Wochenkommentar: Politische Risiken nehmen zu

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Für Europa könnte es wohl kaum einen schlechteren Zeitpunkt für die Eskalation der Handelsspannungen geben – angesichts zahlreicher weiterer politischer Risiken.

Das Wachstum ist in Europa bereits schwach. Dabei bleibt vor allem die deutsche Fertigungsindustrie enttäuschend, während weiterhin politische Risiken für die Region bestehen. Die Wahrscheinlichkeit eines ungeregelten EU-Austritts der Briten ist deutlich gestiegen, seitdem der neue britische Premierminister Boris Johnson sein Kabinett mit mehr Brexit-Hardlinern besetzt hat und sich klar sichtbar auf ein solches Szenario vorbereitet. Unterdessen sorgt Italiens Innenminister Matteo Salvini erneut für Negativschlagzeilen, indem er ausdrücklich sagt, das Haushaltsdefizit des Landes für 2020 dürfe nicht unter 2 % liegen. Damit dürfte er eine neue Konfrontation mit der Europäischen Kommission heraufbeschwören. Gleichzeitig droht er Ministerpräsident Giuseppe Conte, die Regierung zu torpedieren, wenn nicht bis Montag eine Reihe von Ministern ersetzt werden. 

Anleihen: Wie tief geht es runter? 

Die eskalierenden Handelsspannungen zwischen den USA und China haben an den Finanzmärkten vergangene Woche hohe Wellen geschlagen. Eigentlich waren die Märkte davon ausgegangen, dass bis zum nächsten Treffen zwischen China und den USA im September eine Art Waffenruhe herrscht, doch die Lage ist schnell eskaliert und hat die Angst vor einem Währungskrieg und einem schwächeren Wachstum der Weltwirtschaft geschürt. Dabei ist auch das Risiko einer Rezession in den USA gestiegen. Deshalb sind die Risikoprämien gestiegen. 

Der Kurs, den die Fed in der Vorwoche eingeschlagen hatte, war in den Augen mancher Marktteilnehmer nicht so expansiv wie erwartet, denn die US-Notenbank verkündete erst einmal nicht mehr als eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte. Jetzt, wo der Handelskrieg weiter eskaliert, wird es wahrscheinlicher, dass die Fed die Zinsen noch weiter senken muss. Dazu ist sie auch in der Lage, weil keine Inflationsangst im Weg steht. Vor diesem Hintergrund ist die Rendite auf US-Staatsanleihen deutlich gefallen. 

In Europa hatten die Zinsen bereits historische Tiefstände erreicht, weil von der EZB Zinssenkungen und vermutlich ein neuerliches Kaufprogramm (quantitative Lockerung) zu erwarten sind. Das bedeutet aber nicht, dass die Zinsen nicht noch tiefer sinken könnten, was sich in der vergangenen Woche gezeigt hat, als die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich abgesackt sind. Wer weiß, wie weit es noch nach unten geht? Angesichts der lockeren Geldpolitik der EZB bleiben wir selbst auf dem aktuellen Niveau bei unserer positiven Haltung zu einer längeren Duration im Rentenportfolio. 

Die Risikoaufschläge von europäischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen sind gestiegen. Diese Anlageklasse dürfte von dem erwarteten neuerlichen Kaufprogramm der EZB und von der Renditesuche der Investoren stark profitieren. Die Risikoaufschläge von US-Unternehmensanleihen und von Hochzinstiteln sind aber noch stärker gestiegen. Dies passt zu unserer These, dass das positive technische Bild des europäischen Markts für Investment-Grade-Unternehmensanleihen den Anstieg der Risikoaufschläge in Stressphasen begrenzen dürfte. Daher halten wir an unserer Übergewichtung von europäischen Unternehmensanleihen fest. 

Da Hochzinsunternehmensanleihen riskanter sind, hat diese Anlageklasse stärker unter der Angst vor einer Abschwächung der Weltwirtschaft gelitten. Aus gutem Grund, denn dies könnte zu höheren Ausfallquoten führen. Im Hochzinssegment bevorzugen wir daher weiterhin Schwellenmarkttitel, insbesondere Staatsanleihen in harten Währungen wie USD oder EUR. Sie erhalten den Vorzug vor Unternehmensanleihen. Wir gehen nicht davon aus, dass solche Schwellenmarkttitel immun sind gegen die Spannungen im Welthandel. Aber die Unterstützungsmaßnahmen des IWF und die Tatsache, dass sich die Wirtschaft in Schwellenländern heute auch zunehmend in lokaler Währung finanzieren kann, haben das Ausfallrisiko deutlich reduziert. Außerdem rechnen wir damit, dass die Zentralbanken in Schwellenländern dem Beispiel der Fed folgen und ihre Zinsen senken, was wiederum den Anleihen zugutekommen dürfte. Die Notenbanken von Indien, den Philippinen und Thailand haben ihre Zinsen in der vergangenen Woche bereits gesenkt. 

Nach der heftigen Aktivität der vergangenen Woche rechnen wir mit einer gewissen Beruhigung der Märkte. Dazu trägt auch Chinas Ankündigung bei, den Renminbi zu stabilisieren. Trotzdem warnen wir: Ein neuer Panikschub ist nur eine Twitter-Überraschung entfernt.

Aktien: Nervosität nimmt zu

Die Berichtssaison in den USA hat recht vielversprechend begonnen. Ein perfektes Erwartungsmanagement führte zu leichten Überraschungen bei den Gewinnen. Der Ausblick der US-Unternehmen deutete auf eine Stabilisierung der Wirtschaft hin. 

Doch mit der Einführung neuer Importzölle auf chinesische Handelswaren legte die US-Regierung den Grundstein für schwere Verluste an den weltweiten Aktienmärkten. Am vergangenen Montag reagierte China mit einer Abwertung des Renminbi über die Marke von 7 USD/CNY und beunruhigte die Märkte. Der US-Markt korrigierte bis Wochenmitte um knapp 5%. Erst mit einer Stabilisierung der chinesischen Festlandswährung kehrt Beruhigung ein und eliminierte eine Gegenbewegung die Wochenverluste. 

Die Entwicklungen haben die Investoren zweifelsohne beunruhigt, denn damit ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass es im Zollstreit keine Lösung gibt. Dadurch könnte die Rezessionsgefahr wachsen. 

Unsere aktuelle Positionierung spiegelt die Vorsicht der Investoren wider, denn wir haben unsere Aktienposition untergewichtet. Aktuell gehen wir jedoch noch nicht von einem Rezessionsszenario aus. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Leonid Andronov / Shutterstock.com

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