Wochenkommentar: Technologiewelle schwappt über die Märkte

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Die Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche weiter positiv entwickelt. Offenbar sind die Investoren angesichts der steigenden Zahl der Corona-Infektionen in einigen Teilen der Welt, vor allem in Amerika, (noch) nicht besorgt. Für Aktien scheinen weiterhin die beiden Akronyme TINA und FOMO zu gelten: „There Is No Alternative“, also „Es gibt keine Alternative“, und „Fear Of Missing Out“, was bedeutet, dass alle Angst haben, nicht dabei zu sein, wenn es nach oben geht. Erneut waren technologiebezogene Aktien am stärksten gefragt. So erreichte der technologielastige Nasdaq-Index ein neues Allzeithoch.

Wenn wir etwas aus der Geschichte lernen können, dann dass Pandemien gravierende und lang anhaltende Folgen für die Wirtschaft haben. Aber auch, dass die Innovationskraft und die Anpassungsfähigkeit der Menschen nicht aufzuhalten sind. Das Coronavirus hat dazu geführt, dass viele Unternehmen schließen und viele Menschen von zu Hause arbeiten mussten. Es hat aber auch die Verbreitung von Technologielösungen beschleunigt. Dieser Trend wird sich fortsetzen, auch wenn es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Und er wird die Gesellschaft in den kommenden Jahren in vielerlei Hinsicht umgestalten. Technologiebezogene Unternehmen können von diesen Entwicklungen am stärksten profitieren.


Die Digitalisierung wird in jedem Sektor weitergehen, und Themen wie Cloud Computing oder Cyber Security werden noch wichtiger werden. Das Coronavirus hat den Einsatz von Videokonferenztools verstärkt. Bei Zoom und Microsoft Teams zum Beispiel ist die Zahl der täglichen Nutzer während des Lockdowns enorm gestiegen. Online-Shopping und Bestellungen sind noch beliebter geworden, was den Aktienkurs von Amazon steigen ließ. Cyber-Security-Unternehmen verzeichnen eine steigende Nachfrage nach ihren Produkten, weil die Zahl der Cyber-Angriffe in den vergangenen drei Monaten drastisch gestiegen ist. Darüber hinaus wächst auch die Nachfrage nach Ausrüstung (einschließlich 5G-Ausrüstung und Sensoren) und nach Robotiklösungen (künstliche Intelligenz, chirurgische Roboter und Industrieautomatisierung) weiter.


Die meisten technologiebezogenen Aktien haben sich recht gut entwickelt. Die Frage lautet, ob diese Aktien ihr aktuelles Niveau halten und sogar noch weiter steigen können. Eine Antwort erhalten wir vermutlich in den kommenden Wochen, denn diese Woche beginnt die Berichtssaison.


Anleihen: eine eher ruhige Woche


Europas Aktienmärkte bewegten sich vergangene Woche nicht groß. Die Anleiheinvestoren schienen sowohl die Risikobereitschaft an den Aktienmärkten zu Beginn der Woche als auch die Unsicherheit im Zusammenhang mit einem beschleunigten Anstieg der Covid-19-Infektionen in den USA und in Südamerika zu ignorieren.


Vor allem die Rendite auf Kernländer-Staatsanleihen, etwa auf zehnjährige deutsche Bundesanleihen (die bei rund -0,43 % liegt), widersetzten sich den Marktentwicklungen. Staatsanleihen von europäischen Peripherieländern entwickelten sich besser als die Papiere von Kernländern. Italienische Staatsanleihen gerieten vergangene Woche unter Druck, nachdem Klaas Knot, der Präsident der niederländischen Zentralbank, die Regierungen gewarnt hatte, sich nicht allzu sehr auf die Geldpolitik zu verlassen. Doch die Risikobereitschaft und EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die erneut bestätigte, die EZB werde ihre lockere Geldpolitik beibehalten, haben es ermöglicht, dass griechische und italienische Staatsanleihen vergangene Woche ihren Renditeaufschlag gegenüber deutschen Staatsanleihen verringert haben. Die aktualisierte Prognose der Europäischen Kommission zu Konjunktur, Arbeitslosigkeit und Preisentwicklung hatte an den Anleihemärkten keine großen Auswirkungen, denn die Investoren hatten bereits eine weitere Verschlechterung des Ausblicks erwartet. Der ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe, ein wichtiger Konjunkturindikator auf Basis von Umfragen unter mehr als 400 Unternehmen außerhalb der Fertigungsindustrie, fiel besser aus als erwartet. Dies führte zu einem vorübergehenden Anstieg der Renditen auf US-Staatsanleihen. Doch ein deutlicher Anstieg der täglichen Neuinfektionen in den USA verstärkte die Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen von Covid-19. Deshalb fielen die Renditen auf amerikanische Staatsanleihen dann wieder.


Wir gehen davon aus, dass der Anleihemarkt weiterhin von den Nachrichten zur Pandemie bestimmt werden wird, und in der Europäischen Union wird vor allem die Frage, ob sich die Mitgliedsländer auf den vorgeschlagenen Wiederaufbaufonds einigen können, eine entscheidende Rolle spielen. Der Fonds würde die am schwersten von der Pandemie getroffenen Länder unterstützen. Die politische Führung in Österreich, Dänemark, den Niederlanden und Schweden sind gegen die aktuelle Idee einer Unterstützung in Form von nicht rückzahlbaren Hilfen. Stattdessen würden diese Länder lieber auf Kredite setzen. Wenn es hier keine Einigung gibt, wird sich der weitere Rückgang der Risikoaufschläge bei Peripherieländeranleihen sicher verlangsamen, wenngleich diese Titel eine Unterstützung durch die Kaufprogramme der EZB erfahren.


Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass unsere Übergewichtung von Unternehmens- und Schwellenmarktanleihen sinnvoll ist. Für unsere Präferenz von Schwellenmarktanleihen gegenüber Hochzinstiteln spricht, dass Schwellenmarktanleihen eine bessere Diversifizierung bieten. Hochzinstitel weisen eine hohe Korrelation mit den Aktienmärkten auf.


Zum Ausblick für die neue Woche: Die Märkte warten mit Spannung auf die Zahlen zur Industrieproduktion in den USA, in der EU und in China sowie auf die VPI-Zahlen (VPI: Verbraucherpreisindex) in den USA und in Deutschland. Es wird interessant sein zu sehen, inwieweit die in der kommenden Woche veröffentlichten Daten die jüngsten schwachen Daten aus der EU bestätigen, etwa die enttäuschenden Außenhandelsdaten aus Deutschland. Die Investoren wird jetzt vor allem interessieren, wie sich der jüngste Anstieg der Covid-19-Infektionen in den USA auf die Konjunktur des Landes auswirkt, und ob China, das jüngst ermutigende VPI-Zahlen veröffentlicht hat, als Vorbild für andere Regionen dienen kann. …


Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Chromatika Multimedia snc / Shutterstock.com

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