Wochenkommentar: Stabilisierung trotz gemischter Daten

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In den USA mehren sich die Anzeichen dafür, dass das Wirtschaftswachstum Ende 2019 nachlässt. Der ISM-New-Orders-Index, ein Barometer für die Auftragseingänge in der Fertigungsindustrie und damit für die künftige Investitionstätigkeit der Unternehmen, fiel im Oktober schwächer aus als erwartet. Die Indikatoren für die aktuelle Produktion bewegen sich trotz eines leichten Rückgangs immer noch auf einem relativ hohen Niveau, aber die Auftragseingänge sind auf den tiefsten Stand seit April 2017 gefallen.

Diese Entwicklung passt nach Einschätzung von ABN AMRO Group Economics zu einem drastischen Rückgang des vom Conference Board erhobenen CEO-Stimmungsbarometers, das im dritten Quartal ebenfalls zurückgegangen ist. Es liegt inzwischen auf dem niedrigsten Stand seit der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump im Januar 2016. Getrieben wurde der Rückgang von Sorgen wegen der Handelspolitik und der erwarteten Abkühlung des Wachstums 2019. 

Wir gehen davon aus, dass das US-Wirtschaftswachstum in den nächsten zwei bis drei Quartalen über dem Potenzialwachstum bleibt, wobei dies vor allem dem hohen privaten Konsum und einer Ausweitung der Staatsausgaben zu verdanken sein dürfte. Eine Abkühlung der Investitionen dürfte aber die Dynamik der aktuell außerordentlich hohen BIP-Wachstumsraten dämpfen. Ende 2019 dürfte sich das konjunkturelle Wachstum in den USA verlangsamen, sollten die Zinsen steigen und die Wirkung der fiskalischen Anreize nachlassen.  

Anleihen: EZB nach wie vor sehr entschlossen

Das Wirtschaftswachstum in Europa fällt dieses Jahr weiterhin enttäuschend aus; das bestätigen auch die jüngsten Zahlen, nachdem die Stimmungsindikatoren im Oktober drastisch gesunken sind. Trotzdem sind die Renditen auf deutsche und amerikanische Staatsanleihen vergangene Woche gestiegen, weil sich die Aktienmärkte am Ende eines schwachen Oktobers stabilisiert haben. 

Bei den Risikoprämien von Unternehmensanleihen war von der erhöhten Risikobereitschaft nichts zu spüren; sie sind von den Tiefständen Anfang Oktober weiter gestiegen. Diese Entwicklung könnte sich in den nächsten Monaten fortsetzen, denn in den USA scheint der Kreditzyklus schon sehr weit fortgeschritten zu sein und in Europa muss der Anleihemarkt das Ende des Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank verkraften.                   

Die EZB scheint fest entschlossen, das Anleihekaufprogramm dieses Jahr zu beenden, denn eine Reihe von EZB-Vertretern spielen die jüngsten enttäuschenden Wachstumszahlen herunter. Ohne einen erheblichen Anstieg der Inflation muss die EZB aber unter Umständen ihre Planvorgaben nach und nach anpassen, um die Märkte darauf vorzubereiten, dass es mit der ersten Zinserhöhung noch bis 2020 dauern könnte. Da sich an den Euro-Zinsen also erst einmal nichts ändern wird, bleibt auch der Spielraum für höhere Anleiherenditen in Europa vorerst begrenzt. 

Der Renditeabstand von italienischen zu deutschen Staatsanleihen fiel wieder in Richtung 3 %, nachdem die Ratingagentur S&P milder urteilte als Moody's und Italiens Schuldtitel (noch) nicht herabstufte. Im laufenden Streit der Italiener mit der Europäischen Union (EU) wegen des 2019er Staatshaushalts üben die Anleihemärkte jetzt weniger Druck auf die italienische Regierung aus. Dennoch wird Italiens Regierung konstruktiver sein müssen, wenn die Risikoaufschläge der Staatsanleihen in die vorherige Spanne zwischen 2 und 3 % zurückkehren sollen. Eine weitere Schwächung der Position und des Einflusses von Bundeskanzlerin Angela Merkel wird weder an der Haltung Deutschlands noch an der Haltung der EU in diesem Konflikt etwas ändern.

Die Risikoaufschläge von USD-Schwellenmarktanleihen sind vergangene Woche gemeinsam mit den Spreads anderer Märkte gestiegen. Gleichzeitig blieben die lokalen Schwellenmarktrenditen gleich und die Schwellenmarktwährungen stabil. Der erwartungsgemäß eingetretene Wahlsieg des extrem Rechten Bolsonaro in Brasilien hat in lokaler Währung notierten Schwellenmarktschuldtiteln bereits in den vergangenen Wochen Auftrieb gegeben. In den nächsten Monaten dürften diese Titel weiter steigen, weil die Volkswirtschaften der Schwellenländer offenbar robuster sind als an den Märkten bisher eingepreist.

Aktien: Eine Woche der Stabilisierung

Nach einem schwachen Oktober erlebten wir in der vergangenen Woche eine gewisse Erholung, und zwar in allen Aktienmärkten: USA, Europa, Japan und in den Schwellenländern, wenngleich letztere etwas hinterherhinkten. Die Sektoren Grundstoffe und Finanzen entwickelten sich vergangene Woche weltweit gut, während der zyklische und der nicht zyklische Konsum eine unterdurchschnittliche Entwicklung verzeichneten. …


Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Ersler Dmitry / Shutterstock.com

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