Wochenkommentar: Süßes oder Saures?

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Mit etwas Fantasie lässt sich das berühmte Halloween-Motto auch auf die Unternehmensgewinne anwenden. Wenn ein Unternehmen eine hervorragende oder zumindest eine gute Leistung zeigt, bekommen die Aktionäre etwas „Süßes“. Verfehlen sie hingegen die Erwartungen, gibt es „Saures“. Vergangene Woche haben viele Unternehmen ihre Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal vorgelegt, und die Marktreaktionen waren sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt haben sich die Märkte ganz gut geschlagen, und es gab im Wochenverlauf neue Hochs.

Der S&P 500 erreichte sogar ein neues Allzeithoch, während der breitere europäische Index zumindest ein neues Jahreshoch verzeichnen konnte. Der MSCI World Index erreichte ebenfalls den höchsten Stand des Jahres und liegt jetzt nur noch wenige Punkte von seinem Allzeithoch entfernt. Der maßgebliche Faktor waren hier gute Unternehmenszahlen und Maßnahmen der Zentralbanken. Die Fed senkte am Mittwoch erneut ihre Leitzinsen.

Von den vier Unternehmen, die momentan wetteifern, wer bei der Marktkapitalisierung zuerst die Schallmauer von 1 Billion Dollar erreicht, hatten Microsoft und Amazon bereits in der Vorwoche ihre Geschäftszahlen vorgelegt.

Alles in allem scheinen die Märkte den gemischten Wirtschaftsdaten und dem geringen Gewinnwachstum noch recht widerstandsfähig gegenüberzustehen. Vielleicht sind es das Nachlassen der Unsicherheit in Bezug auf den Handelsstreit zwischen den USA und China und den Brexit sowie die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken, die die Aktienmärkte auf den aktuellen Niveaus halten.

Anleihen – ein stabileres Umfeld

Zum Handelskrieg scheint es immer mehr positive Nachrichten zu geben; das dürfte allen Anleihen zugutekommen, selbst den riskantesten – den globalen Hochzinsunternehmensanleihen und Schwellenmarkttiteln in unseren Portfolios. Ein stabileres Handelsumfeld dürfte sich positiv auf Asiens größte Volkswirtschaft auswirken, wovon wiederum die Schwellenländer und die gesamte Weltwirtschaft profitieren dürften. Eine baldige Lösung des Handelsstreits ist allerdings nicht in Sicht. 

In den USA war das BIP-Wachstum im dritten Quartal höher als die Konsensprognosen der Analysten, und dies führte dazu, dass die Fed ihren expansiven Kurs für dieses Jahr beendete; wenngleich wir im nächsten Jahr noch eine weitere Zinssenkung erwarten. Der stärkste Wachstumsfaktor war der Konsum, weil der starke Arbeitsmarkt nach wie vor das Realeinkommen der Menschen erhöht. Auf politischer Seite wird weiterhin viel über das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Trump gesprochen, auch wenn solche Verfahren in der Vergangenheit selten Erfolg hatten. Interessant ist vor allem die Überlegung, wie der Anleihemarkt auf eine Amtsenthebung reagieren würde, die ja Unsicherheit signalisieren würde – gleichzeitig ist Trump an den Märkten nicht gerade beliebt.

Konzerne weltweit scheinen angesichts des Niedrigzinsumfelds und des anhaltenden Entschuldungsprozesses gut in Form zu sein.

Die meisten Zentralbanken in den Schwellenländern haben noch Spielraum für Zinssenkungen. Dies rechtfertigt unsere Übergewichtung dieser Region. Es lohnt sich, Lateinamerika im Auge zu behalten – eine Region, die einen großen Teil dieses Anlageuniversums ausmacht –, denn dort hat es in praktisch allen Ländern politische Unruhen gegeben. In Argentinien brachte die Wahl am Sonntag vor einer Woche ein besseres Ergebnis hervor, als erwartet worden war. Dies wird die Macht der Regierung Fernandez-Kirchner begrenzen und die Politiker zwingen, einen Teil der Schulden des Landes auf eine anleiheinhaberfreundliche Art und Weise neu zu strukturieren.

Wenn die Fed einen restriktiveren Kurs einschlägt, können wir nicht erwarten, dass der US-Dollar ab- oder Schwellenmarktwährungen aufwerten. Deshalb konzentrieren wir uns bei unserer Position hier ausschließlich auf harte Währungen. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: shutterstock.com / McIek

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