Wochenkommentar: Vorerst entspannt

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Nun, da die Präsidentschaftswahl in Frankreich hinter uns liegt und die Berichtssaison für das erste Quartal zu Ende geht, scheinen die Märkte etwas Zeit zu haben, sich zu entspannen.

Anleihemarkt-Update
Nach dem Tief bei 2,16 % im April sind die Renditen für 10-jährige US-Treasuries inzwischen wieder in ihre Handelsspanne zwischen 2,30 % und 2,60 % zurückgekehrt, wo sie zwischen November und März waren. Bei den 2-jährigen Treasuries wird der Druck größer, denn der Markt erwartet bei den Sitzungen der Federal Reserve (Fed) im Juni und im September weitere Zinserhöhungen. Das entspricht auch unserer Einschätzung. 10-jährige Bundesanleihen werden momentan mit 0,43 % gehandelt und bewegen sich nach wie vor in der Spanne zwischen 0,15 % und 0,50 %, die im Januar etabliert wurde. 

In den vergangenen sechs Monaten war die französische Politik der wichtigste Faktor für die Renditeaufschläge bei den Staatsanleihen der meisten Peripherieländer der Eurozone: Spanische Papiere wurden mit einem Risikoaufschlag von 119 Punkten gehandelt, italienische mit 185 Punkten. Jetzt dürften andere Faktoren in den Mittelpunkt rücken, etwa gesamtwirtschaftliche Entwicklungen, die EZB-Politik und lokale politische Risiken. 

Der Markt scheint relativ entspannt und die Risikoaufschläge der Peripherieländer dürften in den kommenden Wochen niedrig bleiben. Im zweiten Halbjahr rechnen wir mit steigenden Spreads, weil das Ende des Anleihenkaufprogramms der EZB näher rückt. Die Märkte rechnen damit, dass der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen im Vorfeld der Wahl in Italien, die Anfang 2018 stattfinden soll, deutlich wachsen könnte. Wenn die EZB anfängt, ihre monatlichen Anleihekäufe zu reduzieren, rechnen wir mit negativen Auswirkungen für italienische Staatsanleihen, die allerdings schon in gewissem Maße eingepreist sind.

Devisenausblick
Die Erholung des britischen Pfunds (GBP) scheint vorerst ins Stocken geraten zu sein. 2016 verlor die britische Währung gegenüber einem Korb mit verschiedenen Währungen 15 Prozent an Wert. Seit Beginn des Jahres 2017 wertete das GBP um 4 % gegenüber dem US-Dollar (USD) und um 1 % gegenüber dem Euro auf. Für viele war dies überraschend, denn sie hätten erwartet, dass der Brexit das Pfund auch 2017 noch einmal deutlich abwerten lässt. Daher gab es sehr große Netto-Short-Positionen am Markt. Irgendwann waren alle Investoren, die sich für eine GBP-Schwäche in Stellungen bringen wollten, auch entsprechend am Markt positioniert. Unter diesen Umständen werden die Preise nicht mehr weiter fallen. Genau das ist dieses Jahr bisher geschehen. 

Einige Investoren haben, getrieben von über den Erwartungen liegenden Wirtschaftsdaten aus Großbritannien und der Vermutung, dass eine höhere Inflation die Bank of England zu einer restriktiveren Geldpolitik zwingen könnte, GBP-Short-Positionen glattgestellt. Dies führte dazu, dass der GBP/USD-Kurs in Richtung 1,30 stieg. Die Bank of England erfüllte die Erwartungen jedoch nicht und so geriet das GBP erneut auf breiter Front unter Druck. 

Wir betrachten diese Verkaufswelle nach der Erholung seit Beginn des Jahres als gesund. Wir rechnen damit, dass sich der GBP/USD-Kurs in den kommenden Wochen in Richtung 1,25 entwickelt, unter anderem getragen von einer Erholung des US-Dollars. Eine weitere Abschwächung der britischen Währung erwarten wir hingegen nicht. Die Investoren werden jede Schwäche des GBP als Chance nutzen, um ihre übermäßigen Short-Positionen beim Pfund glattzustellen. Deshalb könnte es soweit kommen, dass das GBP die Marke von 1,25 noch nicht einmal erreicht.   

Makro-Update
Am Mittwoch sprach EZB-Präsident Mario Draghi vor dem niederländischen Parlament. Er äußerte sich zuversichtlich zum konjunkturellen Ausblick, sagte aber, die sehr expansive Geldpolitik bleibe angemessen. Die jüngsten Wirtschaftsberichte bestätigten, dass die konjunkturelle Erholung „zunehmend solide wird und die Abwärtsrisiken weiter zurückgegangen sind“. Gleichzeitig betonte er aber, es sei noch nicht an der Zeit, auszusteigen oder über ein Ende der expansiven Geldpolitik nachzudenken. 

Wir rechnen damit, dass die EZB sich angesichts der Grenzen des Programms der quantitativen Lockerung allmählich auf ein Ende dieser Geldpolitik zubewegen wird. Unserer Einschätzung nach wird die EZB im Juni bestätigen, dass die Wachstumsrisiken ausgeglichen sind und nicht mehr nach unten zeigen, und dass die Zentralbank im Januar 2018 beginnen wird, den Umfang ihres Kaufprogramms (von aktuell EUR 60 Mrd. pro Monat) in monatlichen Schritten von EUR 10 Mrd. zurückzufahren. Damit würde das Kaufprogramm im Juni 2018 auslaufen. ...

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: Brian Shutterstock.com/McIek 

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