Wochenkommentar: Ausblick auf Weihnachten

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Jetzt im Weihnachtsgeschäft ist es interessant zu sehen, wie die Erwartungen an die Konsumausgaben sind. Hier gibt es eine Reihe von Anhaltspunkten: die Ausgaben am Black Friday (und am Cyber Monday), die Ausgaben zum Beginn des neuen US-Schuljahrs und die Daten zum Verbrauchervertrauen.

Letzteres zeigt sich in Europa nach wie vor angeschlagen. Die jüngsten November-Daten zeigen für die meisten Länder einen Rückgang. So beurteilen Europas Konsumenten ihre künftige wirtschaftliche Situation relativ negativ, während sie ihre aktuelle finanzielle Lage positiver einstufen. In den USA ist das Verbrauchervertrauen im November gefallen, wenn auch mit großen Unterschieden zwischen den einzelnen Bundesstaaten. Der Rückgang war nicht erwartet worden, denn die Arbeitslosigkeit ist gering, die Aktienmärkte sind hoch und die Immobilienpreise steigen. Der wichtigste Faktor für den Rückgang war die Eintrübung bei den Arbeitsbedingungen. Ausgehend von den Daten zum Verbrauchervertrauen sollten die Marktteilnehmer ihre Erwartungen an die Umsatzentwicklung im Weihnachtsgeschäft zügeln.

Der Umsatz mit Artikeln, die zum Schulanfang gebraucht werden, der in hohem Maße mit den Ausgaben im Weihnachtsgeschäft korreliert, ist in den USA 2019 nahezu halb so stark gewachsen wie 2018. Ausgehend von diesem Indikator würde das Umsatzwachstum im Weihnachtsgeschäft bei 2,3 % liegen, 0,8 % weniger als 2018.

Der Black Friday und der Cyber Monday haben USD 16,8 Mrd. mehr Online-Umsatz eingebracht, wobei die Ausgaben am Cyber Monday mit einem Plus von 19 % besonders stark gestiegen sind. Zu den meistgekauften Artikeln zählten Fernsehgeräte von Samsung, Laptops von Apple und Alexa-Geräte von Amazon. Im Spielwarensegment dominierten Artikel zum Film „Die Eiskönigin 2“ und Puppen der Marke „L.O.L. Surprise“. Der Online-Umsatz profitierte von den extremen Wetterverhältnissen in den USA, bei denen die Menschen eher zu Hause blieben.

Alles in allem sollten wir uns nicht wundern, wenn das Wachstum der Einzelhandelsumsätze im Weihnachtsgeschäft gering ausfiele. Zudem gibt es dieses Jahr zwischen Thanksgiving und Weihnachten sechs Einkaufstage weniger als 2018.

Vor diesem Hintergrund bieten sich Investitionen in Online-Händler oder Zahlungsdienstleister an, die von der Verlagerung des Weihnachtsgeschäfts vom stationären Handel ins Internet stärker profitieren dürften.

Anleihen: Konjunktur erreicht Talsohle mitten im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit

Der Dezember begann mit etwas Volatilität an den Märkten. Der Volatilitätsindex stieg vom bisherigen Jahrestief unter 12 auf den jährlichen Durchschnitt von 16. Ausgelöst wurde dieser leichte Aufstieg von US-Präsident Donald Trump, der am 3. Dezember erklärt hatte, die Vereinbarung mit China könnte auch bis nach der Präsidentschaftswahl 2020 warten, und die Märkte damit sofort unter Druck gesetzt hatte. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete am nächsten Tag, die USA und China näherten sich einer Einigung darüber, wie viele Zölle in einer Phase-1-Vereinbarung zurückgedreht werden würden. Diese Meldung kam trotz der Spannungen in Bezug auf Hongkong und Xinjiang, was den Märkten Hoffnung machte. Nach aktuellem Stand lässt sich unmöglich vorhersagen, ob diese Phase-1-Vereinbarung mit China vor Inkrafttreten der amerikanischen Zölle am 15. Dezember abgeschlossen wird.

Was die Auswirkungen auf die Anleihemärkte betrifft, hatte der jüngste Stress größere Folgen für riskantere Anlagen, als für amerikanische Investment-Grade-Anleihen. Alles in allem ist der Markt aber in Wartestellung gegangen.

Auf makroökonomischer Seite hat sich der Fertigungssektor weltweit erholt. Der wichtige Einkaufsmanagerindex hat 50,3 Punkte erreicht und ist mit dem Überschreiten der 50er-Marke wieder in den Bereich zurückgekehrt, der eine Expansion signalisiert. Ende Oktober stand dieser Index noch bei 49,8. Dies ist ein erster Schritt auf dem Weg zu einer weltweiten Konjunkturerholung. Wir bleiben aber vorsichtig, weil die Politik momentan die Marktdynamik bestimmt, und hohe Bewertungen den Rentenmarkt teuer machen. Nach einem Jahr mit einer hervorragenden Wertentwicklung bei Renten, die von der expansiven Geldpolitik profitiert haben, ist der Spielraum für eine weitere Absenkung der Risikoaufschläge begrenzt. Im Hochzinssegment gilt dies sogar noch mehr.

Auch Chinas Fertigungssektor wuchs im November stärker als erwartet, was inmitten des Handelskriegs mit den USA eine gewisse Widerstandsfähigkeit der Volkswirtschaft beweist.

Vor dem Hintergrund einer leichten Konjunkturerholung, aber unter Berücksichtigung der geopolitischen Unsicherheiten, einschließlich des Handelskonflikts und der Parlamentswahlen in Großbritannien am 12. Dezember, glauben wir an die Wirkung von Eingriffen der Zentralbanken, um die Wirtschaft zu unterstützen und den Aufschwung mit niedrigen Zinsen zu verlängern. Die EZB kauft überdies noch jeden Monat Anleihen im Wert von EUR 20 Mrd. – eine Maßnahme, die als quantitative Lockerung bekannt ist. Deshalb favorisieren wir weiterhin längere Laufzeittitel, da Anleihen mit längeren Laufzeiten sich besser entwickeln könnten als solche mit kürzeren. Und wir bleiben bei unserer Vorliebe für europäische Unternehmensanleihen, die von der quantitativen Lockerung der EZB profitieren dürften. Zusätzlich geben wir weiterhin Schwellenmarktanleihen den Vorzug gegenüber Hochzinstiteln. Die jüngsten makroökonomischen Daten aus Schwellenländern und die expansive Grundhaltung der Federal Reserve in den USA bestärken uns in unserer Vorliebe für Schwellenmarktanleihen. Diese Position könnte sogar noch weitere Unterstützung erhalten, wenn der US-Dollar abwertet. Von Hochzinsanleihen raten wir momentan ab, denn diese sind in unseren Augen teuer und volatil, haben mittelfristig sowohl in Euro als auch gegen den US-Dollar abgesichert ein begrenztes Steigerungspotenzial. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Neirfy / Shutterstock.com

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