Wochenkommentar: Wachstum bleibt zurück

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Faktoren, die die Marktstimmung lasten, häufen sich. Dazu gehören die Angst vor einem Handelskrieg, Sorgen um eine konjunkturelle Abkühlung in China, die Folgen der neuen Regierung in Italien und eine Abwertung von Schwellenmarktwährungen. Zudem geht die „Schwächephase“ der Eurozone, die sich an den Fertigungszahlen und am Wirtschaftswachstum zeigt, weiter.

So signalisieren zum Beispiel der Ifo-Geschäftsklima-Index in Deutschland und die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone eine Schwäche des Industriesektors, die sich im dritten Quartal fortsetzen dürfte. Allerdings lässt das Tempo des Rückgangs dieser Indikatoren nach; dies deutet darauf hin, dass der stärkste Teil der konjunkturellen Abschwächung bereits hinter uns liegt.

Für ABN AMRO Group Economics war die aktuelle Schwäche des Fertigungssektors vergangene Woche Grund genug, die Wachstumsprognose für die Eurozone nach unten zu korrigieren. Für 2018 rechnen wir im Euroraum jetzt mit einem Wachstum von 2,2 %; dies ist eine deutliche Senkung der bisherigen Prognose von 2,8 %. Die Wachstumsschwäche dürfte sich auf den Fertigungssektor und auf die Exporte konzentrieren, während sich die Binnennachfrage in der Eurozone nach wie vor stark zeigt. Ebenso ist die Prognose für den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) von September 2019 auf Dezember 2019 verschoben worden. Die Ursachen dafür liegen zum einen in der jüngsten Kommunikation der EZB und zum anderen daran, dass die Inflation unter dem von der Zentralbank angestrebten Ziel bleiben dürfte. 

Da für das kommende Jahr keine Zinserhöhungen der EZB eingepreist sind, rechnen wir nicht mit großen Auswirkungen auf die Renditen von Anleihen mit kürzeren Laufzeiten. Die Renditen auf fünf- und zehnjährige deutsche Staatsanleihen dürften in den nächsten drei Monaten jedoch sinken. Die unterschiedlichen Risiken, die nach wie vor bestehen, etwa ein weiterer Anstieg des Bonitätsrisikos des italienischen Staats oder protektionistische Maßnahmen, könnten zu einem Abflachen der Renditekurve beitragen. Wenn im Lauf des Jahres das Wachstum wieder anzieht und die Risiken etwas nachlassen, dürften die Renditen auf zehnjährige Bundesanleihen bis zum Jahresende auf 40 Basispunkte steigen.

Die US-Wirtschaft konnte die Schwäche, die in Europa und andernorts zu beobachten ist, dank fiskalischer Unterstützung vermeiden. So hat sich an den Prognosen für das Wachstum, die Inflation, die Geldpolitik und die Anleiherenditen in den USA nichts geändert. Die US-Wirtschaft dürfte dieses Jahr 3 % wachsen. 

Alles in allem bleibt die Einschätzung bestehen, dass das globale Wachstum angemessen, die Inflation ungefährlich und das Handeln der Zentralbanken relativ gut vorhersehbar sind. Die Prognosen gehen immer noch davon aus, dass die Weltwirtschaft 2018 über dem Trend wächst, allerdings ist das Tempo etwas niedriger als noch zu Beginn des Jahres erwartet.

Drohender Handelskrieg & höhere Ölpreise

Die Aktienmärkte litten in der vergangenen Woche unter einer Eskalation der Spannungen im internationalen Handel. Die Indizes Nasdaq und Hang Seng wurden von der protektionistischen Rhetorik des US-Präsidenten am härtesten getroffen. Auch der deutsche Aktienindex DAX, in dem die Sektoren Autobau und Industrie stark vertreten sind, ist gefallen. In China (ohne Hongkong) belastete weiterhin ein tiefgreifendes Unbehagen die Märkte. Der Benchmark-Index in Schanghai verlor in nur fünf Monaten 20 %. 

Nur für den Energiesektor verlief die Woche positiv.  Der Ölpreis ist auf den höchsten Stand seit einem Monat gestiegen, weil die Forderung der USA, Irans Kunden sollten ihre Importe aus diesem Land stoppen, schwerer wog als Saudi-Arabiens Versprechen, die Produktion zu erhöhen. Am Mittwoch meldeten die USA unter den Erwartungen liegende Rohölbestände; dies ließ den Preis für WTI-Öl über die Marke von USD 72,50 und damit über das Drei-Jahres-Hoch vom Mai steigen.  

Risikoprämien steigen an

Die Risikoprämien auf italienische Staatsanleihen sind vergangene Woche zwischenzeitlich erneut gestiegen, als die Märkte an das Fiskalprogramm der neuen Regierung erinnert wurden. Regionalwahlen am vorletzten Wochenende bestätigten den Anstieg der Populisten in den Umfragen; das gilt insbesondere für die Anti-Migrations-Partei. Die Renditeaufschläge auf italienische Anleihen dürften weitgehend zwischen 2 und 3 % gehandelt werden, wobei das Risiko weiterer Spitzen besteht, solange diese Regierung an der Macht ist und vor allem dann, wenn die Haushaltspolitik in den Mittelpunkt rückt. 

In den meisten Schwellenländern sorgten geopolitische Faktoren, landesspezifische Entwicklungen und Kapitalabflüsse für restriktivere Finanzierungsbedingungen. Die Risikoprämien auf Staatsanleihen aus Schwellenländern sind jetzt auf das gleiche Niveau gestiegen wie die auf US-Hochzinsanleihen. Sollten die Spreads von Schwellenländeranleihen weiter steigen, könnten wir dies als Chance betrachten, in eines oder mehrere Segmente von Schwellenmarktanleihen zu expandieren. In harten (Industrieländer-)Währungen denominierte Staats- und Unternehmensanleihen sind naheliegende Optionen, aber auch Anleihen in lokalen Währungen könnten infrage kommen …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: aboikis / Shutterstock.com

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