Wochenkommentar: Aktienmärkte legen Verschnaufpause ein

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Nachdem die Aktienmärkte neue Allzeithochs erreicht hatten, gingen sie im Verlauf der vergangenen Woche etwas zurück. Die Investoren legten eine Verschnaufpause ein, nachdem Gerüchte aufgekommen waren, dass die teilweise Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China vielleicht doch nicht bis Ende 2019 zustande kommt. Die Zölle zum Teil wieder zurückzunehmen, ist für die chinesische Seite offenbar ein sehr wichtiger Bestandteile einer Einigung, für die USA aber (noch) nicht so einfach.

Saudi-Aramco, der weltgrößte Ölkonzern gab am Montag die Preisspanne für seinen geplanten Börsengang bekannt. Der geschätzte Wert von zwischen USD 1,5 und 1,7 Billionen (!) lag am unteren Ende der Erwartungen und wurde unter Umständen von der laufenden Energiewende beeinflusst. Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass die weltweite Ölnachfrage aufgrund effizienterer Autos und Elektrofahrzeuge ab 2030 nicht mehr weiter steigen wird.

Unterdessen ist die Berichtssaison für das dritte Quartal fast zu Ende gegangen, und die Ergebnisse liegen im Allgemeinen etwas über den gesenkten Erwartungen. Die Vorgaben der Unternehmen für die kommenden Quartale lassen sich vielleicht am besten als vorsichtig optimistisch bezeichnen, immer vorausgesetzt, dass die geopolitischen Schwierigkeiten nicht ausarten.

Die US-Handelskonzerne Home Depot, Kohl's und Macy's überraschten mit unter den Erwartungen liegenden Geschäftszahlen, während Lowe's und vor allem Target die Prognosen übertroffen haben. Positionierung und Marktstrategie sind im Einzelhandel nach wie vor entscheidend und können bei den Geschäftszahlen einen riesigen Unterschied bedeuten. Unterdessen scheint der europäische Luxusgüterkonzern LVMH ein Auge auf Tiffany geworfen zu haben, um sein bereits beeindruckendes Portfolio an Luxusmarken weiter auszubauen.

Anleihen: Die Politik gibt den Ton an

Die Stimmung der Investoren wird nach wie vor stärker von den (geo)politischen Geschichten bestimmt als von den Fundamentaldaten, die im Großen und Ganzen nicht allzu schlecht sind.

In dieser Hinsicht liegt der Fokus aktuell auf dem guten US-Konsum, der – so hoffen die Investoren – nicht einknickt. Dennoch werden Trumps Umfragewerte im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl im Herbst 2020 in den kommenden zwölf Monaten die Großwetterlage an den Finanzmärkten bestimmen. Entsprechend ist davon auszugehen, dass sich die US-Notenbank Fed zurückhält und die Unsicherheit genau im Auge behält. Sie weiß, dass das letzte Mal nicht Trump gewonnen, sondern Hillary Clinton verloren hat. Deshalb kehrte sie offiziell zu ihrer datengestützten Haltung zurück.

In der Folge dürfte die Rendite auf 10-jährige US-Staatsanleihen (Treasuries), die nach gewissen Fortschritten im chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt und angesichts der sinkenden Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits jüngst wieder gestiegen ist, innerhalb ihrer breiteren Handelsspanne bleiben, die um die Marke von 2 % nach oben begrenzt wird.

In Deutschland gibt es bei Bundesanleihen aus technischer Sicht kurzfristig Raum für einen neuerlichen Rückgang der Renditen. Allerdings besteht ein kleines, aber nicht zu vernachlässigendes Risiko im Hinblick auf den SPD-Parteitag vom 6. bis zum 8. Dezember. Es halten sich Bedenken, dass die aktuelle Koalition nicht mehr allzu lange Bestand hat, nachdem die SPD seit dem Sommer bei nahezu jeder Regionalwahl schlecht abgeschnitten hat und ihre Organisation vorsichtig umgestaltet. Einen deutlichen Anstieg der Renditen sehen wir indes vorerst nicht, weil die Zentralbanken weiterhin konsequent Unterstützung bieten und die Inflationserwartungen nach wie vor niedrig sind.

In den europäischen Peripherieländern sind die Renditeaufschläge gestiegen, vor allem in Italien. Dies zeigt, dass dort die politische Lage immer noch wackelig ist und die Flitterwochen für die neue Regierung vorüber sind. Die jüngsten Regionalwahlen in Umbrien könnten als Indikator für die weitere Entwicklung gelten. Wir bleiben vorsichtig und behalten die Situation genau im Auge, unter anderem auch die beiden Regionalwahlen, die im Januar 2020 in Emilia-Romagna und in Kalabrien stattfinden. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Thaiview / Shutterstock.com

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