Wochenkommentar: Schwellenländer unter Druck

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Der brasilianische Real ist in den vergangenen Wochen erheblich gefallen, da Investoren aufgrund der Unsicherheit im Vorfeld der Präsidentschaftswahl die brasilianische Währung meiden. Wir wissen zwar um die Probleme im größten Land Lateinamerikas, glauben aber nicht, dass in Brasilien eine ähnliche Entwicklung zu erwarten ist wie in der Türkei.

Mit Blick auf Brasilien leidet die Stimmung der Investoren unter mehreren Faktoren, die auch in anderen Schwellenländern für erhebliche Unruhe gesorgt haben. Dazu gehören die geldpolitische Normalisierung in den USA, ebenso wie die Angst vor wachsendem Protektionismus und vor (geo-)politischen Spannungen.

Trotzdem sollte Brasilien im Falle einer zunehmenden Risikoscheu als Reaktion auf nationale oder internationale Schwierigkeiten weniger gefährdet sein als die Türkei. Während die türkische Volkswirtschaft zur Finanzierung ihres hohen Leistungsbilanzdefizits in hohem Maße von schwankungsanfälligen Zuflüssen aus dem Ausland abhängig ist, verfügt Brasilien über ein geringes Leistungsbilanzdefizit und hohe ausländische Direktinvestitionen. Zudem liegt die Inflation deutlich niedriger, und die realen Zinsen höher.

Seit Anfang des Jahres hat der brasilianische Real gegenüber dem USD knapp 20 Prozent abgewertet und zählt zu den schwächsten Schwellenmarktwährungen. Nur der argentinische Peso und die türkische Lira haben sich noch schlechter entwickelt. Die Schwäche des Real ist nachvollziehbar und geht weitgehend auf externe Faktoren zurück, doch die Fundamentaldaten der brasilianischen Wirtschaft rechtfertigen die schlechte Entwicklung nicht. In der Tat war die Lage von 2014 bis 2016 deutlich schlechter. Unsere Volkswirte gehen davon aus, dass sich die Devisenmärkte wieder beruhigen, wenn die Wahlen vorüber sind und feststeht, wer der nächste Präsident des Landes wird. Danach ist mit einer Erholung des Reals zu rechnen, da die politische Unsicherheit nachlassen wird.

Chancen in Schwellenmärkten?

Die Möglichkeit einer Inversion der Renditekurve in den USA ist momentan eines der am meisten diskutierten Themen an den weltweiten Kapitalmärkten. Von einer inversen Renditekurve ist in dem seltenen Fall die Rede, wenn die Renditen auf kurzfristige Anleihen höher sind als die auf länger laufende Schuldtitel. In der Vergangenheit gingen inverse Renditekurven häufig einem konjunkturellen Abschwung voraus; das erklärt, warum die US-Notenbank Fed die Entwicklung der Renditekurve sehr genau beobachtet. Einerseits scheint sich die Fed im Hinblick auf eine Inversion der Zinsstrukturkurve größere Sorgen zu machen als in früheren Phasen der geldpolitischen Verknappung. Andererseits lässt sich die Notenbank bisher nicht davon abhalten, ihren Zinserhöhungskurs fortzusetzen. Deshalb rechnen wir nach wie vor damit, dass die Fed am 26. September den Leitzins um weitere 25 Basispunkte (Bp) anhebt. Darüber hinaus gehen wir davon aus, dass der Widerstand bei einem Niveau von 3% weiterhin eine Hürde für zehnjährige US-Staatsanleihen darstellen wird. Bis auf Weiteres dürfte sich die Rendite auf zehnjährige Treasuries in der Handelsspanne zwischen 2,80 % und 3 % bewegen. In der Eurozone ergibt sich eine ähnliche Situation: Auch die Rendite auf zehnjährige Bundesanleihen befindet sich seit Mai in einer Seitwärtsspanne zwischen 0,30 % und 0,50 %. Zuletzt ist diese Rendite in Richtung der 0,40-%-Marke gestiegen. 

Bei den Schwellenländern richten die Investoren ihre Aufmerksamkeit auf einzelne Länder wie die Türkei, Argentinien, Südafrika und Brasilien. Ein Übergreifen der Probleme dieser Länder auf andere Schwellenmärkte dürfte sich unserer Einschätzung nach aber in Grenzen halten. In Brasilien befürchteten Investoren zunächst, dass die Gerichte aufgrund des angestiegenen Drucks in der Öffentlichkeit der Kandidatur des  inhaftierten früheren Präsidenten Lula zustimmen könnten. Dieser Entscheidung wurde jedoch aktuell nicht zugestimmt. Solche Bedenken könnten bei den Risikoaufschlägen auf Schwellenmarktanleihen wieder für mehr Volatilität sorgen. Wir beurteilen die Entwicklungen jedoch als innenpolitisches Problem Brasiliens und sehen keine Verknüpfungen mit anderen Schwellenmärkt.

Nach dem Scheitern der Handelsgespräche zwischen China und den USA bleibt das Risiko einer weiteren Eskalation des Handelskriegs weiter hoch. Andererseits haben die USA in der zurückliegenden Woche Verhandlungserfolge für ein Handelsabkommen mit Mexiko erzielt. Gespräche mit dem Nafta Partner Kanada werden in der vor uns liegenden Woche fortgesetzt. Meldungen um den Stand der Gespräche prägen den Marktverlauf an den Börsen. Die Erleichterung der Investoren über eine Einigung mit Mexiko führte in der vergangenen Woche zu niedrigeren Risikoaufschlägen. Auch nach vorne gerichtet dürften Schwellenmarktanleihen von deeskalierenden Entwicklungen im Handelskonflikt profitieren.

Rekordhochs der US-Indizes

Der S&P 500 Index (+0,9 %) und der Nasdaq Index (+2 %) haben beide in einer Handelswoche, die bis Freitag von einer ausgeprägten Risikobereitschaft geprägt war, neue Allzeithochs erreicht. Erneut waren der IT-Sektor und einzelne Akteure im zyklischen Konsumsektor, etwa Amazon, die stärksten Triebfedern für den Markt. Die Investoren haben sich aus defensiven Sektoren wie Telekom zurückgezogen, wie wir es schon in den vergangenen zwei Jahren gesehen haben. Ein positiver Impuls ging von der bilateralen Handelsvereinbarung zwischen den USA und ihrem südlichen Nachbarn Mexiko aus. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: g0d4ather / Shutterstock.com

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