Wochenkommentar: Neue TLTRO stärken Bankensektor

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In der vergangenen Woche haben wir die 2019er Prognose für das Wirtschaftswachstum in den USA von 2,7 % auf 2,3 % gesenkt. Trotz guter Daten im vierten Quartal 2018 scheint die Dynamik Anfang 2019 deutlich nachzulassen.

Den Großteil des Jahres 2018 schienen die USA gegen den weltweiten Abschwung in der Fertigungsindustrie immun zu sein. Doch in jüngster Zeit werden die US-Daten des produzierenden Gewerbes immer schwächer. Gleichzeitig macht sich die weltweit schwächere Wirtschaftsaktivität auch in niedrigeren US-Exporten bemerkbar. Den Handelsdaten für Dezember zufolge, die aufgrund der vorübergehenden Schließung der US-Regierung verspätet veröffentlicht wurden, sind die US-Exporte im letzten Monat des Jahres 2018 gegenüber dem Vormonat um 1,5 % gefallen. Da die Abschwächung des globalen Fertigungssektors in den kommenden Quartalen anhalten dürfte, ist bei den Exporten der USA in nächster Zeit weiter mit Gegenwind zu rechnen.

Anleihen: Stehen die Banken immer noch auf wackeligen Beinen?

Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte am Donnerstag eine neue Runde zinsgünstiger Kredite für Europas Bankensektor an, die sogenannten Targeted Longer-Term Refinancing Operations (TLTROs). Doch warum spielt die Nachricht über eine neue TLTRO-Runde eine Rolle? 

Von 2014 bis 2017 bot die EZB mit solchen TLTROs Banken zinsgünstige Kredite an, um die Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte zu fördern. Das käme der Wirtschaft zugute, weil bessere Kreditkonditionen das Wachstum fördern. Die Banken sind immer noch damit beschäftigt, ihre Bilanzen zu stärken und die Qualität ihrer Kreditportfolios zu verbessern. 

Ab dem kommenden Jahr müssen Banken planen, wie sich die sogenannte strukturelle Liquiditätsquote NSFR (Net Stable Funding Ratio, eine im Rahmen von Basel III eingeführte aufsichtsrechtliche Kennzahl) auf ihren Finanzierungsbedarf auswirken wird. Die NSFR legt fest, welche Arten von Liquidität Banken für die von ihnen eingegangenen Risiken vorhalten müssen. Die ersten TLTROs müssen die Banken erst 2020 zurückzahlen. Nach den neuen NSFR-Standards gelten aber Kredite, die Banken innerhalb eines Jahres zurückzahlen müssen, nicht mehr als Liquidität. Das heißt, Kreditinstitute müssten mit der Refinanzierung ihrer TLTROs schon ab Juni 2019 anfangen; das wäre für bestimmte Banken schwierig gewesen, hätte die EZB am Donnerstag nicht eine neue Runde von TLTROs angekündigt. Selbst in einem Szenario mit stärkerem Wachstum und höherer Inflation als heute hätten schwächere Banken Schwierigkeiten gehabt, ohne TLTROs ihren Finanzierungsbedarf zu decken. 

Außerdem ist die gegenseitige Abhängigkeit zwischen den Banken durch die Einführung der TLTROs zurückgegangen. Das ist begrüßenswert, weil dadurch bei Stresssituationen, wie zum Beispiel einer Staatsschuldenkrise, die systemischen Auswirkungen geringer ausfallen könnten. Sollte es in einem EU-Land zu einer Staatsschuldenkrise kommen, wäre dies eine Belastung für die lokalen Banken, die Schuldtitel ihres Landes halten. Die Auswirkungen auf andere EU-Länder wären aber geringer als früher, weil der Dominoeffekt auf die Banken anderer Länder durch die geringere Verflechtung nicht so ausgeprägt wäre. Die EZB hatte am Donnerstag eine heikle Nachricht zu überbringen: Sie musste ihren Wachstumsausblick senken, ohne die Märkte zu verschrecken. Gleichzeitig dienten diese niedrigeren Wachstumsaussichten als Rechtfertigung für eine neue TLTRO-Runde. Wir kommen vorerst zu dem Ergebnis, dass diese neue Finanzierungsrunde für die Risikobereitschaft an den Märkten gut ist. Sowohl Unternehmensanleihen als auch Staatsanleihen der Peripherieländer dürften davon profitieren.

Aktien: Keine Senkungen der Gewinnprognosen mehr?

Die Analysten haben ihre Prognosen für die Unternehmensgewinne einige Monate lang gesenkt, werden jetzt aber wieder etwas zuversichtlicher. Es werden zwar immer noch mehr Prognosen gesenkt als angehoben, doch die Dynamik des Verhältnisses wird in den USA wieder positiv und stabilisiert sich im Rest der Welt. Trotzdem hat der S&P-500-Index Schwierigkeiten, über die Marke von 2800 Punkten zu steigen. In der vergangenen Woche ging der US-Aktienindex leicht zurück.

Die makroökonomischen Nachrichten wurden vergangene Woche von China dominiert. Das Land senkte am Dienstag sein Ziel für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2019 von rund 6,5 % auf nunmehr „6,0 bis 6,5 %“. Der Wechsel von einer exakten Zielvorgabe zu einem Korridor gibt den Verantwortlichen Handlungsspielraum. Darüber hinaus kündigte Chinas Ministerpräsident Li Keqiang Steuersenkungen im Umfang von CNY 2 Billionen (USD 298 Mrd.) an, um die Konjunktur anzukurbeln. Chinas Aktienmarkt setzte seinen Aufwärtstrend vergangene Woche fort. Chinesische A-Aktien sind seit Jahresbeginn um 21 % gestiegen. 

Der Anstieg der Ölpreise fand am Dienstag ein Ende, nachdem die Rohölbestände gestiegen waren und Exxon Mobil und Chevron angekündigt hatten, ihre Produktion im Permian-Becken bis 2024 um rund zwei Millionen Barrel pro Tag auszuweiten. Daraufhin hatte der Energiesektor am Mittwoch mit Kursverlusten zu kämpfen ...

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Foto: shutterstock.com / McIek

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