Wochenkommentar: Kommt der Handelsdeal?

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Trotz einer Reihe von veröffentlichten Unternehmenszahlen und politischen Nachrichten, etwa zum Brexit und zur Möglichkeit einer Handelsvereinbarung zwischen den USA und China, entwickelten sich die Aktienmärkte in der vergangenen Woche mehr oder weniger seitwärts. In einem volatilen Umfeld favorisieren wir weiterhin eine neutrale Haltung gegenüber Aktien.

Zu Wochenbeginn verschoben die USA die Erhöhung der Zölle auf chinesische Importgüter, nachdem der US-Präsident bedeutende Verhandlungsfortschritte bei Themen wie dem Schutz von geistigem Eigentum, dem Kauf von Agrargütern und der Wechselkurspolitik signalisiert hatte. Im März treffen sich die USA und China, um ihren Handelsstreit beizulegen. Eine entsprechende Handelsvereinbarung wäre eine Erleichterung für die Märkte. Im Vorfeld der Brexit-Abstimmung im britischen Parlament am 12. März versprach Premierministerin Theresa May, den Brexit zu verschieben, um einen ungeregelten Austritt zu verhindern. Die steigende Wahrscheinlichkeit einer Verschiebung und eines neuen Brexit-Referendums ließ vergangene Woche das britische Pfund aufwerten.

Anleihen: uneinheitliche Signale

Die Rentenmärkte sind auf Kurs geblieben und haben über alle Anlageklassen hinweg Überschussrenditen erzielt. Dieser Trend profitierte vor allem von den expansiven Tönen der Federal Reserve in den USA und der Europäischen Zentralbank. Momentan sind keine Zinserhöhungen für 2019 zu erwarten. Angesichts der aktuellen Devise von Fed-Chef Jerome Powell, die US-Notenbank werde bei ihrer „geduldigen“ Haltung bleiben und die geldpolitischen Entscheidungen „werden weiterhin von den Wirtschaftsdaten abhängen“, wäre sogar denkbar, dass die Fed die Zinsen senkt, wenn eine Rezession droht. In der gleichen expansiven Grundstimmung betonte Powell vergangene Woche auch, die Fed sei bereit, gegebenenfalls die Normalisierung ihrer Bilanz anzupassen.

Die Rentenmärkte profitierten zudem von positiven Nachrichten aus dem Bereich der Diplomatie. Donald Trump hat ermutigende Botschaften in Bezug auf den Handelsstreit mit China getwittert; und in der Brexit-Saga scheint es jetzt einen konstruktiven Dialog zu geben. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: „Wenn Großbritannien mehr Zeit braucht, werden wir uns dem nicht verwehren; aber wir streben eine geregelte Lösung an.“

In der Folge sind die Renditeaufschläge über alle Anlageklassen hinweg weiter gefallen und liegen jetzt wieder auf dem Niveau von vor der Stressphase, die Ende 2018 eingesetzt hatte. Das Umfeld mit niedrigen Zinsen und einer geringen Inflation ist positiv und fördert Investitionen in neu emittierte Unternehmensanleihen. Doch das positive Szenario könnte in Schwierigkeiten geraten. Die Konjunkturdaten bleiben schwach, die Fertigungsdaten werden schlechter, vor allem in Europa, und der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex ist sechs Monate in Folge gefallen und hat den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren erreicht. In den USA sind die Einzelhandelsumsätze zurückgegangen, in China ist das Wachstum schwächer geworden, und keine der oben genannten Kraftproben sind gelöst – weder der Handelskrieg noch der Brexit.

Im Hinblick auf die Unternehmensanleihen waren die Zahlen für das vierte Quartal eine Mischung aus zufriedenstellenden und enttäuschenden Nachrichten. Vor allem aber haben viele Unternehmen ihre Wachstumsziele für 2019 gesenkt. Im Hinblick auf die Verschuldung hat die OECD ihren Bericht „Corporate Bond Markets in a Time of Unconventional Monetary Policy“ (Unternehmensanleihemärkte in Zeiten einer unkonventionellen Geldpolitik) veröffentlicht, der betont, dass sich das Volumen der ausstehenden Unternehmensanleihen nicht finanzieller Emittenten seit 2008 auf USD 13 Billionen verdoppelt hat. In vielen Fällen haben diese Anleihen wesentliche Schwächen, zum Beispiel schlechtere Covenants, also Verpflichtungen der Anleiheschuldner.

In einem Markt mit uneinheitlichen Signalen versuchen wir, unser Risiko in Anleiheportfolios zu begrenzen und nehmen eine neutrale Haltung beim Laufzeitrisiko (Duration), das heißt in Bezug auf Zinsen, ein. Wir favorisieren weiterhin Schwellenländer, denn wir glauben, dass diese Märkte sich mit einem höheren konjunkturellen Wachstumspotenzial besser entwickeln könnten als Hochzins-Unternehmensanleihen, die wir als zunehmend anfällig einstufen und deren Risiko-Rendite-Profil nicht attraktiv ist. Während wir bei Hochzins-Unternehmensanleihen davon ausgehen, dass sie bei Risikoaufschläge nicht mehr weiter einengen können, sondern an einen Widerstand stoßen, könnten sich Schuldtitel aus Schwellenländern in Richtung der Stände von 2017 entwickeln; deshalb haben sie für uns Vorrang ...

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Ersler Dmitry / Shutterstock.com

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