Wochenkommentar: Wachstumsfreundliche Verknappung

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Die Europäische Zentralbank stand vergangene Woche im Mittelpunkt: Die Märkte suchten nach Hinweisen auf die nächsten Schritte der Notenbank.

In einer Pressekonferenz nach der EZB-Sitzung am Donnerstag sagte Präsident Mario Draghi, die EZB wolle die expansive Geldpolitik beenden, ohne Verwerfungen an den Finanzmärkten zu verursachen. Sonst könnte es an den Märkten nämlich zu einer deutlichen Verschärfung der finanziellen Rahmenbedingungen kommen, und der Ausblick für Wirtschaftswachstum und Inflation könnte sich verschlechtern. Die EZB ist sich bewusst, dass jegliche Form der geldpolitischen Verknappung in einem Tempo stattfinden muss, das die Wirtschaft gut verkraftet. 

Unser Basisszenario sieht vor, dass die EZB im Januar 2018 mit der Rückführung der Anleihenkäufe beginnt und diesen Schritt bei ihrer Ratssitzung im September ankündigt. Draghis Pressekonferenz von vergangener Woche stieß an den Finanzmärkten auf ein geteiltes Echo. Die Renditen auf deutsche Staatsanleihen fielen, und der Renditeabstand von Peripherieländeranleihen zu deutschen Staatspapieren verkleinerte sich erheblich. Die Devisenmärkte blieben hingegen unbeeindruckt: Der Euro wertete auf. 


Anleihemarkt-Update 
Der Grundton der jüngsten EZB-Sitzung blieb wie erwartet expansiv, und die Geldpolitiker lieferten praktisch keine Hinweise darauf, wann der Abbau der monatlichen Anleihenkäufe beginnt. Vielleicht wollte EZB-Präsident Draghi eine Marktreaktion wie nach seiner Rede im Juni vermeiden. Tatsache ist aber, dass der EZB die für das Kaufprogramm infrage kommenden Anleihen ausgehen. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Notenbank bei der nächsten Sitzung im September einen wie auch immer gearteten Abbau des Kaufprogramms bekannt gibt. 

Kurzfristig rechnen wir damit, dass die Federal Reserve in den USA beginnt, Anleihen zu verkaufen, und die EZB anfängt, ihre Anleihekäufe zu verkleinern. Die Normalisierung wird allmählich und langsam ablaufen. Die überregionalen Kapitalströme werden nicht unterbrochen werden, denn sowohl in den USA als auch in Europa werden die geldpolitischen Rahmenbedingungen restriktiver werden, und Anleiheinvestoren werden sich nirgends vor dieser Entwicklung verstecken können. ...
 

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: Tobias Arhelger / Shutterstock.com

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