Wochenkommentar: Konjunkturdaten drücken Stimmung

Aktuelle Nachricht -

Zumindest in den USA fielen die vorläufigen Fertigungsdaten für September besser aus als erwartet. Der Einkaufsmanagerindex für die Fertigungsindustrie lag mit 51 Punkten über der Analystenerwartung von 50,4. Daten über 50 Punkten signalisieren eine Expansion, Werte darunter sprechen für eine Kontraktion.

Doch während dieser Konjunkturindikator in den USA ein anhaltendes Wachstum anzeigte, sprachen die Daten in Europa ganz klar eine andere Sprache. In der Eurozone lag der Einkaufsmanagerindex für die Fertigungsindustrie bei 45,6. Damit setzte das Barometer seinen seit Januar 2018 bestehenden Abwärtstrend fort. Deutschland verzeichnete im Fertigungssektor den größten Rückgang und erreichte mit 41,4 ein neues Zehn-Jahres-Tief. Zudem lag der Wert deutlich unter der Analystenprognose von 44. Deutschland hängt aufgrund der hohen Exportquote in besonderem Maße vom Welthandel ab. Und auch wenn China und die USA ihre Handelsgespräche wieder aufgenommen haben, dürften ihre politischen und wirtschaftlichen Differenzen nur schwer zu lösen sein und den Welthandel weiter unter Druck setzen. Das ist einer der Gründe dafür, dass wir bei Aktieninvestitionen den USA nach wie vor den Vorzug vor Europa geben.

Die zweite Entwicklung, die die Aktienmärkte in der vergangenen Woche dominierte, war die Ankündigung einer offiziellen Impeachment-Untersuchung gegen US-Präsident Donald Trump. In den vergangenen 50 Jahren gab es zwei Impeachment-Ankündigungen: gegen Richard Nixon 1974 und gegen Bill Clinton 1998. In beiden Fällen verursachte dies am Tag der Ankündigung kräftige Marktschwankungen. Clinton wurde 1999 freigesprochen. Aber als Nixon 1974 zurücktrat, war der S&P 500 während der Impeachment-Untersuchungen 13 % gefallen. Da der Ausgang der aktuellen Untersuchung in hohem Maße unberechenbar ist, stellt dies ein zusätzliches Risiko für die Märkte dar, das allerdings deutlich weniger bedeutend ist als der konjunkturelle Ausblick oder die Gewinne der Unternehmen.

Anleihen: Fertigungsdaten signalisieren eine weitere Abkühlung

Im September war die Stimmung an den Finanzmärkten zumeist leicht positiv. Die USA und China schienen wieder konstruktiver an weiteren Gesprächsrunden zu arbeiten. In Verbindung mit der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und der Federal Reserve in den USA hat dieses Umfeld zu einer Reduzierung von Risikoaufschlägen geführt.

Jetzt, gegen Ende des Monats, lässt diese positive Stimmung nach, und die Risiken treten in den Schlagzeilen wieder stärker in den Vordergrund. Enttäuschende Wirtschaftsdaten, insbesondere die veröffentlichten schwachen Daten aus der Fertigungsindustrie, deuten vor allem in der Eurozone auf eine weitere Abkühlung des Wachstums hin. In den USA verzeichnete das Verbrauchervertrauen dieses Jahr den größten Rückgang. Zudem sehen wir viele politische Risiken, die die Lage verschlimmern könnten. Dazu gehört auch eine Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und der EU: Die Welthandelsorganisation genehmigt den USA nach rechtswidrigen staatlichen Hilfen für Airbus, Zölle auf Importe aus der EU zu verhängen. Das Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump und die anhaltende Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit sind dem weltweiten Wachstum ebenfalls nicht gerade zuträglich. 

In unseren Augen bestätigen diese Daten und politischen Risiken unsere Prognose einer weiteren konjunkturellen Abkühlung. Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken dieser Entwicklung eine weitere Lockerung der Geldpolitik entgegensetzen. Deshalb bleiben wir bei unserer positiven Einschätzung von längeren Laufzeiten. (Sichere) Staatsanleihen mit langer Laufzeit können in turbulenten Märkten eine Diversifizierung der Risiken im Gesamtportfolio bewirken.

Eine nachlassende Konjunktur ist zwar nicht gut für Unternehmensanleihen, aber wir behalten unsere Übergewichtung von Investment-Grade-Credits bei – und zwar nicht aufgrund der Fundamentaldaten, sondern aufgrund einer guten technischen Situation. Die Risikoaufschläge der Unternehmensanleihe-Indizes sind nach einer zunächst positiven Reaktion auf neue quantitative Lockerungsmaßnahmen der EZB gestiegen. Wir sehen darin die Folge eines sehr großen Angebots an neuen Anleihen, das irgendwann nachlassen dürfte. Gleichzeitig rechnen wir damit, dass die Nachfrage nach Unternehmensanleihen hoch bleibt, weil dies einer von wenigen Bereichen im Investment-Grade-Universum ist, wo die Investoren noch eine positive Rendite erhalten. Zudem gehen wir davon aus, dass das neue Anleihekaufprogramm der EZB zu Nettokäufen von Anleihen im Wert von rund EUR 2,4 Mrd. pro Monat führen wird. 

Die nachlassende Wirtschaftsdynamik ist in unseren Augen ein größeres Risiko für Hochzinsanleihen. Diese Einschätzung sehen wir dadurch bestätigt, dass Hochzinsinvestoren ihre Positionen weiterhin von schlechteren Hochzinsanleihen auf BB-Titel verlagern. An dieser Umschichtung dürfte sich vorerst nichts ändern. Innerhalb des Hochzinsbereichs bevorzugen wir weiterhin Schwellenmarktanleihen, die unserer Einschätzung nach von den Zinssenkungen der Fed profitieren dürften. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: LaMiaFotografia / Shutterstock.com

Diesen Artikel empfehlen

Was können wir für Sie tun?

Kontaktieren Sie uns.