Wochenkommentar: Anzeichen der Normalisierung in China

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Nach einigen Tagen mit weniger Volatilität an den Aktienmärkten begann das zweite Quartal mit einer neuen Welle der Risikoscheu. Sowohl in der Eurozone als auch in Großbritannien verzeichneten die wichtigen Wirtschaftsindikatoren einen drastischen Einbruch. In der Eurozone fiel der Indikator für die Industrie sogar auf ein Sieben-Jahres-Tief.

Immer mehr Unternehmen haben den Ausblick für 2020 gesenkt oder ihre Zahlen für die kommenden Quartale nach unten korrigiert. Der Luxusgüterkonzern LVMH erwartet einen Umsatzrückgang von 10 bis 20 % gegenüber dem vergangenen Jahr. Immer mehr Finanzinstitute folgen dem Rat der EZB und setzen ihre Dividendenzahlungen für 2019 und 2020 aus. Die EZB hat die Banken außerdem aufgefordert, von Aktienrückkäufen abzusehen. Dies hat die Aktienkurse von europäischen Banken weiter fallen lassen. Auch die EZB selbst hat weitere Maßnahmen ergriffen und genau wie die US-Fed Anleihekäufe in unbegrenztem Umfang angekündigt.

Der Ölpreis war im Wochenverlauf auf einen neuen Tiefstand gefallen, weil die Nachfrage nachgelassen hat und die Öl produzierenden Länder sich nicht auf Produktionsbeschränkungen einigen konnten. Gerüchte, die USA sei bereit, zwischen Saudi-Arabien und Russland zu vermitteln, und China plane, Öl für den Aufbau der strategischen Reserven zu kaufen, sorgten für eine starke Erholung des Ölpreises in der zweiten Wochenhälfte.

In China lassen Anzeichen dafür, dass sich das Coronavirus schon bald eindämmen lässt, die Hoffnung aufkommen, dass das Schlimmste demnächst überstanden ist. Einige Unternehmen haben bereits zu den Aussichten für die Zeit nach der Krise Stellung genommen. ASML erwartet momentan keinen Einbruch der Nachfrage. Das Unternehmen hat zwar die Umsatzprognosen für das laufende Quartal nach unten korrigiert, rechnet aber damit, diesen Rückgang in den kommenden Quartalen auszugleichen.

Anleihen: Erholung in extrem volatilen Märkten 

Vergangene Woche verzeichnete der Anleihemarkt eine gewisse Erholung, nachdem die EZB ein Pandemie-Notfallkaufprogramm im Umfang von EUR 750 Mrd. angekündigt und die US-Regierung ein massives Rettungsprogramm im Wert von USD 2 Billionen aufgelegt hatte. Trotzdem bleiben die Finanzmärkte extrem volatil und verzeichnen seit Jahresbeginn (YTD) eine schwache Performance.  

In diesem sehr unsicheren Umfeld haben Staatsanleihen von Kernländern kaum ihre Rolle als sichere Häfen übernommen – mit Ausnahme amerikanischer Staatsanleihen, die seit Jahresbeginn eine Gesamtrendite von 8 % verzeichnen.

Investment-Grade-Anleihen (IG-Anleihen) haben sich zwar etwas erholt, aber gerade die europäischen Titel dieses Segments verzeichnen mit -6,2 % seit Jahresbeginn eine erschreckend schlechte Performance. Amerikanische IG-Titel, die stärker von der Ankündigung des Rettungsprogramms profitiert haben, konnten ihre Verluste seit Jahresbeginn von -10,5 % vor zehn Tagen auf nunmehr -4,3 % reduzieren.

Auch der Hochzinsmarkt (High Yield, HY) hat von den fiskal- und geldpolitischen Ankündigungen profitiert: Europäische HY-Anleihen verringerten ihre Verluste im Zeitraum seit Anfang des Jahres auf -14,7 % und liegen damit 5 % besser als zum Tiefpunkt des Jahres, während US-Hochzinsanleihen ihre Performance um 7,5 % auf -13,2 % (YTD) verbessert haben. 

Doch auch wenn dies ermutigend erscheinen mag, bleiben die weltweiten Hochzinsmärkte doch sehr illiquide, und die Investoren machen sich Sorgen, weil die Zentralbanken dieser Anlageklasse keine explizite Unterstützung versprochen haben. Das monatliche Volumen an Neuemissionen von Hochzinstiteln war im März so niedrig wie seit Dezember 2018 nicht mehr.

Angesichts des Ausmaßes der aktuellen Krise entfalten derzeit in Europa und in den USA weder weiche noch harte Daten, die veröffentlicht werden oder zur Veröffentlichung anstehen, eine besonders große Wirkung. Die Märkte interessiert viel mehr, wie Zentralbanken und Regierungen die Wirtschaft unterstützen und auf die „Zeit danach“ vorbereiten können. Doch genau dies bleibt leider die große Unbekannte in der Gleichung. Aufmerksamkeit schenken die Investoren aber auch Publikationen aus Asien (weil dort das Schlimmste der Pandemie vorüber zu sein scheint), denn daraus könnten sich ein zeitlicher Rahmen für das Überwinden der Pandemie und das zu erwartende Tempo der konjunkturellen Erholung ableiten lassen.  

Die Volatilität und die Illiquidität der Märkte sprechen für einen vorsichtigen Investmentansatz. Daher haben wir vorerst keine Änderungen an unserer aktuellen Anleiheallokation vorgenommen.   

Stabilisierung in China

In China scheint das Schlimmste der Coronakrise vorüber zu sein und die Wirtschaft wieder anzulaufen. Die vergangene Woche veröffentlichten offiziellen Daten für den Fertigungssektor zeigen eine drastische Verbesserung. So stieg der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Fertigungsindustrie von einem Allzeittief (35,7), das im Februar erreicht wurde, im März auf 52,0. Der Dienstleistungs-PMI, der im Februar sogar noch stärker einbrach, weil Chinas Dienstleistungssektor das Epizentrum des Corona-Schocks war, schnellte auf 52,3 zurück (nach 29,6 im Februar und 54,1 im Januar). 

Dass diese Indikatoren im Februar dermaßen stark einbrachen, liegt daran, dass die extremen Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus das Wirtschaftsleben zum Erliegen gebracht hatten und auch die Nachfrage dadurch eingebrochen war. Da sich diese Maßnahmen zumindest im internationalen Vergleich als wirksam erwiesen haben, konzentriert sich die chinesische Regierung seit Ende Februar darauf, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Selbst die Provinz Hubei und ihre Hauptstadt Wuhan (wo das Virus ausgebrochen war und sowohl die Infektions- als auch die Todeszahlen am höchsten und die Sicherheitsmaßnahmen am strengsten gewesen waren) hat die Schließungen allmählich wieder aufgehoben, wenngleich bestimmte Beschränkungen nach wie vor gelten.

Wir rechnen damit, dass das chinesische BIP nach einem schwachen ersten Quartal im zweiten und dritten Quartal dieses Jahres drastisch steigt.  Diese Erwartung fußt zum Teil auf unserer Annahme, dass Peking die geldpolitische und fiskalische Lockerung ausweitet. Allerdings sind unsere Wachstumsprognosen für China und alle anderen Länder mit einer ungewöhnlich hohen Unsicherheit behaftet. Dies hat mit den Besonderheiten dieser Krise und den extremen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen sowie mit den außergewöhnlichen geldpolitischen und fiskalpolitischen Unterstützungsplänen zu tun, die weltweit entwickelt werden. …


Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Toa55 / Shutterstock.com

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