Wochenkommentar: Trumps Zölle bleiben verträglich

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US-Präsident Donald Trump kündigte vergangene Woche an, Importgüter aus China im Wert von USD 200 Mrd. mit einem Einfuhrzoll von 10 % zu belegen. Anfang 2019 soll der Satz auf 25 % angehoben werden. Die erste Runde bilateraler Importzölle auf Güter im Wert von USD 50 Mrd., die sowohl China als auch die USA verhängt haben, sind aus makroökonomischer Sicht nicht allzu gravierend.

Dabei verweisen unsere Ökonomen darauf, dass ein Zoll in Höhe von 10 % noch zu verkraften sei. Angesichts der normalen Schwankungen der Wechselkurse und der Preise für Einsatzgüter und angesichts des bestehenden Spielraums für Importeure und Exporteure, die Margen etwas anzupassen, ließe sich ein 10-%-Zoll als Störgeräusch ansehen, das sich nicht unbedingt nennenswert auf die bilateralen Handelsströme auswirken muss.

Unterdessen signalisieren die für August veröffentlichten Wirtschaftsdaten, dass sich die konjunkturelle Entwicklung in China stabilisiert hat. Obwohl sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen das Wachstum im August gegenüber Juli nachgelassen hat, liegen beide Werte immer noch über dem Durchschnitt von 2017. Außerdem hat Peking unabhängig vom Ausgang der weiteren Verhandlungen zwischen den USA und China bereits Maßnahmen ergriffen, um die negativen Folgen von weiteren US-Zöllen auszugleichen.

Alles in allem deuten die jüngsten Daten auf eine konjunkturelle Stabilisierung hin. Da Peking die fiskalische Unterstützung ausweitet und die chinesische Zentralbank ihre Bemühungen zum Schuldenabbau etwas anpasst, gehen unsere Volkswirte davon aus, dass die chinesische Volkswirtschaft stabil genug ist, um die Abwärtsrisiken des Handels- und Investitionskonflikts mit den USA zu verkraften. Für 2018 besteht ihrer Meinung nach sogar das Risiko, dass ihre Prognose für das jährliche Wachstum von 6,5 % zu niedrig ist.

Anleihen: Amerikanische und deutsche Staatsanleihen steigen

Die fortschreitende Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China kam zunächst Staatsanleihen zugute, weil risikoscheue Investoren die relative Sicherheit dieser Papiere suchten. Die Entwicklungen der vergangenen Woche fielen indes anders aus, weil die Eskalation dann doch nicht so schlimm war wie befürchtet. 

Ohne eine risikoscheue Stimmung führen positive Wachstumserwartungen und erste Anzeichen für Lohndruck zu steigenden Zinsen. Die Renditekurve ist steiler geworden, weil die Zinsen am langen Ende der Kurve steigen. Nächstes Jahr wird die Renditekurve unserer Einschätzung nach sehr flach werden oder sogar invers, weil wir davon ausgehen, dass die amerikanische Notenbank die Leitzinsen bis Mitte 2019 nicht über die Marke von 3 % anheben wird. Der Renditeanstieg in den USA hat auch die Anleihezinsen in Europa steigen lassen; die Rendite von Bundesanleihen ist in Richtung 50 Basispunkte gestiegen. Italien ist die Ausnahme; dort sind die Risikoprämien gefallen, nachdem bekannt geworden war, dass das Haushaltsdefizit 2019 bei rund 2 % liegen soll. Bis der Haushalt am 27. September offiziell bekanntgegeben wird, dürfte die Unsicherheit allerdings bleiben. 

Bei Unternehmensanleihen haben US-Hochzinstitel von der Risikobereitschaft profitiert, und die Risikoaufschläge sind fast so niedrig wie seit 2013 nicht mehr. Deshalb scheinen die Investoren noch nicht bereit zu sein, sich auf das Ende des US-Kreditzyklus einzustellen. Die Risikoaufschläge auf Schwellenmarktanleihen sind gleichlaufend gefallen, liegen aber immer noch rund einen Prozentpunkt über dem Tief von Februar. Zwei Entwicklungen belasten nach wie vor die Stimmung in Bezug auf Schwellenmärkte: die Handelsspannungen und die Wahl in Brasilien; unterdessen haben Argentinien und die Türkei begonnen, ihre Probleme zu lösen. 

Die Schlagzeilen scheinen Wechselkursvolatilität mit einer Krise der Schwellenländer gleichzusetzen. Doch so ein Szenario erfordert in der Regel zwei Dinge, die die Journalisten nicht berücksichtigen: eine schlechte Wirtschafts- und Geldpolitik und eine schwache Finanzierung im Inland. Diese Voraussetzungen sind in unseren Augen nicht erfüllt, auch wenn es in (manchen) Schwellenländern gewisse Probleme gibt. In Verbindung mit steigenden Renditen könnte dies Kapital in diese Anlageklasse fließen lassen. Dass vergangene Woche bei Schwellenmarkt-ETFs nach monatelangen Mittelabflüssen hohe Zuflüsse zu verzeichnen waren, signalisiert, dass inzwischen mehr Investoren das aktuelle Niveau als attraktive Gelegenheit für einen Einstieg in diese riskanten Märkte betrachten.

Aktien: Kursgewinne trotz neuer Zölle

Amerikanische und europäische Aktienindizes sind vergangene Woche gestiegen. Präsident Trumps Ankündigung von Einfuhrzöllen auf chinesische Güter im Wert von USD 200 Mrd. und die im Gegenzug sofort angekündigten chinesischen Einfuhrzölle auf US-Güter konnten die Marktstimmung nicht trüben. Vor allem amerikanische Investoren machen sich keine Sorgen. Sie betrachten Importe aus China nur als einen kleinen Teil der Güter, die die Unternehmen brauchen …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: Alexandr Junek Imaging / Shutterstock.com

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