Wochenkommentar: Wie die Zentralbanken ihre Tonart geändert haben

Aktuelle Nachricht -

Der US-Dollar erreichte am Mittwoch ein 14-Monats-Tief, nachdem die US-Notenbankchefin Janet Yellen etwas deutlicher einräumte, dass die Inflation unter der Zielmarke liegt. Wir rechnen damit, dass die Fed ihre nächste Zinserhöhung bis Dezember 2017 hinauszögert.

Die Renditen auf Staatsanleihen waren in den vergangenen Wochen hin- und hergerissen zwischen anhaltend niedrigen Inflationszahlen, insbesondere in den USA, und anhaltend guten Wachstumszahlen, vor allem außerhalb der USA. Notenbanken in aller Welt haben sich inzwischen der veränderten Tonart angeschlossen, die EZB-Präsident Mario Draghi Ende Juni beim EZB-Forum in Sintra (Portugal) etabliert hatte. Momentan gehen die Märkte davon aus, dass Wachstum vorliegen muss, damit die Zentralbanken ihre Bilanzen normalisieren, während höhere Zinsen der Inflation entgegenwirken würden. Deshalb preisen die Märkte in Europa zunehmend eine Rückführung des Anleihekaufprogramms ein, während sie in den USA ihre Erwartungen an weitere Zinserhöhungen dämpfen.

EZB und Fed konnten den Märkten diese Botschaft bei ihren letzten Sitzungen in geordneter Art und Weise beibringen und eine überzogene Marktreaktion vermeiden. Draghi sagte explizit, das Letzte, was sie wollen, sei eine unangemessene Verschärfung der finanziellen Rahmenbedingungen, weder über die Zinsen noch über die Wechselkurse. Die Aussicht auf eine Rückführung des Anleihekaufprogramms in Europa hat die europäischen Renditen steigen lassen, ganz besonders aber die von deutschen Staatsanleihen. Die Renditeabstände von Staats- und Unternehmensanleihen aus Peripherieländern sind in den vergangenen Wochen deutlich kleiner geworden, während die Inflationserwartungen gestiegen sind, unter anderem getrieben von höheren Ölpreisen. In den USA steigen die Renditen nach wie vor weniger schnell als in Europa; dies liegt an weniger positiven Entwicklungen bei Inflation, Wachstum und Politik, welche ebenso dem Wert des US-Dollars schaden.


Makro-Update
Die Federal Reserve ließ die Zielspanne für die Federal Funds Rate, den Leitzins in den USA, am Mittwoch erwartungsgemäß unverändert. Die wesentliche Veränderung der Mitteilung der Fed war ein Signal dafür, dass die US-Notenbank in unmittelbarer Zukunft mit der Verkürzung ihrer Bilanz beginnen wird. Voraussetzung ist, dass sich die Wirtschaft weitgehend so wie erwartet entwickelt, heißt es in der Mitteilung. Das letzte Mal (im Juni) hatte es noch geheißen, die Fed plane „dieses Jahr“ mit diesem Prozess zu beginnen. Wir rechnen damit, dass die Fed bei ihrer nächsten Sitzung im September ankündigt, wann es losgeht. Der größte Unsicherheitsfaktor bei dieser Einschätzung liegt in der Unsicherheit, die durch einen Stillstand im Zusammenhang mit der Schuldenobergrenze für die US-Regierung entstehen und die Entscheidung verzögern könnte.
 
Im Rest der Mitteilung gab es kaum Änderungen. Die Federal Reserve hat ihre Beschreibung der Arbeitsmarktentwicklung etwas optimistischer gestaltet und nicht mehr erwähnt, dass das Stellenwachstum moderater geworden sei. Angesichts der jüngsten Zahlen zum Stellenwachstum außerhalb des Agrarsektors ist das kein Wunder. Überraschender ist, dass die Fed trotz des anhaltenden Rückgangs der Kerninflation bei ihrer optimistischen Inflationseinschätzung geblieben ist. Sie bekräftigte weiterhin: „Auf kurze Sicht wird die Teuerung auf 12-Monats-Basis etwas unter 2 % bleiben, mittelfristig wird sie sich aber in der Nähe der vom Ausschuss angestrebten Marke von 2 % stabilisieren.“ Die Fed wiederholte, der Ausschuss behalte die Inflationsentwicklung genau im Auge. Fed-Chefin Janet Yellen signalisierte in ihrem jüngsten Bericht vor dem US-Kongress jedoch keinerlei Unsicherheit in Bezug auf den Inflationsausblick.
 
Wir rechnen damit, dass die Fed ihre nächste Zinserhöhung bis Dezember 2017 hinauszögert und eventuell noch länger wartet, denn es könnte länger dauern, bis sich die Kerninflation erholt. Für das nächste Jahr rechnen wir mit zwei Zinserhöhungen.
 

Aktienmarkt-Update
Die Aktienmärkte blieben in der vergangenen Woche zunächst in einer positiven Stimmung. In den USA bewegten sich die Leitindizes in der Nähe ihrer Höchststände, der S&P 500 markierte sogar einen neuen Rekord. In Europa setzte der STOXX Europe 600 ebenfalls seinen Aufwärtstrend fort, weil positive Unternehmenszahlen schwerer wogen als die Sorge wegen der jüngsten Aufwertung des Euros. Zum Ende der Woche kamen aber die Kurse europäischer Aktien unter Druck, so dass im Wochenergebnis ein kleines Minus zu verzeichnen war. Die Mitteilung der Fed, sie werde ihren politischen Kurs nur allmählich ändern, beruhigte die Märkte. Energieaktien profitierten von höheren Ölpreisen, denn die Nordseesorte Brent stieg auf rund USD 50, nachdem bekannt geworden war, dass Saudi-Arabien das Angebot reduzieren will.
 
Jetzt konzentrieren sich die Aktienmärkte in erster Linie auf die Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Rund ein Drittel aller Unternehmen hat bereits Zahlen vorgelegt, die im Großen und Ganzen positiv ausfielen. Bis jetzt konnten nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters 60 % der Unternehmen die Erwartungen erfüllen oder übertreffen. Die Ausblicke und Planvorgaben der Manager sind ermutigend und bestätigen das erwartete Gewinnwachstum; das ist einer der Gründe für unsere positive Einschätzung von Aktien. ...
 

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: Orhan Cam / Shutterstock.com

Diesen Artikel empfehlen

Was können wir für Sie tun?

Kontaktieren Sie uns.