derzeit erwartet. Deshalb sehen wir momentan keinen überzeugenden Grund, mehr Inflationsschutz in die Portfolios aufzunehmen.

Gold: Erhöhung der Allokation aufgrund schwacher Preise

 

Trotz verschärfter geopolitischer Spannungen ist der Goldpreis unter Druck geraten. Anstatt von Zuflüssen in sichere Häfen zu profitieren, hat sich die Aufmerksamkeit des Marktes auf die inflationären Auswirkungen höherer Ölpreise und potenziell höherer Zinsen konzentriert, was sich negativ auf Gold auswirkt. Zudem hat ein stärkerer US-Dollar Gold ebenfalls belastet und zu erhöhter Volatilität beigetragen. Dies hat dazu geführt, dass Anleger Gewinne mitnahmen und das Interesse der Privatanleger nach einer „Momentum“-getriebenen Rally nachließ. 

Dennoch glauben wir, dass strukturelle Faktoren wie eine generell erhöhte Anlagequote in Depots, anhaltende geopolitische Unsicherheit und Diversifizierungsbedarf Gold langfristig weiterhin stützen werden. Anfang dieses Jahres haben wir unsere Goldquote reduziert, da die Preise sehr schnell stiegen und das Risiko einer starken Korrektur zunahm. Da diese Korrektur nun abgeschlossen ist und die Preise wieder auf attraktiveren Niveaus liegen, haben wir beschlossen, unsere Quote von 3 % auf 5 % aufzustocken. Wir finanzieren diese Erhöhung aus Barmitteln.

Fazit

 

Der Krieg im Iran hat die Unsicherheit an den Märkten sowie die Inflationsrisiken vor allem aufgrund steigender Energiepreise erhöht. Die Märkte reagierten mit höherer Volatilität und einer Neubewertung der Erwartungen an Inflation und Politik, jedoch ohne Anzeichen für eine größere Instabilität. Derzeit hängt die weitere Entwicklung vor allem von der Dauer des Konflikts ab, die weiterhin mit großer Unsicherheit verbunden ist. Daher behalten wir unsere Positionierung vorerst bei: eine leichte Übergewichtung in Aktien, eine neutrale Haltung gegenüber Anleihen und eine positive Einschätzung von Gold.

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Stand: März 2026