Wochenkommentar: ZEW-Barometer zeigt Optimismus an

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Wenn man dem ZEW-Konjunkturbarometer glauben darf, haben sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft etwas aufgehellt. Demnach ist zu erwarten, dass das Wachstum im zweiten Halbjahr 2019 anzieht. Da die Verbesserung aber moderat ausfallen dürfte, zeigen die Prognoserisiken für Europas größte Volkswirtschaft unseren Ökonomen zufolge immer noch nach unten.

Der ZEW-Geschäftsklimaindex (der die Erwartungen für die deutsche Konjunktur für die kommenden sechs Monate misst) ist im April gestiegen. Das Barometer (das Verschlechterungsprognosen von Verbesserungsprognosen subtrahiert) stieg von -3,6 im März auf +3,1 im April und lag damit das erste Mal seit März 2018 im positiven Bereich. Eine Veränderung des ZEW-Indikators signalisiert in der Regel recht zuverlässig einen Wendepunkt des Konjunkturzyklus in Deutschland; die Tatsache, dass das Barometer jetzt wieder in den positiven Bereich gedreht hat, lässt darauf schließen, dass die deutsche Wirtschaft das Schlimmste hinter sich hat. Unsere Volkswirte gehen davon aus, dass die expansive Kursänderung der wichtigsten globalen Zentralbanken die Voraussetzungen für eine Verbesserung des Welthandels im zweiten Halbjahr geschaffen hat, und dies dürfte auch das Wachstum in Deutschland wieder steigen lassen. Unsere Ökonomen rechnen allerdings eher mit einer leichten als einer drastischen Verbesserung von Welthandel und Industrie, denn die geldpolitische Lockerung fällt im historischen Vergleich moderat aus. Zudem wirken geldpolitische Veränderungen mit einer langen zeitlichen Verzögerung und unterschiedlich stark. Deshalb zeigen die Risiken für Deutschlands Wirtschaft immer noch nach unten.

Aktien: ein erster Eindruck der Berichtssaison

Nachdem die ersten Unternehmen ihre Geschäftszahlen für das erste Quartal vorgelegt haben, können wir auf der Grundlage dieser Daten erste Schlussfolgerungen ziehen. Bei den Unternehmen des S&P-500-Index sind die Umsätze bislang durchwachsen ausgefallen, aber beim Gewinn je Aktie haben die meisten Unternehmen die Erwartungen übertroffen. Dies liegt zu einem guten Teil an Rückkaufprogrammen (durch Aktienrückkäufe sinkt die Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien, sodass der Gewinnanteil pro Aktie steigt).

In Europa spielen Aktienrückkäufe keine so große Rolle, weil solche Programme bei europäischen Unternehmen seltener zum Einsatz kommen. Bislang haben erst wenige europäische Unternehmen Zahlen vorgelegt, aber davon hat die Mehrzahl (60 %) die Gewinnerwartungen nicht erfüllt.

Nach der vorangegangenen Berichtssaison hatten wir den Eindruck, dass die Unternehmen für das Gesamtjahr optimistischer sind als für das erste Quartal. Für das Gesamtjahr rechnen viele Unternehmen mit einer Verbesserung. Deshalb konzentrieren sich die Investoren vor allem auf den Ausblick der Unternehmen.

Wenn wir davon ausgehen, dass die Ergebnisse für das Gesamtjahr tatsächlich sehr positiv ausfallen, stellt sich die Frage, ob dies am Markt bereits eingepreist ist. Dafür spricht unter anderem, dass der S&P 500 seit Jahresbeginn rund 16 % gestiegen ist und sich in der Nähe seines Allzeithochs bewegt. Dagegen spricht unter anderem, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 mit 19 immer noch unter dem Anfang 2018 erreichten Hoch von 23,4 liegt. Bei den europäischen Unternehmen zeigt sich ein mehr oder weniger ähnliches Bild: Der EuroStoxx 600 Index liegt nicht allzu weit von seinem Hoch entfernt, aber die Bewertungen erscheinen nicht übermäßig hoch. Das heißt, die Investoren haben keine klaren Anhaltspunkte für die weitere Entwicklung.

Wir gehen davon aus, dass wir 2019/2020 ein Umfeld mit schwächerem Wachstum haben werden, wobei kurzfristig Risiken bestehen (zum Beispiel im Zusammenhang mit den Handelsgesprächen). Deshalb verfolgen wir aktuell eine neutrale Aktiengewichtung.

Anleihen: Negative Renditen? Nein, danke.

Die Weltwirtschaft durchlief zum Jahreswechsel eine ausgeprägte Schwächephase. Die Finanzmärkte reagierten als erstes, aber die Zentralbanken zogen schnell nach. Ihr Schwenk hin zu einer expansiveren Geldpolitik sowie erste Anzeichen für eine gewisse Widerstandsfähigkeit der Konjunktur (vor allem im Dienstleistungssektor) und für einen neuerlichen Aufschwung im Fertigungssektor haben dazu beigetragen, die Risikoscheu wieder sinken zu lassen.

Wir befinden uns weiterhin in einem Niedrigzinsumfeld, in dem viele hochwertige Staatsanleihen negative Renditen aufweisen (rund 45 % des Barclays-Euro-Aggregate-Index). Diese Titel sind in unseren Augen nicht sonderlich attraktiv (selbst Geldmarktanlagen sind attraktiver). Deshalb behalten wir in diesem Marktsegment unsere Untergewichtung bei. Stattdessen konzentrieren wir uns auf Unternehmensanleihen sowie Staatsanleihen der europäischen Peripherie, die nach wie vor positive Renditen bieten. Dabei sind wir uns bewusst, dass hier nach wie vor politische Risiken bestehen, die diesen Positionen schaden können. Dazu gehört eine populistische Regierung in Italien, der Brexit und ein potenzieller Handelskrieg, der auf Europa zukommen könnte. Da wir aber nicht davon ausgehen, dass diese Risiken tatsächlich eintreten, dürften diese Positionen unserer Einschätzung nach im aktuellen Umfeld mit niedrigen Zinsen und geringer Inflation eine relativ gute Wertentwicklung bieten. 

Außerdem sind inflationsgesicherte Anleihen infolge der sinkenden Ölpreise vergangenes Jahr überaus billig geworden. Gegen eine schnelle Erholung spricht hier allerdings, dass die Zentralbanken damit zu kämpfen haben, sinkende Inflationserwartungen zu verhindern. Im Gegensatz zu unserer negativen Haltung gegenüber hochwertigen Anleihen beurteilen wir das Anleiheuniversum mit höheren Renditen positiver. Hier geben wir Schwellenmarktanleihen den Vorzug vor Hochzinsunternehmensanleihen, weil die Fundamentaldaten und die Wachstumsraten in diesen Ländern relativ gut sind. ...

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: lazyllama / Shutterstock.com

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