Wochenkommentar: Fed und EZB liefern erneut ab

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Die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed und die Folgen des Angriffs auf Aramcos Ölanlage in Abqaiq haben vergangene Woche die Märkte dominiert.

Der Angriff führte zu einem Rückgang der weltweiten täglichen Ölproduktion von 5 % – das ist ein massiver Einbruch. In der Vergangenheit haben schon deutlich kleinere Störungen des Gleichgewichts von Angebot und Nachfrage die Preisentwicklung empfindlich getroffen. 

Diesmal kam es in der Spitze zu einem Anstieg um 20 %, bevor sich der Preis bei einem Plus von rund 13 % einpendelte (und damit von USD 60 auf USD 68 stieg). Die Kernfrage lautete: Wie schnell kann die Produktion wieder auf einem normaleren Niveau stattfinden? Dass aus einer Reihe von Quellen völlig unterschiedliche Dinge zu hören waren, führte zu einer großen Unsicherheit. Die Aktien von Ölkonzernen stiegen, während die Papiere von Unternehmen, die Öl brauchen (zum Beispiel Fluggesellschaften) an Wert verloren. Später im Wochenverlauf gab es dann positivere Meldungen, denen zufolge die Produktionslücke gar nicht so groß sein dürfte und sich die Auswirkungen auf die Wirtschaft deshalb auch in Grenzen halten würden. Daraufhin sank der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent wieder auf USD 63.

Die Fed beschloss am vergangenen Mittwoch, den Leitzins um 25 Basispunkte (Bp) zu senken und entsprach damit sowohl unseren Erwartungen als auch dem Konsens der Marktanalysten. Wir gehen davon aus, dass dies noch nicht der letzte Schritt war. Die Entscheidungen der Fed sind in hohem Maße datengetrieben, und in den USA sind trotz einer robusten Entwicklung des privaten Konsums Anzeichen für eine Abschwächung des Wachstums zu verzeichnen. Dies liegt zu einem guten Teil am Handelskonflikt und an den höheren Zöllen. So hat zum Beispiel FedEx vergangene Woche seine Prognosen weiter gesenkt und als Begründung einen schwächeren Handel und niedrigere Preise aufgrund des Handelskonflikts angeführt. 

Ein weiterer Trend, den wir seit einiger Zeit beobachten, ist eine Rotation von Wachstums- zu Value-Aktien. Der Russell-1000-Growth-Index verlor am 9.-10. September 2,6 % und verzeichnete damit den größten Zwei-Tages-Verlust seit zehn Jahren. Seit 1992 gab es bei diesem Index 13 Zwei-Tages-Verluste von mehr als 2,5 %. Value-Aktien haben sich im Zuge der erwähnten Rotation im vergangenen halben Jahr besser entwickelt als Wachstumstitel. In der Regel erholen sich Wachstumsaktien nach sechs Monaten wieder etwas. Trotz des jüngsten Rückgangs ist es in unseren Augen aber immer noch zu früh, das Ende des langjährigen Bullenmarkts bei Wachstumsaktien auszurufen.

Anleihen – die Folgen der aktuellen Geldpolitik

Die Märkte sind immer noch damit beschäftigt, die vergangene Sitzung der EZB zu verdauen: Es entstand nicht nur der Eindruck, wonach der Notenbank weniger Spielraum verbleibe. Die Märkte haben auch den Eindruck gewonnen, dass zukünftige Programme der EZB weniger effektiv sein könnten, vor allem, wenn es zu einem wirtschaftlichen Abschwung kommen sollte. Dies dürfte einer der Faktoren gewesen sein, die Druck auf die Renditekurve von deutschen Staatsanleihen ausgeübt haben.

Auf der anderen Seite konnten sowohl Staatsanleihen aus Peripherieländern als auch Unternehmensanleihen von der jüngsten Ankündigung profitieren; in beiden Segmenten sind die Risikoaufschläge zurückgegangen. Die Forderung von EZB-Präsident Mario Draghi nach mehr Staatsausgaben (d.h. fiskalpolitischer Unterstützung) könnten lauter werden, wenn seine Nachfolgerin Christine Lagarde den Chefposten der Notenbank übernimmt. Dann könnten die Renditen auf Staatsanleihen der Kernländer der Eurozone erneut unter Druck geraten. So oder so sind Europas Politiker kaum zu einem Konsens bereit, was dazu führen wird, dass die Zinsen noch länger niedrig bleiben. 

Die US-Fed hat erwartungsgemäß eine weitere Leitzinssenkung „zur Absicherung“ vorgenommen. Trumps Forderung nach negativen Zinsen kam an den Märkten und bei der Fed nicht gut an, denn es gibt kaum klare Belege dafür, dass Negativzinsen die Konjunktur beleben. 

Während das drohende Rezessionsrisiko in den kommenden Wochen nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, dürfte das größte längerfristige Risiko für die US-Wirtschaft tatsächlich darin bestehen, dass Trump nicht wiedergewählt wird. 

Wir behalten unsere relative Übergewichtung von Schwellenländern bei, wo sowohl Staatsanleihen als auch Unternehmensanleihen im Hinblick auf die Risikoaufschläge vernünftig bewertet zu sein scheinen. Phasen der Risikoscheu zeigen sich in den Schwellenmärkten zumeist eher kurz.

Diese Woche wird hier in Deutschland der Ifo-Geschäftsklima-Index veröffentlicht. Da es immer mehr Anzeichen dafür gibt, dass Teilen der deutschen Wirtschaft größere Herausforderungen bevorstehen, könnte die Veröffentlichung des Ifo-Barometers dafür sorgen, dass die Rendite auf Bundesanleihen auf dem aktuellen Niveau von rund -50 Basispunkten bleibt oder gar darunter. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Christian Carollo / Shutterstock.com

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