Wochenkommentar: Vorsicht überwiegt

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Die Märkte sind unentschlossen angesichts eines stetig steigenden Trends bei den Infektionszahlen in den USA und neuerlicher lokaler Lockdown-Maßnahmen. Hinzu kommen die Spannungen zwischen den USA und China, die den Investoren ebenfalls auf die Stimmung drücken und eine weitere Quelle kontinuierlicher Unsicherheit sind. Nach vorsichtigem Optimismus Anfang letzter Woche überwog zu Wochenschluss die Besorgnis.

Abgesehen von Corona und der Angst vor einem Handelskrieg konzentrierten sich die Investoren auf die Geschäftszahlen der Unternehmen. Bislang sind die Gewinne relativ gut ausgefallen, zumindest gemessen an den recht niedrigen Erwartungen. Einige amerikanische Investmentbanken hatten positive Überraschungen zu vermelden – eine Beobachtung, die wir bereits in unserem vorangegangenen Kommentar gemacht hatten und die die Ende der Vorwoche vorgelegten Geschäftszahlen bestätigen. 

In Europa blieb das am Donnerstag veröffentlichte Ergebnis des Automobilherstellers Daimler hinter den Erwartungen zurück. Der Umsatz lag hingegen über den Erwartungen. Unter den aktuellen Marktbedingungen noch wichtiger ist aber der ermutigende Ausblick des Autobauers für die zweite Jahreshälfte. Was Daimler und anderen großen Akteuren im Automobilmarkt geholfen hat, ist das Potenzial für umfangreiche Kostenersparnisse, das bis zum Ende des Jahres ein positives Ergebnis und einen positiven Cashflow in Aussicht stellt. Dieser positive Ausblick führte dazu, dass der „EUROSTOXX Automobiles & Parts“-Index gestiegen ist, was die Hoffnung auf eine Besserung in den von der Pandemie besonders gebeutelten Sektoren unterstützt hat. 

Unternehmen in Sektoren, die in der aktuellen Krise in den Augen der Investoren besser abschneiden, etwa Gesundheit und IT, haben ihr Potenzial unter Beweis gestellt, die Erwartungen immer noch zu übertreffen. 

Trotz der recht optimistischen Stimmung der Investoren während der ersten vollen Berichtssaison seit dem Ausbruch von Covid-19 scheint die positive Marktreaktion mehr auf der Hoffnung auf eine schnelle konjunkturelle Erholung zu basieren als auf einer Lösung der zugrunde liegenden Krisenursache. Da die Infektionstrends weltweit uneinheitlich sind und völlig unklar ist, wann mit einem Impfstoff zu rechnen ist, dürfte uns eine gewisse Unsicherheit vorerst weiter begleiten. 

Anleihen: Die Ruhe vor dem Sturm im August?

Die Spannungen zwischen den USA und China dürften bis zur amerikanischen Präsidentschaftswahl Anfang November nicht nachlassen. Die Schritte der US-Regierung sind im Vorfeld der Wahl noch stärker politisch motiviert, auch um von  Problemen im Inland abzulenken, zum Beispiel von der anhaltenden Ausbreitung des Coronavirus.

Obwohl die Arbeitslosigkeit seit der Lockerung der Lockdown-Maßnahmen schnell zurückgegangen ist, scheint sich die Erholung des Arbeitsmarkts abzukühlen. In absoluten Zahlen ist die Arbeitslosigkeit immer noch sehr hoch. Nach der Finanzkrise von 2008 war ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Auch damals gingen die Anträge auf Arbeitslosenunterstützung zurück, aber die Arbeitslosenquote blieb hoch. 

 

Da es weiterhin Grund zur Sorge gibt, bleiben auch die Renditen auf US-Staatsanleihen mehr oder weniger auf dem aktuellen Niveau. Technisch betrachtet könnte die Rendite auf 10-jährige Treasuries in den kommenden Tagen in der Nähe der starken Unterstützungszone zwischen 0,59 % und 0,54 % liegen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sie diese Unterstützung durchbricht, denn der August ist seit vielen Jahren der volatilste Monat an den Rentenmärkten. ...

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: dwphotos / Shutterstock.com

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