Wochenkommentar: Chinas Wirtschaft wächst langsamer

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Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal um 6,0 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum; damit lag das Wachstum unter dem Wert des zweiten Quartals (6,2 %) und war so niedrig wie lange nicht mehr.

Die BIP-Entwicklung lag auch etwas unter den Erwartungen im Markt, wenngleich der Trend einer konjunkturellen Abkühlung schon seit geraumer Zeit sichtbar ist. Andere Wirtschaftsdaten aus China waren uneinheitlich. Bei der Industrieproduktion und bei den Einzelhandelsumsätzen zog das Wachstum etwas an, dies ändert aber nichts daran, dass insgesamt eine allmähliche Abkühlung zu erkennen ist. Die direktesten Auswirkungen Chinas für den Rest der Welt ergeben sich aus dem Handel. Und hier ist die Gesamtsituation schwach und weitgehend unverändert. Chinas Importe sind im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,5 % zurückgegangen. Und die Importe fallen schon seit geraumer Zeit. Bei den Einfuhren aus den USA ist der Rückgang besonders ausgeprägt: -21,9 % im September gegenüber dem Vorjahr. Chinas Volkswirtschaft und der Handelskrieg gelten als die wesentlichen Ursachen der weltweiten konjunkturellen Abkühlung. 

Anleihen – das Spiel der quantitativen Lockerung

Der Winter naht – oder ist er noch in weiter Ferne? Einige Investoren machen sich zunehmend Sorgen, dass eine Rezession bevorstehen könnte. Andere sagen, es sei noch lange nicht soweit, und jede weitere Eintrübung des Wirtschaftswachstums werde nur weitere Unterstützungsmaßnahmen der Zentralbanken mit sich bringen, was wiederum die Preise für risikobehaftete Anlageklassen steigen ließe.

In der Entwicklung der Zinsen ist diese Unsicherheit klar zu erkennen. Der Anstieg der Renditen im September und in der vergangenen Woche spiegelt die Hoffnung wider, dass die geopolitischen Gefahren nicht ausufern, während der Rückgang der Zinsen Ende September die Angst erkennen lässt, dass diese Spannungen langsam aber sicher das Wirtschaftswachstum abwürgen. Der Handelskrieg und der Brexit sorgen tatsächlich für Unsicherheit, aber die Reaktion der Zentralbanken scheint bislang eine positive Wirkung zu zeigen. Selbst wenn die geopolitischen Schwierigkeiten 2020 nachließen, wären die meisten Volkswirtschaften immer noch auf die Unterstützung der Zentralbanken angewiesen. Bei einer Beruhigung der geopolitischen Lage wäre aber eine Korrektur innerhalb des Aufschwungs wahrscheinlicher als der baldige Beginn einer globalen Rezession. Die Anleiherenditen entwickeln sich momentan seitwärts. Wir gehen vorerst aber davon aus, dass wir noch einmal zu den jüngsten Tiefs zurückkehren. Schwache konjunkturelle Frühindikatoren und eine weitere geldpolitische Lockerung dürften 2020 ein beherrschender Faktor sein, und die geopolitischen Spannungen müssten sich zunächst einmal stabilisieren.

Die Risikoaufschläge von Investment-Grade-Titeln bewegen sich seit Mitte August in einer engen Handelsspanne, sodass Unternehmensanleihen die Entwicklung von deutschen Staatsanleihen nachbilden können. Die EZB beginnt ihr Anleihekaufprogramm (quantitative Lockerung) im November mit einem geringeren monatlichen Volumen, als wir erwartet hatten. Aber die Zentralbank hat ausdrücklich zugesagt, die Käufe fortzusetzen, bis die Inflation in den Zielbereich gestiegen ist, und damit rechnen die Geldpolitiker der EZB nicht vor 2021. Diese Anleihekäufe werden weiterhin die Investment-Grade-Anleihen, die auf der Einkaufsliste der EZB stehen, direkt unterstützen und den anderen Anleihen indirekt helfen. 

Die Risikoprämien von Hochzins- und Schwellenmarktanleihen schwanken stärker und profitieren von der jüngsten Hoffnung, dass die geopolitischen Spannungen nachlassen könnten. Allerdings gilt es, die Schwäche der Frühindikatoren für den Dienstleistungssektor genau im Auge zu behalten. Denn greifen die Probleme in der Fertigungsindustrie erst einmal auf andere Sektoren über, macht sich dies am Arbeitsmarkt bemerkbar, und der Konsum wird zurückgehen. Dies würde wiederum das globale Wachstum bremsen. Die Hochzinsmärkte dürften nach wie vor schwächer sein als die Schwellenmärkte, wo die Frühindikatoren seit Kurzem nach oben zeigen.

Aktien: Deal oder No Deal? 

Trotz einer Reihe von Unternehmenszahlen und Nachrichten über eine Handelsvereinbarung zwischen den USA und China traten die Aktienmärkte vergangene Woche auf der Stelle. In einem volatilen Umfeld empfehlen wir weiterhin eine Untergewichtung von Aktien, weil die politischen und wirtschaftlichen Risiken im Zusammenhang mit dem Brexit, der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die türkische Militäraktion in Nordsyrien die Märkte in den kommenden Monaten weiter beeinflussen dürften.

Zu Beginn der vergangenen Woche wirkte der Optimismus im Hinblick auf Fortschritte bei den Handelsgesprächen – auch bei strittigen Themen wie Urheberrechtsschutz, Agrargüter und Wechselkurspolitik – positiv auf die Aktienmärkte. US-Präsident Donald Trump signalisierte, dass die erste Etappe auf dem Weg zu einer Handelsvereinbarung geschafft sei. Die USA haben sich bereit erklärt, eine geplante Erhöhung der Zölle zu stoppen, und China wird seine Importe von amerikanischen Agrargütern erheblich ausweiten. Im Lauf der Woche kamen im Zusammenhang mit der Vereinbarung aber neue Sorgen auf. China fordert weitere Gespräche, um die Einzelheiten der ersten Phase festzuschreiben, bevor Chinas Präsident Xi Jinping unterzeichnet. Unterdessen hat US-Präsident Trump gesagt, vor dem Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft nächsten Monat in Chile werde er nichts unterschreiben. Verhandlungen, die den Handelsstreit beilegen und zu einer Vereinbarung führen, werden an den Aktienmärkten für Erleichterung sorgen. Bis dahin führt die anhaltende Unsicherheit über die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China dazu, dass Unternehmen immer mehr Entscheidungen über neue Anlageinvestitionen verschieben.

Am Dienstag läuteten US-Banken und Pharmaunternehmen wie Johnson & Johnson sowie United Health die Berichtssaison ein. Und es geht gut los. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Sean Pavone / Shutterstock.com

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