Wochenkommentar: Die Corona-Berichtssaison

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Kurz vor Beginn des Osterwochenendes gab die amerikanische Federal Reserve ein weiteres Unterstützungspaket für die Wirtschaft im Wert von USD 2,3 Billionen bekannt. Wenige Tage später fiel der Empire-State-Fertigungsindex für April auf ein Allzeittief, während positive Handelsdaten aus China die Aktienmärkte weltweit stützten. Da die Zahl der Corona-Neuinfektionen in einigen europäischen Ländern zurückgegangen ist, hat die Hoffnung auf eine allmähliche, teilweise Öffnung von geschlossenen Unternehmen auch den Glauben daran gestärkt, dass eine Lockerung der Beschränkungen die Konjunktur wiederbeleben könnte.

Auf Unternehmensseite ist die Berichtssaison in den Fokus gerückt. Neben dem üblichen Augenmerk auf die Entwicklung von Umsatz und Gewinn werden sich Investoren und Analysten diesmal mehr als in anderen Quartalen auch auf die Stärke der Bilanzen konzentrieren. Wir rechnen damit, dass schlecht geplant werden kann, wann der normale Geschäftsbetrieb in den kommenden Monaten wieder aufgenommen werden kann.

Unterdessen rutschten die Ölpreise weiter ab, obwohl die Mitglieder der OPEC+ die Produktion ab 1. Mai um nahezu 10 % zurückfahren. Weil Industrie, Transport und Verkehr im Zuge der Corona-Pandemie massiv beeinträchtigt sind, ist die Nachfrage eingebrochen und die Ölbestände sind erheblich angewachsen. Unter Umständen reichen die Lagerkapazitäten noch nicht einmal aus für diesen Anstieg.

 

Anleihen: steigende Risikobereitschaft

In einigen der am schlimmsten von Corona betroffenen Länder, wie Spanien und Italien, verlangsamt sich das Wachstum der Neuinfektionen. Berichte zur bisherigen konjunkturellen Entwicklung mit den jüngsten Zahlen für April werden aber erst im kommenden Monat veröffentlicht. Dass sich die Infektionsentwicklung verlangsamt hat, sorgte vergangene Woche für eine Verbesserung der Stimmung.

Die Risikoprämien von Peripherieländeranleihen sind relativ stabil geblieben, was unserer Position in spanischen Anleihen zugutekommt. Bei Schwellenmarkttiteln Anleihen im Hochzinsmarkt lief es sogar noch besser, denn diese Segmente haben von der etwas verbesserten Risikobereitschaft profitiert. Die Verluste in diesen Anlageklassen haben sich von 15 % seit Jahresbeginn auf fast die Hälfte davon erholt.

Wir bleiben bei unserer aktuellen Übergewichtung von Schwellenländeranleihen, weil diese Länder über hohe Liquiditätspuffer verfügen und der Internationale Währungsfonds bereit ist als Kreditgeber der letzten Instanz aufzutreten.

Schwellenländer, die vor Beginn der Krise bereits ausfallgefährdet waren, darunter Argentinien, Ecuador und der Libanon, haben bereits gesagt, dass es ihnen momentan wichtiger ist, die Pandemie einzudämmen als Gläubiger zu bezahlen. Trotzdem könnten diese Länder solventer werden, wenn die aktuellen Gespräche über Schuldenschnitte erfolgreich sind; dann könnte es positive Überraschungen geben.

Auf Hochzinsanleihen hat der Ölpreis einen großen Einfluss, weil viele Hochzinstitel aus dem Energiesektor kommen. Die Ausfallquote dürfte steigen. Allerdings finden sich im amerikanischen Hochzinssegment mehr Energieunternehmen als im europäischen, was unsere Präferenz für Europa bestätigt.

 

Alles in allem scheinen die Investoren der Meinung zu sein, dass die Maßnahmen von Regierungen und Zentralbanken ausreichen, um Liquidität zu garantieren und die Vermögenspreise zu stützen. Wir bleiben hingegen vorerst verhalten, da es angesichts der gerade begonnenen Berichtssaison und der neuesten Konjunkturdaten noch viele schlechte Nachrichten zu verdauen gilt.…


Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Kurt Kleemann / Shutterstock.com

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