Wochenkommentar: Noch keine Weihnachtsgeschenke

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Die Aktienmärkte verzeichneten vergangene Woche erneut eine hohe Volatilität, was vor allem an der anhaltenden geopolitischen Unruhe lag.

Am Montag ging es gleich mit negativen Vorzeichen los, nachdem die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Telekomausrüsters Huawei in Kanada am Wochenende für neuen Zündstoff im Hinblick auf den Handelskrieg zwischen den USA und China gesorgt hatte. In den darauf folgenden Tagen verlagerten die Anleger ihre Aufmerksamkeit auf Trumps Androhung eines Haushaltsstopps der US-Regierung. Außerdem verdauten die Märkte das Ergebnis der Sitzung der Opec+ („Opec+“ bezieht sich auf die Opec und ihre Partner). Die vereinbarten Produktionskürzungen waren zwar etwas höher als erwartet, aber die Erholung der Ölpreise währte nur kurz. Unterdessen ging die Brexit-Saga in eine neue Runde: Theresa May verschob die Abstimmung im Parlament, überlebte ein Misstrauensvotum gegen sie und versuchte, von EU-Partnern Unterstützung für ihren Austrittsvertrag zu erhalten. An den Märkten schlägt sich die Brexit-Volatilität zwar vor allem in Schwankungen der GBP-Wechselkurse nieder, aber positiv ist sie für die Stimmung an den Aktienmärkten nicht gerade. 

Aus Sektor-Perspektive traf es amerikanische Technologieunternehmen am stärksten; bei ihnen kam am Montag der vergangenen Woche erheblicher Verkaufsdruck auf. Im Wochenverlauf erholte sich der Sektor allerdings wieder. Auf Unternehmensebene machen sich immer wieder die Auswirkungen der konjunkturellen Abkühlung in Europa bemerkbar. Vergangene Woche korrigierte BASF seinen Ausblick für das vierte Quartal nach unten. Die Herausforderungen von BASF sind zwar zum Teil unternehmensspezifisch, aber die zögerliche Nachfrage der Endverbraucher hat die Branchendynamik zweifellos negativ beeinflusst. 

Wie vergangene Woche bereits erwähnt, werden die Gewinnerwartungen momentan an neue Konjunkturprognosen für das kommende Jahr angepasst. Sobald die Korrektur zu hoher Gewinnschätzungen angepasst ist, haben die Aktienmärkte Luft für eine Bodenbildung. Wenn es auf geopolitischer Seite etwas Entspannung gibt, könnte das Marktumfeld Anfang 2019 sicher freundlicher aussehen.

Anleihen: Wachsende Unsicherheit

An den Finanzmärkten und in der globalen Politik wächst die Unsicherheit. Italien, Brexit und die Gelbwesten in Frankreich geben in Europa Anlass zur Sorge, auch der jüngste G20-Gipfel konnte den Investoren nicht die Befürchtung nehmen, dass die Handelskonflikte 2019 weiter eskalieren. Die wachsende Unsicherheit belastet zunehmend die Stimmung in der Wirtschaft; die US-Wirtschaftsindikatoren sind inzwischen die einzigen, die noch nach oben zeigen. Fed-Chef Powell schlug in seinen letzten Reden bereits einen vorsichtigeren Ton an und schürte damit an den Märkten die Erwartung, dass die Fed nach ihrer Sitzung diese Woche die Grundrichtung ihrer Kommunikation deutlich verändert. Dass die US-Notenbank bei der jetzigen Sitzung eine weitere Zinserhöhung beschließt, ist zwar weiterhin sehr wahrscheinlich, aber für 2019 haben die Märkte weitere Zinserhöhungen fast schon ausgepreist. Die EZB hat - wie weithin erwartet worden war - beschlossen, ihr Anleihekaufprogramm (quantitative Lockerung) zum Jahresende einzustellen. Gleichzeitig bekräftigte die Zentralbank aber ihre Absicht, die Zinsen sehr lange niedrig zu belassen, weil die Wachstums- und Inflationsprognosen gesenkt wurden. Wir rechnen nicht vor 2020 mit Zinserhöhungen durch die EZB; das birgt das Risiko, dass die Zinsen während des gesamten laufenden Konjunkturzyklus am Boden bleiben. 

Die ersten Anzeichen einer Inversion der Renditekurve bei US-Staatsanleihen scheint die Sorge verstärkt zu haben, dass eine Rezession kurz bevorsteht. Während die Renditen auf amerikanische und deutsche Staatsanleihen inzwischen parallel fallen, sind die Risikoprämien bei Unternehmensanleihen in den vergangenen Monaten so stark gestiegen, dass sie nicht mehr zu dem von uns und den Wirtschaftsindikatoren erwarteten konstruktiven Umfeld mit einem geringen positiven Wachstum und einer niedrigen Inflation passen. Die Risikoaufschläge von BBB-Unternehmensanleihen sind von einem Fünf-Jahres-Tief Anfang dieses Jahres auf ein Fünf-Jahres-Hoch gestiegen und liegen jetzt ungefähr auf dem Niveau, bei dem die EZB 2016 anfing, Unternehmensanleihen zu kaufen. Relativ betrachtet sind die Risikoaufschläge von Investmentgrade-Anleihen inzwischen weltweit deutlich stärker gestiegen als die von Hochzinsanleihen. Wenn das Rezessionsrisiko höher ist als derzeit von uns erwartet, sind die Risikoaufschläge von Hochzinstiteln wohl am stärksten gefährdet. Sollten sich die Wirtschaftsdaten als stabiler erweisen als die Unruhe an den Märkten suggeriert, werden Unternehmensanleihen im Vergleich attraktiver.

Rohstoffe: Die OPEC handelt

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat am vorletzten Freitag beschlossen, die Produktion um 1,2 Millionen Barrel pro Tag zu reduzieren. Die Senkung tritt im Januar in Kraft, und der Bezugswert für die Senkung ist das Förderniveau vom Oktober. Leicht ist den Produzenten diese Einigung nicht gefallen, und einige Länder, darunter Iran, Venezuela und Libyen, sind von den Produktionskürzungen ausgenommen. Ziel ist es, die Ölmärkte zu stabilisieren und die Preise zu stützen. In letzter Zeit wurden viele spekulative Long-Positionen geschlossen, weil die USA einigen Ländern entgegen des Embargos erlaubten, iranisches Erdöl zu kaufen. Die Ausnahmegenehmigungen waren für Spekulanten ein Zeichen dafür, dass die von den USA verhängten Sanktionen doch nicht so scharf sind wie erwartet. Die angekündigten Produktionskürzungen haben die Ölpreise gestützt, deutlich gestiegen sind die Preise aber nicht. Wir gehen 2019 weiterhin von einem moderaten Anstieg der Ölpreise aus, was für die Präferenz für Rohstoffe innerhalb der Asset-Allokation spricht. ...

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: ChiccoDodiFC / Shutterstock.com

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