Wochenkommentar: Starker Dollar

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Die Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft stützt weiterhin den US-Dollar. Der Dollar-Index notiert momentan 3,3 % höher als zu Beginn des Jahres und ist auf den höchsten Stand seit Mai 2017 gestiegen. Warum ist der Dollar in letzter Zeit so stark?

Zum einen ist er eine sichere Währung mit hoher Liquidität. Die Investoren überlegen besorgt, wie gravierend die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs sein wer-den, und das stützt den Dollar. Zum anderen vertrauen die Investoren darauf, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin relativ gut entwickelt, insbesondere vor dem Hintergrund der vergleichsweise guten jüngsten Wirtschaftsdaten. Gleichzeitig gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass die Eurozone und Japan unter dem Ausbruch des Coronavirus stärker zu leiden haben als die USA. Damit haben sie vermutlich auch recht. Japan und die Eurozone würde eine neuerliche Abkühlung der chinesischen Konjunktur deutlich stärker treffen. Außerdem war schon die Ausgangslage dieser Volkswirtschaften deutlich schlechter. 


Diese Faktoren dürften den Dollar vorerst weiter unterstützen, wir glauben aber nicht, dass dies lange anhält. Für die Coronavirus-Folgen sind die USA zwar weniger anfällig, aber wir gehen weiterhin davon aus, dass sich die anhaltende Schwäche des Fertigungssektors letztlich auch im Dienstleistungssektor und beim Konsum bemerkbar machen wird. Darüber hinaus ist der US-Dollar im historischen Vergleich überbewertet, während der Euro und der Yen gemessen an der Vergangenheit billig sind. Sobald der Coronavirus-Ausbruch unter Kontrolle ist und die konjunkturellen Aussichten in Japan und in der Eurozone wieder besser werden, dürfte die Nachfrage nach dem Dollar zurückgehen.


Aktien: Folgen des Coronavirus machen sich allmählich bemerkbar


Die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs beherrschen nach wie vor die Schlagzeilen, auch bei den Finanznachrichten. In Asien ist nach wie vor unklar, wie groß der Schaden wird, wenngleich die japanische Zentralbank bereits davon gesprochen hat, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession erheblich gestiegen sei. 

China hat angekündigt, die Unternehmenssteuern vorübergehend zu senken und Liquidität bereitzustellen, um die Stimmung der Investoren zu verbessern. In Europa deutet die jüngste ZEW-Befragung darauf hin, dass sich die Stimmung verschlechtert hat. Die Geldpolitik und die Geschäftszahlen der Unternehmen haben dafür gesorgt, dass der Gegenwind nicht zu stark wird. Wenngleich die Planvorgaben aufgrund der kurzfristigen Auswirkungen des Coronavirus zum Teil zurückhaltend waren, gibt es doch Hoffnung, dass ein gutes zweites Halbjahr den Rückschlag wieder gutmacht.


Vergangene Woche haben Zweifel am globalen Wachstum dazu geführt, dass die Nachfrage nach Aktien aus defensiven Sektoren wie Versorger und Telekom gestiegen ist. Immobilien profitieren von den niedrigen Zinsen.  IT-Aktien hatten nach einem guten Jahresbeginn trotz guter Unternehmenszahlen in der Halbleiterindustrie ein paar schwierige Tage. Apple gab nur drei Wochen nach guten Geschäftszahlen und einem optimistischen Ausblick eine Warnung aus: Das Umsatzwachstum werde im laufenden Quartal auf-grund des Coronavirus geringer ausfallen. Nach dieser kleinen Enttäuschung konnten sich die meisten IT-Aktien sehr schnell wieder erholen. Am vergangenen Mittwoch warnten auch Adidas und Puma, das Corona-virus werde die Verkaufszahlen in China beeinträchtigen: Adidas verzeichne in China 85 % Umsatzrückgang, weil viele Geschäfte geschlossen seien. Trotzdem sind die Aktien beider Unternehmen an jenem Tag gestiegen.


Anleihen: In Wartestellung


Für Europas Anleihemarkt begann die vergangene Woche ruhig, weil die US-Märkte wegen des Feiertags President's Day geschlossen waren. Die jüngste Gewinnwarnung von Apple und der ZEW-Indikator waren für die Markterwartungen eine klare Enttäuschung und machen die Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs deutlich. 


Die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen ging auf die wichtige Marke von 1,5 % zurück, die zuletzt im Januar getestet worden war. Die Rendite auf zehnjährige deutsche Bundesanleihen fiel in Richtung des Widerstands von -46 Basispunkten (Bp). Doch bevor die Renditen weiter fallen können, bedarf es stärkerer Impulse, etwa einer Mitteilung der US-Notenbank Fed zu einer weiteren Leitzinssenkung.


Die jüngste Erholung am Markt geht auf die Handels-vereinbarung zwischen den USA und China, das Niedrigzinsumfeld und die expansive Geldpolitik zurück. Wir rechnen damit, dass sich die Erholung trotz der Coronavirus-Folgen fortsetzt. Daher halten wir zuversichtlich an unserer Übergewichtung von Unternehmensanleihen und Schwellenmarktstaatsanleihen fest und gehen davon aus, dass die Risikoprämien auf verbriefte Anleihen und Kernländerstaatsanleihen nicht mehr viel weiter fallen können. Die Schwellenländer bieten weiterhin attraktivere Spreadniveaus als ihre Hochzins-Pendants, was für unsere Übergewichtung von Schwellenmärkten im Hochzinssegment spricht.

Eine Reihe interessanter Ereignisse werden in der kommenden Woche Aufschluss über die weitere Entwicklung von Zinsen und Spreads geben. Für die Investoren wird entscheidend sein, wie sich die Verbreitung des Coronavirus auf den Konsum in den USA und das im bevorstehenden ifo-Index ausgedrückte Geschäftsklima in Deutschland auswirkt.. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: rarrarorro / Shutterstock.com

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