Wochenkommentar: Konjunktureller Trend belastet

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Jüngste Konjunkturdaten bestätigen die negative Entwicklung in Deutschlands Fertigungssektor und bei den Exporten des Landes. Ein stärkerer Rückgang der Exporte und der Industrieproduktion in den ersten drei Monaten von 2019 könnte Deutschlands BIP-Wachstum sogar zum Erliegen bringen.

Die Auftragseingänge bei deutschen Industrieunternehmen sind im Dezember zurückgegangen. Nach einem Rückgang von -0,2 % gegenüber dem Vormonat im November beschleunigte sich die monatliche Entwicklung im Dezember auf -1,6 %. Die Auftragseingänge sind auf monatlicher Basis zwar schwankend, befinden sich seit Anfang des vergangenen Jahres aber in einem übergeordneten Abwärtstrend. In der Folge intensivierte sich der Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von -4,3 % im November auf -7,0 % im Dezember; damit erreichte das Minus eine Größenordnung, die es seit Mitte 2012 nicht mehr gegeben hat. Interessanterweise sind die Bestellungen von Kraftfahrzeugen, Anhängern und Aufliegern im Dezember wieder gestiegen (+4 % gegenüber dem Vorjahr), nachdem sie in den fünf vorangegangenen Monaten aufgrund von einmaligen Verzerrungen im Zusammenhang mit neuen Emissionsvorschriften gefallen waren.

Unserer Einschätzung nach bestätigt der Rückgang der Auftragseingänge in der Industrie das Bild, das zuvor bereits der Ifo-Geschäftsklimaindex und der Januar-Einkaufsmanagerindex für die Fertigungsindustrie gezeichnet hatten: nämlich dass sich der Abschwung in Deutschlands Industrie und bei den Exporten des Landes Ende 2018 und Anfang 2019 intensiviert hat. Die Daten für Deutschlands BIP-Wachstum im vierten Quartal 2018 wurden zwar noch nicht veröffentlicht, aber die Zahlen zum Jahreswachstum für das Gesamtjahr 2018 deuten darauf hin, dass das BIP im vierten Quartal leicht gestiegen ist; dies liegt vermutlich am neuerlichen Wachstum der Binnennachfrage, dem eine negative Entwicklung bei den Exporten und bei der Industrieproduktion gegenüberstehen. Sollten die Exporte und die Industrieproduktion im ersten Quartal 2019 aber stärker zurückgehen, könnte dies das BIP-Wachstum auf null oder sogar in den negativen Bereich drücken.

Die Konsensprognosen für Deutschlands BIP-Wachstum im Gesamtjahr 2019 liegen bei 1,4 %. Dies liegt deutlich über unserer eigenen Prognose von 1,0 %, wobei wir angesichts der jüngsten Daten inzwischen selbst dies für zu hoch halten. Das Gleiche gilt für die Eurozone als Ganzes.

Aktien: Berichtssaison durchwachsen 

Die Märkte konzentrieren sich momentan voll und ganz auf die Berichtssaison. In den USA haben rund 60 % der Unternehmen des S&P-500-Index Zahlen vorgelegt, in Europa sind es rund 30 % der Unternehmen. Nachdem sich die Wirtschaftsdaten im Dezember erheblich eingetrübt haben und der Handelskrieg immer noch anhält, blickten viele mit Sorge auf die Unternehmensergebnisse. Doch auch wenn die Ergebnisse vieler Unternehmen noch ausstehen, lässt sich jetzt schon konstatieren, dass die Geschäftszahlen für das vergangene Quartal gar nicht so schlecht ausgefallen sind. 

In den USA lagen die Unternehmensgewinne in den vergangenen acht Quartalen im Schnitt 4–7 % über den Erwartungen. Die Zahlen für das vergangene Quartal liegen im Durchschnitt ca. 2% über den Erwartungen. Angesichts des schwierigen Umfelds ist dieses Ergebnis in den USA recht gut. Die Unternehmen leiden unter einem gewissen Margendruck, weil die Löhne in den USA weiterhin schneller steigen als die Inflation. Zweitens haben höhere Einkaufskosten durch Zölle, die die USA und China verhängt haben, die Margen einiger Unternehmen geschmälert. 

In Europa ist es für ein Fazit noch zu früh, aber die Umsatzentwicklung liegt bisher 2 % unter den Erwartungen. Europas Konjunktur lässt nach. Insbesondere in Deutschland, wo die Automobilindustrie einen starken Rückgang verzeichnet, wird dies von Unternehmen als einer der Gründe angeführt. 

Anleihen: Gibt China den Ausschlag?

Die Renditen auf Staatsanleihen der Kernländer gehen seit Sommer 2018 zurück. Das könnte mit einer weltweiten Abschwächung des Wachstums zu tun haben. Deshalb dürften die Renditen auf 10-jährige Kernländeranleihen noch einige Zeit auf ihrem niedrigen Niveau bleiben: US-Treasuries bei rund 2,70 % und Bundesanleihen bei rund 0,13 %.

Bei risikobehafteten Vermögenswerten war eine höhere Volatilität zu beobachten, insbesondere im letzten Quartal 2018, seitdem geht es aber wieder bergauf. Trotzdem ist die Stimmung weniger zuversichtlich als noch vor einem Jahr. Die Investoren blicken nervös auf die Abschwächung der globalen Wachstumsdynamik, während die Unternehmensgewinne weniger beeindruckend ausfallen als zuvor und die Schuldenstände immer noch hoch sind. Wir bevorzugen deshalb weiterhin Investment-Grade-Unternehmensanleihen gegenüber High-Yield-Titeln. 

In diesem Umfeld könnte China den Ausschlag geben, denn der Ausblick für die dortige Wirtschaft ist unklar. Die konjunkturelle Dynamik des Landes hat nachgelassen und könnte noch schlechter werden. Diese Woche stehen Chinas Handels- und Finanzierungsdaten für Januar an. Beide dürften Aufschluss über den aktuellen Zustand der chinesischen Wirtschaft und der staatlichen Stützungsmaßnahmen geben. Die Abkühlung in China wird sich auch auf das Wachstum der Weltwirtschaft auswirken, allerdings ist noch nicht absehbar, wie genau die Folgen für die abnehmende Wachstumsdynamik in Europa und im Rest der Welt aussehen werden.

In den USA stehen politische Unsicherheitsfaktoren bevor, nämlich eine erneute Schließung von Regierungsbehörden, die Schuldenobergrenze und mögliche Gipfeltreffen der USA mit China und Nordkorea. In Europa herrscht Unsicherheit im Hinblick auf Italien und den Brexit. Die Ratingagentur Fitch überprüft am 22. Februar Italiens Bonitätseinstufung. Aktuell liegt sie bei BBB, aber mit negativem Ausblick. Zudem könnten die bevorstehenden Europawahlen im Mai zu mehr Populismus in Brüssel führen. Dies könnte die EU-Politik beeinflussen. Der Ausgang der politischen Entwicklungen ist ungewiss, deshalb sind die Investoren vorsichtiger. 

Den größten Einfluss auf die Stimmung an den Märkten wird die geldpolitische Entwicklung haben. Die Notenbanker zögern seit einigen Wochen stärker, die geldpolitischen Zügel weiter anzuziehen. Jetzt, wo die Konjunkturdaten keinen eindeutigen Trend mehr ausweisen, dürfte die Stimmung der Marktteilnehmer zunehmend Schwankungen unterliegen ...

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: g0d4ather / Shutterstock.com

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