Wochenkommentar: Trumps Rechtssorgen lassen die Börse kalt

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Neue Rechtsstreitigkeiten kommen auf US-Präsident Donald Trump zu. Es ist schwer abzuschätzen, wie ernst die politischen Folgen für Trumps Amtszeit ausfallen werden. Diskussionen um eine Amtsenthebung sind jedoch verfrüht. Stattdessen konzentrieren sich Investoren auf die Stärken der US Wirtschaft.

Vergangenen Dienstag wurde Paul Manafort, der Ex-Wahlkampfchef von Donald Trump, wegen Steuerhinterziehung und Bankbetrug für schuldig befunden. Am gleichen Tag wurde Trumps langjähriger Anwalt Michael Cohen des Verstoßes gegen die Gesetze zur Wahlkampffinanzierung angeklagt. In der Folge verhärtet sich damit der Verdacht einer Beteiligung von Donald Trump an illegalen Aktivitäten vor Beginn seiner Amtszeit.

Die Anklagen gegen zwei der engsten Vertrauten Trumps, von denen sich einer bereits schuldig bekannte illegale Zahlung im Namen von Donald Trump getätigt zu haben, heizen Spekulationen um ein Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsident erneut an. Nichtsdestotrotz, halten wir diese Spekulationen für verfrüht. Die jüngsten Entwicklungen stellen zwar einen politischen Rückschlag für das Weiße Haus dar. Doch aktuell beherrschen die Republikanern die Kammer, was eine Amtsenthebung in naher Zukunft unwahrscheinlich macht.

Das könnte erklären, warum die Kapitalmärkte nur gedämpft auf die Nachrichten rund um die beiden ehemaligen Vertrauten Trumps reagierten. Auf der Aktienseite sind wir gegenüber den USA nach wie vor positiv gestimmt und behalten eine Übergewichtung in dieser Region bei. 

Deutschland: Binnenkonsum stark

In der Eurozone ist der Einkaufsmanagerindex (Composite PMI), ein Barometer für die wirtschaftliche Stärke des Fertigungssektors und des Dienstleistungsgewerbes, im August leicht gestiegen. Das Geschäftsklima gab im Fertigungssektor etwas nach, legte bei den Dienstleistungsunternehmen aber zu.

In Deutschland bestätigte die Veröffentlichung der Teilkomponenten zur BIP-Entwicklung im zweiten Quartal, was zuvor bereits vermutet worden war. Insgesamt wuchs das BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,5 % und damit auf ähnlich hohem Niveau wie in den vorangegangenen Quartalen. Die Binnennachfrage stieg im Quartalsvergleich um 0,9 %, mehr als doppelt so stark wie im ersten Quartal und am stärksten seit dem vierten Quartal 2016. Dagegen belastet der Außenhandel das BIP-Wachstum.

Anleihen: Die Politik bleibt eine treibende Kraft

In der Eurozone ist der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen wieder in den Fokus gerückt, nachdem der stellvertretende italienische Ministerpräsident Matteo Salvini in der vorletzten Woche die Haushaltsregeln der EU für den Einsturz der Brücke in Genua verantwortlich gemacht hatte. So können die Investoren weder in Italien noch in Spanien davon ausgehen, dass die Haushaltsgespräche mit der EU reibungslos verlaufen, denn die Regierungen beider Länder bleiben fragil. Insbesondere Italien könnte versuchen, einen nicht den Ausgabenregeln entsprechenden Haushalt aufzustellen; das würde die Spannungen im Euroraum verschärfen und die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen hoch halten.

Unterdessen steht bei der Ratingagentur Fitch am 31. August eine Überprüfung von Italiens Bonitätseinstufung an. Eine Senkung der Note um eine Stufe würde Italiens Investmentgrade-Status noch nicht gefährden. Außerdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Ratingagenturen ihre Einschätzungen erst einmal beibehalten, bis Klarheit zu den Haushaltsplänen herrscht. 

Aktien: Divergierende Performance zwischen den USA und Europa

In den vergangenen Wochen waren wir mit einer uneinheitlichen Aktienmarktentwicklung konfrontiert. Der US-Markt erreichte - getrieben von guten Fundamentaldaten - ein Allzeithoch, während Europa hinterherhinkt. Dort belasten anhaltende Sorgen über geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit der Türkei und drohende amerikanische Handelszölle die Kurse. 

Unterdessen geht die Berichtssaison zu Ende. Die Mehrzahl der Unternehmen scheint wirtschaftlich in guter Verfassung zu sein. Die veröffentlichten Gewinne lagen vielfach über den Erwartungen. Ein Blick auf die regionale Verteilung zeigt, dass in den USA das Gewinnwachstum merklich höher ausgefallen ist und weniger Unternehmen die Erwartungen verfehlten als in Europa und in den Schwellenländern. Verbunden mit der Unsicherheit im Hinblick auf Italien und die Türkei erklärt dies die bessere Kursentwicklung der USA und bestärkt uns in unserer Übergewichtung der USA in unseren Portfolios …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: sokolovsky / Shutterstock.com

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