Wochenkommentar: Uneinheitliche Entwicklung

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Nach der EZB-Sitzung vom Donnerstag fielen die Anleihekurse, und der Euro stieg gegenüber dem US-Dollar auf 1,20. An den Aktienmärkten blieb es trotz der wachsenden politischen Spannungen relativ ruhig.

Anleihemarkt-Update
Japanische Staatsanleihen (0,0 %) und US-Treasuries (2,05 %) erreichten Neun-Monats-Tiefs und zogen auch deutsche Staatsanleihen mit nach unten (0,30 %). Diese Entwicklung hat mit den Ereignissen in Nordkorea und der niedrigen Inflation in den USA zu tun. Das Wachstum der Weltwirtschaft entwickelt sich trotzdem positiv; es könnte (mit rund 3,5 %) sogar den höchsten Quartalswert seit 2010 erreichen. Das ist ein klarer Ausbruch aus der Spanne der vergangenen sechs Jahre. 

Dieses Jahr haben wir bisher eine starke Konjunktur mit niedriger Inflation erlebt. Ohne ein höheres Arbeitskräfteangebot und Produktivitätswachstum dürfte die Inflation niedrig bleiben, insbesondere in den USA. Deshalb hat der Anleihemarkt bis 2019 eine Leitzinserhöhung der amerikanischen Fed ausgepreist und konzentriert sich bis dahin in erster Linie auf die Bilanzverkürzung der Notenbank. 

Politik und Geldpolitik haben in letzter Zeit verstärkt die Aufmerksamkeit der Märkte auf sich gezogen. Neben den anstehenden Notenbanksitzungen ist Nordkorea zu einer weiteren Quelle für Volatilität an den Märkten geworden. Wir glauben, dass letztlich – und zwar schon bald – bessere Wirtschaftsdaten die Oberhand behalten und die politischen Risiken in den Hintergrund treten werden, wenngleich ein gewisses Grundrauschen bleiben dürfte.

In den USA wurde die Debatte über die Schuldenobergrenze von Oktober auf das Jahresende oder gar einen späteren Zeitpunkt verschoben. Dies könnte den bis Ende 2017 erhofften Fortschritt bei der Steuerreform in den USA negativ beeinflussen und signalisieren, dass die Regierung Trump von der Umsetzung eines der zentralen Wahlversprechen noch weit entfernt ist. 

Aktuell stützen der Optimismus der Unternehmen und der privaten Haushalte sowie die steigenden Unternehmensgewinne die Wachstumsdynamik. Das dürfte dem Markt für Unternehmensanleihen Auftrieb geben. Die Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen sind zwar gestiegen, aber sie streben auf einem etwas höheren Niveau wieder Stabilität an.

Devisenausblick
EZB-Präsident Mario Draghi versuchte bei der Pressekonferenz nach der September-Sitzung des EZB-Rats vergeblich, den Euro schwächer zu reden. Die jüngste Volatilität der Gemeinschaftswährung sei eine Quelle der Unsicherheit und die EZB behalte die Situation im Auge, sagte er. Draghi sprach auch über die Bedeutung des Wechselkurses für Wachstum und Inflation, auch wenn dies kein direktes geldpolitisches Ziel sei. Er deutete aber an, dass der Wechselkurs die Geldpolitik der Zentralbank beeinflussen könnte. Die Devisenmärkte ignorierten diese Aussagen. Der EUR/USD-Kurs stieg zügig über die Marke von 1,20. 

Damit scheinen die Devisenmarktteilnehmer der EZB zu sagen, dass sie sich von Worten nicht beeindrucken lassen. Stattdessen konzentriert sich der Markt auf die Taten der Notenbank. So korrigierte die EZB zum Beispiel die mittelfristige Inflationsprognose nur leicht nach unten, weil sie den Konjunkturausblick optimistischer beurteilt. Die Euro-Stärke scheint die Vorbereitungen der EZB auf die Ankündigung einer Rückführung der geldpolitischen Lockerung nicht zu beeinflussen. Die EZB hat Ausschüsse damit beauftragt, die Aussichten des Anleihekaufprogramms zu beurteilen, und der EZB-Rat diskutierte verschiedene Szenarien, wie es nach Dezember mit dem Programm weitergehen könnte. Draghi bereitete die Märkte darauf vor, dass der Großteil dieser Entscheidungen im Oktober getroffen werde, er ließ aber auch die Möglichkeit offen, dass die Ankündigung erst im Dezember erfolgt, falls die Vorbereitungen vorher noch nicht abgeschlossen sind.

Makro-Update
EZB-Präsident Mario Draghi stellte die Geduld der Investoren auf die Probe, indem er alle weiteren Informationen zur Zukunft des Anleihekaufprogramms bis zur nächsten Sitzung im Oktober vertagte. Ein Teil der Aussagen vom Donnerstag deutet darauf hin, dass im Oktober die Ankündigung einer Rückführung der quantitativen Lockerung wahrscheinlich ist, doch die Anleihemärkte scheinen diese Botschaft anders als die Devisenmärkte in Richtung einer expansiven Geldpolitik ausgelegt zu haben. Außerdem zeigen die Bewegungen an den Terminmärkten, dass die Investoren Zinserhöhungen bis 2019 ausgepreist haben.  .......
 

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.  


Foto:  aboikis  / Shutterstock.com

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