Wochenkommentar: Unvermindert stark

Aktuelle Nachricht -

Die Investoren hatten vergangene Woche einiges zu verdauen. Donald Trump hat den neuen Fed-Vorsitzenden bekanntgegeben, die Bank of England hat den Leitzins erhöht, S&P hat Italiens Bonitätsnote angehoben, und die Berichtssaison ist in vollem Gange. Die Aktienkurse sind weiter gestiegen.

Anleihemarkt-Update
Die Sitzung der US-Fed vom 1. November stand im Zentrum der Aufmerksamkeit der Investoren, nachdem zuvor im Wochenverlauf überwiegend gute Nachrichten zur US-Wirtschaft bekannt gegeben worden waren. So lag zum Beispiel das konjunkturelle Wachstum im dritten Quartal bei 3 % gegenüber dem Vorquartal (annualisierte Rate) und damit deutlich über den Erwartungen der Märkte. Die amerikanischen Notenbanker kündigten vergangene Woche zwar keine Zinserhöhung an, aber im Dezember dürfte eine erfolgen; darauf bereitete die Fed die Märkte deutlich vor und bezeichnete das Wirtschaftswachstum als „solide“ und nicht mehr nur „moderat“. Die Märkte taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember jetzt auf über 87 %.
 
Ein weiteres zentrales Thema war Präsident Trumps Wahl des nächsten Vorsitzenden der Federal Reserve. Trump hat Jerome „Jay“ Powell, ein aktuelles Mitglied des Board of Governors der Fed, als Nachfolger der aktuellen Fed-Vorsitzenden Janet Yellen nominiert. Powell hat Yellens expansiven geldpolitischen Kurs im Allgemeinen mitgetragen und befürwortet eine gewisse Lockerung der Regulierungsvorschriften im Bankwesen. Sofern er vom Senat bestätigt wird, übernimmt Powell im Februar 2018 den Chefposten der Fed.  
 
In Europa waren die politische Krise in Spanien und eine Anhebung der Bonitätsnote für Italien durch die Ratingagentur S&P zentrale Themen. Staatsanleihen der europäischen Peripherieländer haben weiter angezogen, und die Inflation ist in Europa weiter gesunken. Die spanische Nationalregierung in Madrid reagierte auf die Unabhängigkeitserklärung der Region Katalonien mit der Anwendung des Artikels 155 der spanischen Verfassung und hat Katalonien praktisch politisch übernommen. Gleichzeitig freute sich der Markt über die unerwartete Verbesserung der Bonitätsnote Italiens von BBB- auf BBB durch S&P. Positiv wertete die Ratingagentur zum einen den Rückgang der staatlichen Neuverschuldung als Anteil am BIP in Richtung der Zielmarke von 2,1 % und zum anderen den zügigen Verkauf notleidender Kredite der angeschlagenen Banca Monte Dei Paschi di Siena und zweier Kreditinstitute in Venetien. Der Risikoaufschlag italienischer Staatsanleihen gegenüber 10-jährigen deutschen Bundesanleihen ging von 175 auf 143 Basispunkte (Bp) zurück. S&P stufte auch italienische Banken hoch.

Makro-Update
Die Fed ließ bei ihrer Sitzung in der vergangenen Woche die Zielspanne für die Fed Funds Rate bei 1,0 % bis 1,25 %, wie weithin erwartet worden war. In der Mitteilung hieß es: „Die Situation am Arbeitsmarkt hat sich weiter verbessert und die wirtschaftliche Aktivität ist trotz der hurrikanbedingten Schwierigkeiten solide gestiegen. Die Inflation bleibt abgesehen von den Kategorien Lebensmittel und Energie jedoch schwach.“ Die amerikanischen Geldpolitiker gehen weiter davon aus, dass die Konjunktur in moderatem Tempo anzieht und sich die Arbeitsmarktbedingungen etwas weiter verbessern. Auf kurze Sicht werde die Teuerung auf 12-Monats-Basis etwas unter 2 % bleiben, mittelfristig werde sie sich aber in der Nähe der angestrebten 2-%-Marke stabilisieren. Bei den kurzfristigen Risiken für den konjunkturellen Ausblick dürften sich nach unten und nach oben gerichtete Einflussfaktoren ungefähr die Waage halten. Die Grundausrichtung der Geldpolitik bleibt expansiv. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürften sich in einer Art und Weise weiterentwickeln, die eine allmähliche Anhebung der Fed Funds Rate, des US-Leitzinses, rechtfertigt. Das im Oktober eingeleitete Programm zur Normalisierung der Zentralbankbilanz schreitet weiter voran. 
 
Die Finanzmärkte haben für Dezember eine Zinserhöhung um 25 Bp eingepreist und eine weitere im Lauf des nächsten Jahres. Die Bethmann Bank rechnet bis Ende 2018 ebenfalls mit einer allmählichen Anhebung der Federal Funds Rate (in zwei Schritten zu je 25 Bp). In Anbetracht der Stärke der US-Wirtschaft ist allerdings die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass es mehr als zwei Zinsschritte werden. Da die Fed-Mitteilung keine großen Überraschungen bereithielt, reagierten die Finanzmärkte kaum. Die Renditen auf US-Treasuries sind um ein paar Basispunkte gestiegen, was den US-Dollar gestützt hat.

Aktienmarkt-Update
Für Aktien war die vergangene Woche gut: Die weltweite Benchmark MSCI World Index legte knapp 1 % zu. Auch der Eurostoxx 600 und der S&P 500 stiegen um nahezu 1 %, getragen von der bislang guten Berichtssaison, die inzwischen bereits zur Hälfte gelaufen ist. In den USA haben rund 60 % der Unternehmen Zahlen vorgelegt, in Europa sind es 50 %, in Japan 40 %. In allen drei Wirtschaftsräumen lag das Wachstum der Gewinne je Aktie über den Erwartungen, und mehr als die Hälfte der Unternehmen meldete bessere Ergebnisse als erwartet. In den USA fielen die Gewinne sogar noch besser aus als in Europa, wenngleich beide Regionen im Durchschnitt 7 bis 10 % Gewinnwachstum vorweisen konnten. ...
 
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Foto: Orhan Cam / Shutterstock.com

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