Wochenkommentar: Rezession, welche Rezession?

Aktuelle Nachricht -

Das zweite Quartal 2019 hat so begonnen, wie das erste aufgehört hat: mit steigenden Aktienkursen weltweit. Angetrieben wurde dieser positive Quartalsbeginn weitgehend von den am letzten Montag veröffentlichten Zahlen zum chinesischen Einkaufsmanagerindex (ein Indikator für die wirtschaftliche Gesundheit des Fertigungs- oder Dienstleistungssektors).

Nach drei aufeinanderfolgenden Monaten mit Werten unter 50 (was eine Kontraktion signalisiert) erholte sich der Einkaufsmanagerindex der nationalen Statistikbehörde NBS für die Fertigungsindustrie im März auf 50,5 (was eine Expansion signalisiert) und lag damit deutlich über der Markterwartung von 49,6. Die Verbesserung stand auf einer breiten Basis und wurde von der Produktion und von den Rohstoffbeständen angeführt. Diese Trendwende scheint zu zeigen, dass die politischen Lockerungsmaßnahmen in China offenbar allmählich Wirkung zeigen und das Wachstum ankurbeln. In den USA lag der ISM-Index für die Fertigungsindustrie mit 55,3 ebenfalls über den Erwartungen, und der Markit-Einkaufsmanagerindex für den Fertigungssektor entsprach mehr oder weniger den Prognosen. Allerdings: wie wir in der Vorwoche bei der Veröffentlichung der Daten zu den deutschen Einkaufsmanagerindizes gesehen haben, haben Europas Wirtschaftsindikatoren ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht.

Wenige Tage vor dem Beginn der Berichtssaison für das erste Quartal ist das Verhältnis von Aktien mit gestiegenen Gewinnprognosen zu Aktien mit reduzierten Prognosen im März etwas gestiegen, da Analysten ihre Schätzungen für den Gewinn je Aktie mittlerweile langsamer nach unten korrigierten. Diese Quote hat sich abgesehen von Japan in allen Regionen und auch in den meisten Sektoren verbessert. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg signalisieren die US-Erwartungen für das Gewinnwachstum im ersten Quartal eine leichte Kontraktion um rund 1 %. Dabei waren die schwächsten Werte in den Sektoren Energie, Grundstoffe und IT zu verzeichnen. In Europa liegen die Prognosen für das Gewinnwachstum je Aktie im Jahresvergleich bei 2,6 %. Wie zutreffend diese Erwartungen sind, zeigt sich in den kommenden Wochen.

Die politische Handlungsunfähigkeit Großbritanniens bleibt vorerst bestehen. Daneben laufen die Handelsgespräche zwischen den USA und China weiter und könnten Ende April zu einem Abschluss kommen. Vor diesem Hintergrund behalten wir bei Aktien eine neutrale Haltung bei, wobei wir Schwellenländer und die USA übergewichten und Europa untergewichten. Bei den Sektoren sehen wir für Energie eine Über- und für Finanzen eine Untergewichtung vor. Anderen Sektoren stufen wir neutral ein.

Anleihen: erste Anzeichen einer Erholung

Die jüngsten Fundamentaldaten aus China deuten auf eine Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft hin, während die Daten in den USA schwach bleiben. Zudem hat sich das Leistungsbilanzdefizit der USA im vierten Quartal 2018 unerwartet vergrößert. Zusammengenommen bedeutet dies, dass entweder die US-Wirtschaft weniger produktiv ist als angenommen oder dass der US-Dollar zu stark ist.

Einige der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump scheinen die Fed für die konjunkturelle Abkühlung verantwortlich zu machen und fordern sofortige Zinssenkungen. Die Geldmarkt-Futures signalisierten vor Kurzem eine Senkung der Zinsen um nahezu 40 Basispunkte (Bp) in den nächsten zwei Jahren. Diese Futures-Signale sind seitdem wieder auf 25 Bp zurückgegangen und könnten in den nächsten Wochen sogar noch weiter sinken, wenn die Nachrichten zum globalen Wachstum wieder positiver werden. Außerdem deutet eine Erholung der realen Zinsen und der Inflationserwartungen in den USA auf ein gesundes Wirtschaftsumfeld und in der Folge auf steigende Anleihezinsen hin. Die am Freitag veröffentlichten Beschäftigungsdaten bestätigten, dass die wirtschaftlichen Bedingungen ermutigend sind und die jüngsten schwachen Daten nur ein Ausreißer waren. Damit dürfte die Risikoneigung der Investoren weiter zunehmen. In der vor uns liegenden Woche erwarten wir keine erhöhte Volatilität der Zinsen als Reaktion auf die bevorstehende Rede des Fed-Vizechefs Clarida zum konjunkturellen Ausblick, denn die Fed dürfte weiterhin eine „geduldige“ Geldpolitik an den Tag legen. 

Auch bei der geldpolitischen Sitzung der EZB am 10. April gehen wir davon aus, dass es kaum Auswirkungen auf die Zinsen oder die Risikoaufschläge gibt, da die Notenbank die Zinsen unverändert lassen dürften. Von den Parlamentswahlen in Finnland am 14. April dürften ebenfalls keine nennenswerten Schwankungen der Renditen ausgehen. Am 12. April werden definitiv wieder alle Augen auf das britische Parlament gerichtet sein, denn dann müssen die Abgeordneten im House of Commons einem Deal zustimmen, um eine Fristverlängerung des Brexit-Verfahrens zu erhalten. Das dürfte die Investoren unserer Einschätzung nach nicht davon abhalten, in risikobehafteten Vermögenswerten nach Rendite zu suchen, etwa bei Unternehmens- und Schwellenmarktanleihen, wo wir unsere Übergewichtung beibehalten. ...

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Sean Pavone / Shutterstock.com

Diesen Artikel empfehlen

Was können wir für Sie tun?

Kontaktieren Sie uns.