Wochenkommentar: Corona-Virus infiziert die Märkte

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Die Aktienmärkte haben nach Rekordständen vergangene Woche wieder etwas nachgegeben. Die Hauptsorge der Investoren war nicht mehr der Welthandel, sondern das Corona-Virus, ein tödliches Virus, das Lungenentzündungen verursacht und mit der SARS-Epidemie verglichen wird, die vor 17 Jahren Hunderte Menschen das Leben gekostet hat.

Das Virus ist zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt ausgebrochen, denn jetzt am Wochenende war das chinesische Neujahrsfest, zu dem traditionell Millionen von Chinesen zu ihren Familien reisen. Der Ausbruch des Virus könnte somit auch den Konsum treffen. Und dies könnte wiederum die noch schwache Erholung des weltweiten Wirtschaftswachstums belasten. 

Auf Sektorebene sind vor allem die Kurse von Unternehmen in den Sektoren Freizeit und Luxusgüter zurückgegangen, denn Chinas Kunden sind für rund ein Drittel aller Käufe verantwortlich und steuern rund 70 % zum Gesamtwachstum des Luxussektors bei. Auch Energieunternehmen sind unter Druck geraten, denn der Ölpreis ist getrieben von der Sorge, die Angst vor dem Virus könnte die Nachfrage dämpfen, gefallen. Die Erfahrung in der Vergangenheit deutet darauf hin, dass die Underperformance von kurzer Dauer sein könnte und diese Sektoren sich erholen, sobald die Behörden melden, die Viruslage sei unter Kontrolle. Unterdessen haben sich in Europa Finanzwerte unterdurchschnittlich entwickelt, weil politische Unruhen in Italien die Anleiherenditen vorübergehend steigen ließen. Der Technologiesektor konnte seine Outperformance dank besserer Geschäftszahlen der Unternehmen hingegen ausbauen.

Mehr als 10 % der S&P-Unternehmen haben bislang ihre jüngsten Quartalszahlen vorgelegt. Rund 70 % davon konnten nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg die Gewinnerwartungen übertreffen, unter anderem IBM. Im Autosektor verzeichnete die Tesla-Aktie hohe Kursgewinne, nachdem das Unternehmen hohe Auslieferungen für das vierte Quartal gemeldet hatte. In der Folge stieg Teslas Marktkapitalisierung auf mehr als USD 100 Mrd. an und liegt damit über dem Wert von Volkswagen. In Europa enttäuschte UBS die Investoren, weil die Schweizer Bank die Finanzziele für 2019 verfehlte und die Vorgaben für die weitere Entwicklung senkte.

Anleihen: Zentralbanken heben den Gesamtmarkt

In der EU gibt es Hinweise darauf, dass die Kerninflation leicht steigt. Alle europäischen Vermögenswerte profitieren von der Geldpolitik, auch Investment-Grade-Unternehmensanleihen; das zeigt sich auch bereits daran, dass die deutschen Wirtschaftsdaten gegen Ende des Jahres besser wurden. 

Auf der anderen Seite des Atlantiks dürfte die US-Notenbank Fed die Zinsen auf dem aktuellen Niveau belassen, damit sie später noch Raum für Zinssenkungen hat, wenn das Inflationsziel nicht erreicht wird. Dies ist allerdings nicht unser Basisszenario. Die Vorwahlen der Demokratischen Partei dürften für die Stabilität des Marktes ein entscheidender Härtetest sein, wenngleich die beiden Kandidaten Sanders und Warren, die die größte Bedrohung darstellten, inzwischen hinter Biden liegen. Daher erwarten wir in den USA aktuell keine Entwicklung, die unsere Position in Anleihen mit höherer Rendite gefährden könnte; dabei sehen wir eine Übergewichtung von Schwellenmarkttiteln vor. 

Letztere haben vergangene Woche unter der unerwarteten Nachricht gelitten, dass sich unmittelbar vor dem chinesischen Neujahrsfest ein Virus in China ausbreitet. Nach der vorübergehenden Einigung im Handelskrieg zeigten sich in Chinas Wirtschaftsdaten für das vierte Quartal 2019 Anzeichen einer Verbesserung. China ist einer der wichtigsten Akteure unter den Schwellenländern, der alle anderen Volkswirtschaften in der Region mit nach oben oder unten zieht. Da sich die Aussichten verbessert haben, sind die Mittelzuflüsse in Schuldtitel aus Schwellenländern gestiegen. Unsere Einschätzung von Schwellenmarktwährungen bleibt geteilt, denn einige Länder haben bessere Fundamentaldaten und somit einen besseren Ausblick für 2020 als andere. Wenn die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten wieder zunehmen, wie es Anfang des Jahres der Fall war, können wir damit rechnen, dass auch die Ölpreise wieder steigen. Dies könnte die Währungen von Öl exportierenden Ländern aufwerten lassen. 

Anleihen aus dem Nahen Osten sind Investment-Grade und erhöhen somit die Qualität eines Portfolios; die Unruhen in der Region sind allerdings unberechenbar und könnten dazu führen, dass die Renditen von regionalen Anleihen steigen, wenn Länder wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Katar betroffen zu sein scheinen. Die Renditen könnten aber auch fallen, wenn die Ölpreise steigen und die Ölproduktion gleichbleibt. Lateinamerikanische Länder, insbesondere Mexiko und Brasilien, bieten nach wie vor attraktive Renditen. Argentinien beginnt in seinem Kongress eine Debatte über eine Restrukturierung der Schulden des Landes; hier könnte es zu starken Kurssteigerungen kommen, wenn der Vorschlag machbar ist. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Sean Pavone / Shutterstock.com

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